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Erster Poetry Slam op Platt in Eckernförde : „Düwel in Frotteeshorts un echte Keerls“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Heimatgemeinschaft veranstaltete am Montag den ersten Lesewettstreit op Platt im Carls. Knapp 100 Zuschauer wollten den Wettstreit erleben.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 06:21 Uhr

Eckernförde | Fetzige, satirische, vergnügte oder nachdenkliche Texte oder Reime auf Plattdeutsch, präsentiert von einer Person auf der Bühne ohne irgendwelche Hilfsmittel – ist das möglich? Es ist. Nach Kiel, Flensburg, Husum jetzt auch in Eckernförde – erstmals hat die Heimatgemeinschaft Eckernförde zum Poetry Slam op Platt eingeladen. So fanden sich am Montagabend im Carls knapp 100 Freunde der niederdeutschen Sprache ein, um einen Wettstreit der Slammer auf der Bühne zu erleben.

„Wi wulln mal wat Niees utproberen“, begrüßte Vorsitzende Dr. Telse Stoy das Publikum sowie die Teilnehmer Jaqueline Lindemeyer aus Kiel und Achim Kußmann aus Hamburg. Nicht der spätere Gewinner stand in diesem Abend im Mittelpunkt, sondern das Niederdeutsche mit all seinen wunderbaren sprachlichen Möglichkeiten und Bildern. Die Moderation lag in den Händen von Marianne Ehlers, Referentin für Plattdeutsch im Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, die charmant die Übergangszeit bis zum verspäteten Eintreffen der dritten Slammerin, Bärbel Wolfmeier aus Stelle-Wittewurth, moderierte. Der vierte Teilnehmer, Bolko Bullerdiek aus Hamburg, war erkrankt.

Beim Poetry Slam, auch beim plattdeutschen, stellen die Teilnehmer eigene Texte vor. Das Publikum spielt eine wichtige Rolle. Ehlers erklärte: „Wo keen kann am besten texten op Platt, de uns dall sabbelt“ – bei dem sollten die Zuschauer am meisten klatschen. Denn derjenige gewinnt, der den kräftigsten und längsten Beifall erhält.

Skurrile Geschichten waren zu hören. Achim Kußmann (52, von Beruf Fachkraft für Arbeitssicherheit, Markenzeichen: 27mal im Leben umgezogen) erzählte von „Wullfaden för Singlesocken“, von „een Düwel in Frotteeshorts und Flipflops“ und „Ik kiek di in de Klüsen, Sötje“. Bärbel Wolfmeier (51, Mutter von fünf Kindern und Zahnarzthelferin) schwadronierte herrlich über ihren Vornamen, „Ik kann di nich utstahn“, und gab ein Episodengedicht „Wi mütt snacken“ über die Ehe zum besten. „Een Fru in Wullsocken“ finden Männer nicht sexy – Frauen hingegen wollen keine Männer, die Online-Poker spielen, wenn sie mit ihnen ein Schäferstündchen verbringen wollen. Jaqueline Lindemeyer (22, Studentin der Biochemie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel) ließ sich über vollbärtige Männer aus, „echte Keerls sind dat nich mehr.“ Stattdessen seien es Vollökos, die Veganer seien und stets Sojachailatte trinken würden. Als Studentin stellte sie dem Publikum die verschiedenen Benutzer der Universitätsbibliothek vor, vom „Vertwiefelten“ über „de Alibibibliotheksbesucher“ bis zur „Bachstelze“ auf High Heels.

Alle drei Slammer haben bereits Erfahrung im plattdeutschen Wettstreit und schreiben auch Beiträge für den NDR „Hör mal n’beten to“. Der Reiz an Poetry Slams? Spaß am Wettstreit, der enge Kontakt zum Publikum und ein moderner Umgang mit der plattdeutschen Sprache, sind sich die Slammer einig. Knapp gewonnen hat am Montagabend Achim Kußmann. „Es hat uns allen Spaß gemacht“, zieht Telse Stoy eine positive Bilanz des ersten Eckernförder Poetry Slams.

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