Neue Musik : Durch Hörabenteuer zu neuen Dimensionen des Erlebens

Die iranische Komponistin Elnaz Seyedi und Gerald Eckert
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Die iranische Komponistin Elnaz Seyedi und Gerald Eckert

Bei dem zweiten Konzert der Neue-Musik-Reihe beschäftigten sich internationale Komponisten „phantasievoll mit verschiedenartigen Phänomenen des Klangs“.

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06. März 2018, 06:09 Uhr

Eckernförde | Mit dem Schriftzug „mobile elements“ war die zweite Folge der diesjährigen „Konzertreihe Neue Musik Eckernförde“ mit einem poetischen Programm überschrieben, „bei dem sich internationale Komponisten phantasievoll mit verschiedenartigen Phänomenen des Klangs beschäftigen.“ Es blieb nicht nur bei den Komponisten, auch die Zuhörer und vorher, noch viel mehr, waren die Interpreten gefordert. Allesamt Hochleistungskünstler, die mit unkonventionellen Spieltechniken die Strukturen der Stücke aus den Notenblättern herauslösten und in „Hörabenteuer der besonderen Art“ (Beatrix Wagner) entführten.

Es waren Herausforderungen für Augen und Ohren, Hör- und Gedanken-Abenteuer, die volles Versinken in die Klänge erforderten. Dann öffneten sich darin neue Dimensionen des Erlebens. Zunächst als intellektuelle Erfahrung, später auch gefühlt. Wie in den „Fragmenten der Erinnerung“ der 1982 geborenen und bereits vielfach ausgezeichneten iranischen Komponistin Elnaz Seyedi. Ausgehend von einer musikalisch dichten Situation (das Urereignis) werden Erinnerungen daran im Laufe der Zeit immer grober, wobei auch hin und wieder Details verschwinden oder deutlich hörbar werden. Nicht die Schönheit von Klängen (=Erinnerungen) steht hier im Vordergrund, sondern Details. „Dabei verweben sich instrumentale und elektronische Klänge miteinander, werden aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet oder sogar zerlegt und verändert zusammengesetzt in eine neue Form gebracht“, erklärt die Ankündigung dazu im wieder ausführlichen und hilfreichen Programm.

Mit weiteren Werken von Pablo Araya (RA), Steffen Krebber, Joanna Wozny und zwei Werken von Gerald Eckert wurde man, sogar mit Unterbrechung („Interception“ von Gerald Eckert) auf Entdeckungsreisen in neue Ausdruckswelten geführt.

„Aufstieg und Fall außergewöhnlicher Flug- und Kriechtierattrappen“ für Ensemble und Elektronik nannte Stefan Krebber sein Werk, hinter dem man eher einen Film vermuten würde. Einmal hören und erleben reicht nicht, um zu erfassen, welche Details er stellvertretend für Mensch und Tier, Natur und Kultur gefunden hat. Einfacher erfassbar waren die „moblie elements“ von Joanna Wolsky mit weit auseinander in der Kirche verteilten Instrumenten.

Hier entstand schon beim Lauschen „Bewegung“ durch die Ortung der Instrumente aus verschiedenen Richtungen. Interessant und überraschend, was aus dem nicht einsehbaren Bereich „von hinten“ wahrgenommen wird. Nähe und Ferne werden hörbar – vorgegaukelte Bewegungen, ohne räumliche Veränderung der Musiker während ihres Spielens.

„Offen – fin des terres“ aus dem Jahr 2002 von Gerald Eckert bildete den Schluss: Eine weitere Ermutigung und Aufforderung, sich erwartungslos einzulassen auf das, was akustisch passiert, bewusst zu registrieren, was sich ändert und überraschende Verläufe zu erkennen. Diese „Neue Musik“ ist nichts zum Mitsingen, bietet auch kaum Ohrwürmer, regt dafür extrem zum Mitdenken an. Sie bedeutet eine andere Art des gedanklichen Austausches. Ohne gesprochene Worte, sondern mit Instrumenten und Klangerzeugern. Wie eine weitere Sprache, die erst versteht, wer sie gelernt hat. Dieses Konzert bot dazu mit Reisen in tiefste Gedankenwelten wieder eine fantastische Möglichkeit.

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