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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 05:36 Uhr

Klare Worte : Düngeverordnung stinkt den Bauern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nährstoffbericht des Landes aus Sicht der Landwirte undifferenziert / Sie fühlen sich zu Unrecht als Buhmänner dargestellt

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 06:34 Uhr

Am 1. Februar dürfen die Bauern anfangen, Gülle auf ihr Grünland zu bringen. Mit Ausnahmegenehmigung schon zwei Wochen vorher. Passend dazu veröffentlichte das Land am Montag seinen ersten Nährstoffbericht. In ihm wurde erfasst, wie groß die Belastung von Böden, Luft und Wasser durch den organischen Dünger und Gärreste aus Biogasanlagen wirklich ist. Die Ergebnisse sind laut Experten durchaus besorgniserregend – auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde überschreitet der Stickstoff-Überschuss im Boden den den aktuellen Grenzwert. Vielerorts im ganzen Land würden außerdem Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser in den Grundwasserkörpern überschritten.

Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, ärgert sich über den Bericht. Aus seiner Sicht ist er zu undifferenziert, und die damit verbundenen Forderungen von Umweltminister Robert Habeck nicht realisierbar, ohne viele Landwirte in den Ruin zu treiben. „Die aktuelle Düngeverordnung legt uns ein relativ starres Korsett an, das uns in vielen Punkten keinen Spielraum lässt. Für die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden aber wir Bauern nun als Buhmann hingestellt. Dabei hat die Politik das zu verantworten“, moniert Lucht. Einer seiner Kritikpunkte: Die Landwirte dürfen derzeit 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr mit Gülle, also organisches Material, düngen. Dies seien in seinem Fall nur etwa Zweidrittel der benötigten Düngermenge. „Die Verordnung zwingt uns also dazu, mineralischen Dünger dazuzukaufen“, erklärt der Landwirt aus Mörel. Dabei könnte er mit seinem Milchviehbetrieb sicher 80 Prozent aus eigenem, vorhandenem Dünger liefern – und damit sowohl Geld als auch mineralischen Dünger einsparen.

Professor Friedhelm Taube, einer der Autoren des Berichtes, fordert außerdem, dass die Landwirte den organischen Dünger besser untereinander verteilen – um Regionen mit viel Viehhaltung zu entlasten und jene, die kaum organischen Dünger selbst produzieren, zu unterstützen. Dies sei im Grunde die Lösung der Probleme, findet auch Lucht, allerdings: „Dafür müsste das Land das Baurecht im Außenbereich ändern. Ein Bauer ohne Tiere darf bisher nämlich keinen Güllebehälter bauen, weil er ihn ja nicht braucht.“ Der Bauernverband sei schon seit Jahren hinter einer entsprechenden Änderung her. „Die Ackerbauern, in deren Region es keine Kühe oder Biogasanlagen gibt, sind froh, wenn sie organischen Dünger bekommen können. Und wir würden ihn gern abgeben. Damit das möglich ist fordern wir, dass Güllebehälter im Außenbereich gebaut werden dürfen. Für diesen schönen grünen Gedanken ist einfach derzeit nicht der passende gesetzliche Rahmen gegeben“, erläutert Lucht. Aus seiner Sicht wurde an viel zu vielen Stellen einfach nicht zu Ende gedacht – den Landwirten aber im Gegenzug vorgeworfen, sich zu oft nicht an die gute fachliche Praxis bei der Düngung zu halten. „Wir sind keine Verbrecher, wir wissen, was wir tun“, entgegnet Lucht. Auch bei den Kosten im Falle einer Umverteilung sieht er keine Probleme: „Die Kosten übernimmt der Ackerbauer, der die Gülle abnimmt. Da ein Kubikmeter davon einen Wert von sechs Euro hat, muss er nur darauf achten, dass die Transport-, Lager- und Ausbringungskosten nicht höher liegen.“ Verbunden damit ist wiederum die Forderung des Bauernverbandes: Den Bau neuer Güllebehälter zu fördern, damit es leichter möglich ist, in den Ackerbauregionen Gülle als Dünger einzusetzen.

Am meisten ärgert Klaus-Peter Lucht sich darüber, dass Umweltminister Habeck eine neuartige boden- und gewässerschonende Düngetechnik mit einer Summe von einer Million Euro jährlich fördern möchte. Seine Einwände: Die sogenannte Schlitzinjektion sei die teuerste Technik unter mehreren Verfahren, die allesamt schonender als die heute noch am meisten gebrauchten Prallteller sind. „Allein ein Güllewagen mit dieser Technik kostet etwa 200  000 Euro. Dementsprechend benötigen dann aber auch viele einen größeren Schlepper. Und für den kann man nochmal dieselbe Summe hinblättern. Kein einziger Bauer im Kreis könnte sich das leisten. Schon gar nicht bei den aktuellen Milch- und Schweinepreisen.“ Auch mit der Schleppschlauch- oder Schleppschuhtechnik würden gute, umweltfreundliche Ergebnisse erzielt. „Und die könnte man sich mit entsprechender Förderung auch leisten, weil man dafür vorhandene Maschinen nur aufrüsten müsste, ohne neue anzuschaffen.“ Gefördert würden diese Techniken aber nicht, weil die Investition aus Landessicht nicht kontrollierbar sei, so Lucht, der das Misstrauen der Landesregierung gegen die Bauern kritisiert. Um realistischerweise auf die geforderte Schlitztechnik umstellen zu können, bräuchte man Luchts Meinung nach statt einer ganze 20 Millionen Euro jährlich.

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