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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 08:04 Uhr

aus dem Gericht : Drogen: „Da ging was ab“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Fleckebyer soll Minderjährigen Marihuana und Ecstasy sowie Erwachsenen Heroin gegeben haben.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 18:42 Uhr

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein heute 27 Jahre alter Mann aus Fleckeby soll zwischen März und September 2014 in 37 Fällen Marihuana, Ecstasy und Heroin an andere abgegeben haben. Das zumindest ist der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft in dem Prozess, der gestern am Eckernförder Schöffengericht begann.

Einer der Empfänger, der vom Angeklagten ein Tabak-Marihuana-Gemisch erhalten haben soll, war zu dem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt, eine 15-Jährige soll Speed erhalten haben, ein 17-Jähriger Heroin und Ecstasy. Seinem ersten Mitbewohner hat er laut Anklageschrift 20-mal Heroin gegeben, einem Bekannten viermal die Heroinspritze gesetzt – alles in seiner Wohnung und alles ohne Bezahlung.

Der Angeklagte, der selbst heroinabhängig war und wegen anderer Delikte schon eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren erhielt, hat mittlerweile einen Entzug und eine Therapie gemacht. Er konnte sich nicht an alle Fälle erinnern, stritt aber vehement ab, Marihuana, Speed oder Ecstasy besessen und jemals weitergegeben zu haben. An die anderen Fälle habe er nur „schleierhafte Erinnerungen“, auch wisse er „nicht so genau“, ob er einem Bekannten in seiner Wohnung viermal einen Schuss gesetzt habe. Täglich habe er Alkohol getrunken und „wenn Geld da war“ Heroin genommen. Gearbeitet hat er zu der Zeit als ungelernte Kraft in einer Dachdeckerei.

Trifft die Anklage also zu? Um das herauszufinden, wurden drei Zeugen befragt. Zum einen der damals 13-Jährige, der zugab, in der Wohnung des Angeklagten Marihuana geraucht zu haben. Woher das Rauschmittel stammte, wusste er aber nicht.

Ein zweiter Zeuge war der Bruder des damals 15-jährigen Mädchens. Er ist damals selbst zur Polizei gegangen und hat angegeben, dass in dem Haus viel mit Drogen hantiert wird. Der Grund: Seine Schwester war mit dem zweiten Mitbewohner des Angeklagten zusammen, und der habe mit den Drogen einen schlechten Einfluss auf sie gehabt. Er habe seine Schwester dort herausholen wollen. Also hat er bei der Polizei präzise Angaben gemacht, auf denen sich die Anklage zu einem großen Teil gründete. Gestern dann die Kehrtwende: „Da ging schon was ab, aber nicht so, wie ich es angegeben habe.“ Er habe bei seiner Polizeiaussage übertrieben, weil er „Druck“ von seiner Mutter bekommen habe, seine Schwester da herauszuholen. Warum er deshalb den Angeklagten belastet habe und nicht dessen Mitbewohner und Freund der Schwester, der schließlich den schlechten Einfluss ausgeübt habe, konnte er dem Richter gestern nicht erklären.

Schließlich sagte auch der erste Mitbewohner des Angeklagten aus. Auch er revidierte seine Aussagen immer wieder. Zunächst sagte er, dass er nur einmal Heroin ausprobiert habe, später gab er zu, es häufiger genommen zu haben. „Jeder von uns hat mal was mitgebracht und dem anderen was abgegeben.“

Mit diesen Aussagen konnten Richter und Schöffen nicht genug anfangen. Deshalb ist ein weiterer Termin anberaumt worden, bei dem fünf weitere Zeugen gehört werden sollen.

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