Heimatforscher fragen Zeitungsleser : Eckernförde: Auf der Spur der Schröderschen Villa

Das Bild zeigt die einzige Aufnahme aus dem Innenraum.
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Das Bild zeigt die einzige Aufnahme aus dem Innenraum.

Die Heimatgemeinschaft Eckernförde sucht mit Hilfe der Leser Antwort auf Fragen ungeklärter historischer Zusammenhänge.

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03. Januar 2018, 14:27 Uhr

Eckernförde | Auf der Carlshöhe gab es einst die Gärtnerei Carl von Ape und ein beliebtes Ausflugslokal. 1908 kaufte die Liegenschaft Johann Heinrich Carl Freiherr von Schröder und richtete hier einen Gutsbetrieb ein. An der schönsten Stelle, mit Blick über das Noor, ließ Schröder eine Villa bauen, die einmal zu den attraktivsten Gebäuden der Stadt gehörte. Architekt war Wilhelm Kruckau (1867-1941), erfolgreicher Absolvent der Baugewerkschule Eckernförde (Examen 1891) und besonders vielseitiger Bauplaner. Von Kruckau stammt etwa das Geschäftshaus der Eckernförder Zeitung am Rathausmarkt 1 und das Wohnhaus am Vogelsang 38. Ebenfalls erhalten sind die nebeneinander liegenden Kruckau-Bauten in der Rendsburger Straße, wobei in Nr. 36 Kruckau selbst gewohnt hat.

Bei ihrer kulturhistorischen Forschungsarbeit stoßen Bürger aus Eckernförde und dem Altkreis immer wieder auf historische Bauten, auf Denkmäler und Bilder, die sie nicht vollständig deuten können. Die Eckernförder Zeitung zeigt in unregelmäßig erscheinender Serie Fotos von solchen Objekten, die die Heimatgemeinschaft Eckernförde und ihre „Arbeitsgemeinschaft Foto-Dokumentation“ aufgespürt haben. Die  Leser werden gebeten, bei der weiteren Recherche über Hintergründe und Details zu helfen. Wer etwas zu Ursprung, Inhalt, Alter, ehemaligem Standort und anderen Aspekten der abgebildeten Motive beitragen kann, wird gebeten, diese Informationen der Heimatgemeinschaft mitzuteilen (Barbara Schäfersküpper Tel. 04351/85427 oder 04351/907366).

Die Schrödersche Villa gehörte einst zu den schönsten Gebäuden in Eckernförde. Vor einigen Jahren wurde sie abgerissen.
Foto: Ulrich Kleinfeld
Die Schrödersche Villa gehörte einst zu den schönsten Gebäuden in Eckernförde. Vor einigen Jahren wurde sie abgerissen.

Die Schrödersche Villa auf Carlshöhe zeigte eine interessante Mischung aus Historismus, Jugendstil und Reformarchitektur. Eine ausladende Treppe, ganz im Stil der von Friedrich Baasch entworfenen Treppe am alten Rathaus, führte in die Innenräume. Unübersehbar war auch der Turm, von dem man weit ins Land und wohl auch auf die kreiseigene, nach Owschlag führende Kleinbahn am Rande des Noores sehen konnte.

1934/35 verkaufte Baron Hans von Schröder, der das Gut inzwischen von seinem Onkel Johann Heinrich übernommen hatte, seinen Besitz an die Marine, die auf Carlshöhe ihre Kasernengebäude baute und am Noor auch einen Bootshafen und eine Badeanstalt einrichtete.

In und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Villa mehrere Funktionen, war Teil der Flüchtlingslager, wurde von Zollschule und Landespolizeischule betreut und diente schließlich der Deutschen Marine als Offizierheim. Vor einigen Jahren wurde die Schrödersche Villa im Zuge der Neugestaltung der verkauften früheren Kasernenanlage abgerissen.

Mitglieder der AG „Foto-Dokumentation“ der Heimatgemeinschaft hatten von der Villa, kurz vor ihrem Verschwinden, einige Fotos gemacht – darunter ist auch ein einziges Bild des zentralen Innenraumes. „Es fehlen Fotos der einst sicher aufwendig eingerichteten Wohn- und Arbeitsräume vor 1935, es fehlt die Dokumentation von Treppen, Toren, Fenstern und dem Turm, von eventuell im Haus befindlichen Kunstwerken, von historischem Vorplatz und Garten, es fehlen auch Fotos aus den frühen Jahren des Offiziersheimes“, erklärt Heinrich Mehl. Die AG ist für jede Information über die Schrödersche Villa dankbar.

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