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Mitreissende Schauspielerin diana Körner : Drogen-Omas spezielle Backwaren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergemeinschaft Eckernförde präsentierte am Montag das Stück „Paulette – Oma zieht durch“. Sozialkritisch, hochaktuell und herber Spaß – das Stück begeisterte die Zuschauer.

Eckernförde | Was für ein Spaß mit der Pariser „Drogen-Oma“ am kalten Montagabend! Die Theatergemeinschaft Eckernförde hatte mit „Paulette – Oma zieht durch“ einen kernigen Leckerbissen an Land gezogen: Mit dieser Produktion des a.gon Theaters München, nach dem Vorbild des Kinofilms „Paulette“ ( 2013), ist ein griffiger Wurf geglückt: Die Inhalte sind auch 2017 noch hoch aktuell, sozialkritisch, zum Teil recht herb, aber so gekonnt verpackt und serviert, dass viele Besucher im Anschluss zustimmend nickten: „Das war gut!“

Aktuelle Themen: Altersarmut, Demenz, Drogen, Rassenvorurteile – zum Beispiel schimpft Oma (Diana Körner) auf die „Neger, die Schlitzaugen, die Japsen“ – und das in so deftiger Weise, dass viele trotz aller Wohlerzogenheit kichern mussten. (Es war ja dunkel im Saal.) Türkische Jungs ( Michael Stark, Konstantin Gerlach) kriegten ordentlich ihr Fett ab und wurden mit Körperhaltung und unverwechselbarer „Sprache“ zur Karikatur.

Omas betagte Freundinnen ( Anne Stegmann, Renate Koehler) waren herrlich, vor allem die demente, die alles so liebenswert durcheinander schusselte. Klar, dass Oma abdreht, als ihre Tochter mit dem schwarzen Ousmane (Hans-Jürgen Helsig) zusammen lebt, sie den farbigen Enkel Leo hüten soll – sie ist ganz Abwehr, ordentlich grob und ungerecht. Aber Oma Paulette selbst hat auch ein Problem und ist wohl deswegen zu Beginn so garstig:
Sie ist alt, „Japsen“ haben ihr das Restaurant weggenommen, der geliebte Mann hat sich schon vor Jahren mit der Flasche ins Grab befördert . Sie ist einsam und verbiestert, vor allem auch arm mit einer Minirente, von der sie nicht leben kann. Telefon, Möbel, Wohncontainer – alles weg, und sie beginnt, in den Vororten von Paris nach Essen im Müll zu suchen. Altersarmut – das kann’s nicht sein. Die resolute Paulette
zieht die Reißleine, überlegt, setzt alles auf eine Karte: Dealen mit Drogen – da kann man doch prima viel Geld verdienen. Sie ist die geborene Geschäftsfrau, wird von der Konkurrenz folgerichtig zusammen geschlagen und hat – ganz die schlaue Oma – den rettenden Gedanken: Backwaren mit Haschisch- und Marihuana-Füllung! So reich und sorgenbefreit will sie bleiben. Sie will weiter Torten und Kekse backen – gefüllt mit ungestreckten Drogen. Schließlich haben alle gut davon: Freundinnen, Familie und selbst die Junkies: Die bekommen bei Oma immerhin sauberes Zeug. Aber aus die Maus – das Drogendezernat schlägt zu, Schluss für Oma in Paris. Aber in Amsterdam – da wird es weiter gehen.

Wenn es trotz aller Knackpunkte viel zu lachen gab, dann lag es an der adäquaten Sprachführung, dem gekonnten Herausarbeiten einzelner Typen, tollen Überraschungsmomenten, herrlichen Übertreibungen und einer mitreißenden Diana Körner (geboren1944), die alle an die Wand spielte.


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