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Dubiose Inkasso-Firma droht mit Kontosperrung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Verbraucherzentralen warnen vor Mahnungen von „Exclusive Claims“ / Auch in Eckernförde verschickt

Eckernförde | Der Ton ist aggressiv, doch das Schreiben sieht auf den ersten Blick offiziell aus: Seit Wochen warnen mehrere Verbraucherzentralen vor Mahnungen des angeblichen Inkasso-Unternehmens „Exclusive Claims“. Darin wird den Empfängern mitgeteilt, dass sie zahlreiche vorhergehende Mahnungen ignoriert haben, weshalb nun eine „Vorpfändung“ bei der Hausbank des Adressaten angebracht werde. Mit Sätzen wie „Das Formular ist bereits vorbereitet“ und „Ihr Konto wird in Kürze gesperrt“ wird Druck auf die angeblich säumigen Schuldiger ausgeübt. Verhindern könnten sie diese Maßnahmen nur, wenn sofort 369,87 Euro auf das Konto des Unternehmens überwiesen werden. Praktisch: Ein ausgefüllter Überweisungsträger liegt gleich bei.

Auch eine 79 Jahre alte Eckernförderin hat vor einigen Tagen ein solches Schreiben erhalten und sich sofort an die Polizei gewendet. „Das hat sie genau richtig gemacht“, sagt Eckernfördes Kripo-Chef Frank Röckendorf. Mit solchen Schreiben werde Druck aufgebaut, um die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen. „Wer aber weiß, dass er nichts gekauft oder irgendwelche Dienste in Anspruch genommen hat, der muss auch nichts bezahlen.“ Besonders per E-Mail grassiere diese Form der Abzocke, doch auch in Papierform komme sie vor.

„Wir raten grundsätzlich bei Mahnungen und Inkassoschreiben: Ruhe bewahren und genau prüfen, ob man etwas gekauft oder eine Rechnung bekommen hat“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Wer auf Nummer Sicher gehen wolle, könne einen Widerspruch an den Absender schicken. Wenn jedoch nicht einmal persönliche Daten erwähnt werden, könne man so ein Schreiben auch ignorieren.

So wie im Fall der Eckernförderin. Die clevere Seniorin will andere warnen: „Wer weiß, irgendwann fällt sonst vielleicht jemand darauf herein.“

Wer das Schreiben aufmerksam durchliest, erkennt schnell Hinweise auf ein unseriöses „Unternehmen“:

> Kein Betreff: Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, um welche Rechnung es eigentlich geht.

> Mobile Telefonnummer: Als Möglichkeit der Kontaktaufnahme wird nur eine Handynummer angegeben.

> „Vorpfändung“: Die Firma droht mit der Pfändung des Bankkontos und legt eine „Vorpfändung“ bei. Doch eine Pfändung ist ohne einen rechtsgültigen Titel gar nicht möglich.

> Vollstreckungsbescheid: Bei dem Blatt „Vorpfändung“ handelt es sich nicht, wie im Anschreiben angegeben, um einen Vollstreckungsbescheid. Diesen erlässt das Amts- oder Mahngericht und nicht eine Firma.

> Weder Inhaber noch Registernummer werden auf dem Schreiben angegeben. Auch ist „Exclusive Claims“ nicht im Unternehmensregister zu finden.

> Belgisches Konto: Die Iban-Nummer auf dem Überweisungsträger beginnt mit BE. Es handelt sich um ein Konto in Belgien.

Nichtsdestotrotz: „Bei den meisten Menschen setzt ein leichter Schockeffekt ein, wenn sie solche Post bekommen“, sagt Vivien Rehder. Dabei gebe es noch wesentlich aggressivere Schreiben, in denen sogar „Pfändungsbesuch“ angekündigt werde. Nachrichten über Inkasso-Schreiben von Firmen mit wechselnden Namen gingen bei der Verbraucherzentrale am laufenden Band ein, häufig im Zusammenhang mit angeblichen Lottogewinnen oder Glücksspielen.

„Gerade ältere Menschen, die finanziell oft sehr korrekt sind und sich nichts zu Schulden kommen lassen wollen, sind beliebte Opfer“, so Vivian Rehder. Dabei spielen oft die Vornamen eine Rolle: Je älter sie klingen, desto mehr gingen die Absender davon aus, dass sie leichtes Spiel haben. Das bestätigt Frank Röckendorf: „Frieda und Herta bekommen Post. Chantalle nicht.“

Das Unternehmen „Exclusive Claims“ in Bremen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unter der Mobilnummer hieß es: „Leider ist diese Mobilbox voll. Daher können wir keine weiteren Nachrichten speichern.“

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erstellt am 28.Feb.2017 | 06:19 Uhr

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