zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 05:19 Uhr

Druck auf dem Kessel und wichtige Lehren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 01.Apr.2017 | 06:33 Uhr

Bei Imland ist mächtig Druck auf dem Kessel. Während in allen anderen Abteilungen in Ruhe operiert, therapiert, gepflegt und mobilisiert werden kann, fordert die Geburtshilfe einen Kraftakt nach dem anderen. In dieser Abteilung kommen neue Erdenbürger zur Welt, das weckt Emotionen und sorgt bei Eltern für Glücksgefühle. Ein solch positiv besetzte Abteilung tut jeder Klinik gut. Auch, wenn damit kein Profit zu machen ist. Kliniken mit Beleghebammen wie in Eckernförde erhalten nach Angaben des Vereins „Hebammen für Deutschland“ zwischen 1272 und 1790 Euro (bezogen auf Rheinland-Pfalz, es gibt keine bundeseinheitliche Werte leichte Abweichungen daher möglich) für eine vaginale Geburt. Die Hebammen bekommen rund 250 Euro pro Geburt inklusive elf Stunden Vorbereitung und Nachsorge. Das sind die Sätze, mit denen alle klarkommen müssen.

Allerdings: Die Gesellschaft braucht Kinder, also ist der Erhalt erfolgreicher geburtshilflicher Abteilungen auch eine öffentliche Aufgabe. Dazu gehört auch eine angemessene kinderärztliche Versorgung von Neugeborenen und Kleinkindern.

Der Kreistag hat am Montag entschieden, dass Imland die vertraglich vereinbarten Sonderzahlungen für die Frauenärzte und Hebammen wegen der veränderten Rechtslage nicht mehr zahlt, um sich nicht angreifbar zu machen. Übergangsweise ist eine Hauptabteilung aufgebaut worden, die bereits ab heute arbeitet. Ziel ist aber die Rückkehr zu einem rechtskonformen Belegsystem. Wie das aussehen wird, und welche Frauenärzte dafür zur Verfügungstehen, ist derzeit vollkommen unklar. Auch die Frage nach der neonatologischen und kinderärztlichen Versorgung muss noch beantwortet werden, ebenso wie die Bezahlung der 13 Beleghebammen, die seit Dezember auf die 150 Euro Geburtspauschale verzichten müssen. Sie stehen aber nach wie vor wie eine Eins hinter der Abteilung und arbeitet trotz der empfindlichen Einbußen weiter. Das verdient hohen Respekt.

Gefragt sind jetzt kluge Lösungen. Und Eltern, die ihre Kinder weiterhin in der Imland-Klinik Eckernförde mit „ihrer“ Hebamme zur Welt bringen möchten. Einen Einbruch bei den Geburtenzahlen kann die Abteilung jetzt überhaupt nicht brauchen.

Wer hätte das gedacht? Die Aktuelle Stunde in der Ratsversammlung zum Thema „Ursache und Wirkung des Bürgerentscheids zur wasserseitigen Bebauung der Gaehtjestraße“ war alles andere als eine überflüssige Aussprache. Es war erfrischend und wohltuend zu hören, wie konstruktiv die Ratsmitglieder Lehren aus dem für sie desaströsen Ausgang gezogen haben. Selbstkritik war angesagt, aber auch eine Reihe von nachvollziehbaren Fragen, warum die Botschaften die Bürger einfach nicht erreicht haben. Die Bürgerinitiative war da wesentlich erfolgreicher.

Gewinner des Ganzen: die Bürger, die künftig früher und besser einbezogen werden sollen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen