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Eckernförder Zeitung

23. August 2017 | 08:38 Uhr

Dusche zu dritt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vor einigen Jahren zog ich in ein Ferienhäuschen. Die Menschen in der Straße waren mir fremd. Ich musste Anschluss finden, denn Freunde und Kollegen waren auf den Inseln oder an Bord eines Seebäderschiffes zurückgeblieben. Wie fange ich es nur an, fragte ich mich etwas verzagt. Der Zufall, wenn es ihn denn gibt, half mir.

Und das ging so: Des Morgens erfreute mich oft ein fröhliches Pfeifkonzert, am Nachmittag hingegen kitzelte des Öfteren ein angenehmer Tabakduft meine Nase - aber wer bescherte mir diese Freuden? Siehe da, es war der Nachbar von gegenüber, eine Frohnatur, aber auch ein liebevoller Großvater. Er hatte für seine Enkel hinter dem hohen Tor in seinem Garten ein wahres Kinderparadies geschaffen. Hier ruhte er auch so manches Mal nach des Tages Müh‘ in seinem Liegestuhl und genoss den heraufdämmernden Abend mit der geliebten Pfeife. Wir wurden Freunde.
Nach einigen Jahren zog dieser Freund nach Gettorf ins Betreute Wohnen, unsere Wege trennten sich, wir wollten aber in Verbindung bleiben. Ich war skeptisch, zu viel war mir schon in meinem Leben versprochen, doch nicht eingehalten worden. Es klappte aber. Wir trafen uns im Wechsel in Eckernförde oder in Gettorf zu manch nettem Frühstück und konnten dabei herrlich klönen.

Heute sollte ich seine zweite Wohnung kennenlernen, hatte er doch die Etagenwohnung gegen eine Parterrewohnung mit kleiner Terrasse und Mini-Garten tauschen können. Schön hatte er es auch hier gemacht, halt nur wesentlich kleiner als damals in Eckernförde. So konnte ich seine leichte Wehmut verstehen. Wir machten einen Rundgang um das große Haus, um dann auf der Terrasse in Ruhe Kaffee zu trinken. Ich bewunderte den großen Gänserich, der wie ein Hofhund alles zu bewachen schien, und lauschte den Erzählungen des Freundes, als ich unverhofft eine kleine Erfrischung bekam. Zuerst wurde nur ich nass, doch als besagter Freund selbst eine Dusche abbekam, wurde er aufmerksam und schaute nach oben. Wir sahen aber nichts. Ach, meinte er leise, vielleicht gießt die neue Nachbarin ihre Balkonblumen. Da tröpfelt es hin und wieder.

Wir lachten beide – doch das Nass von oben nahm zu. Wir wollten es genau wissen, und schauten erneut hinauf. Keine Nachbarin mit Gießkanne, nur ganz oben badete mit wahrer Hingabe ein großer Vogel in der Regenrinne. Immer, wenn er aus dem kühlen Nass auftauchte, schüttelte er das Wasser aus seinem Gefieder und verpasste uns eine Dusche.

Herrlich! Wem wird schon auf diese Art und Weise ein gemeinsames kostenloses Duschen mit einem lieben Freund beschert, fragte ich mich. Ich hoffe, noch viele solcher Treffen erleben zu dürfen. Doch ob es je noch einmal so feucht-fröhlich verlaufen wird, da müsste ich unseren gemeinsamen Duschfreund fragen, doch er flog davon.

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erstellt am 15.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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