Wiederbelebung : Drücken bis der Arzt kommt

Die lebensrettende Herzdruckmassage an den Dummys übten Peter Pietrzak, Brigitte Stolpmann und Maike Reike (v.l.).
1 von 2
Die lebensrettende Herzdruckmassage an den Dummys übten Peter Pietrzak, Brigitte Stolpmann und Maike Reike (v.l.).

Kompaktkursus des Arbeiter-Samariter-Bundes will Furcht vor der Herzdruckmassage nehmen

23-7984260_23-106077480_1550832788.JPG von
05. Juni 2015, 07:00 Uhr

Wenn jemand in der Einkaufsstraße, im Büro oder Zuhause einen Herzstillstand erleidet, dann ist schnelle Hilfe gefragt. Denn Sekunden können bei diesem Notfall über Leben und Tod entscheiden. „Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff können irreparable Gehirnschäden auftreten, nach zehn Minuten kommt es zum Gehirntod. Der Rettungsdienst brauche aber etwa zwölf Minuten bis zum Patienten“, betonte Markus Nolte die Bedeutung eines Ersthelfers vor Ort.

Der Ausbilder beim Arbeiter-Samariter-Bund bot in dieser Woche einen kostenlosen Kompaktkursus für die Wiederbelebung in der Freizeitstätte in Frohsein an. Mit Maike Reike aus Windeby, dem Bürgermeister der Gemeinde, Peter Pietrzak, und Brigitte Stolpmann aus Rieseby waren es nur drei Teilnehmer, die das Angebot des ASB annahmen. So entstand aber kein Gedränge an den Dummys – alle hatten ausgiebig Zeit, die lebensrettende Herzdruckmassage und Beatmung zu üben.

Deutschland nehme leider einen Platz ganz unten in der Tabelle ein, sagte Markus Nolte. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Herzstillstand jemand kompetent hilft, läge gerade einmal bei 17 Prozent. Die Norweger seien da deutlich aktiver (75 Prozent). Angst vor Fehlern führe häufig zum Nichtstun. Viele unternehmen in solchen Situationen nichts. Aus Angst, dass sie etwas falsch machen könnten. Ausbilder Markus Nolte betonte: „Nichts zu tun, ist der größte Fehler, den man machen kann.“

Und die Wiederbelebung ist keine Hexerei, wie die drei Teilnehmer schnell feststellen konnte – Keine Hexerei, aber durchaus ein Knochenjob.

Durch die direkte Ansprache der Person, leichtes Rütteln an den Schultern müsse zunächst festgestellt werden, ob sie bewusstlos ist. Dann prüfe der Ersthelfer die Atmung, sollte diese nicht hör- oder sichtbar sein, müsse sofort der Notruf 112 abgesetzt und die Profis gerufen werden. „Bitte den Oberkörper der Person freimachen“, sagt Nolte. Nach zwei Beatmungen durch Nase oder Mund beginn man mit der Herzdruckmassage. Gedrückt werde mit beiden Händen in der Mitte des Oberkörpers auf dem Brustbein. „Dann bitte 30 Mal drücken – schnell und hart“, so Nolte. Etwa sechs Zentimeter tief. Nur so könne der Herzkreislauf aufrecht erhalten und der Körper mit Sauerstoff versorgt werden. Und wie lange? „Drücken und beatmen bis der Herz kommt“, so Ausbilder Nolte. Das geht in die Knochen, versicherte er, rette aber das Leben eines Menschen. Dennoch müsse jeder genau auf sich achten, ob er sich in der Lage sehe, die Wiederbelebung zu übernehmen. Nach Möglichkeit daher immer zu Zweit.

Zum Abschluss zeigte Markus den Umgang mit dem Automatischen-Externen-Defibrilator“ (AED). Ein Gerät, das in vielen Behörden und öffentlichen Einrichtungen, griffbereit ist. Eine Sprachausgabe leitet den Ersthelfer an. In der Praxis kommt dem Defibrillator die Aufgabe zu, etwaiges Herzflimmern nach dem Aussetzen des geregelten Herzschlages zu beenden. Kombiniert mit der Fortsetzung der Herz-Druck-Massage vergrößert der AED die Überlebenschancen um ein Vielfaches. 

> www.asb-kiel.de


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen