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Willers-Jessen-Schule : Dreiklang aus Kita, ETMG und Kultur

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadtverwaltung hat ihre Prüfung der Nutzungskonzepte für die Willers-Jessen-Schule abgeschlossen. Ihr Vorschlag: Kita, Touristikzentrale und Kulturstätte sollen in das historische Schulgebäude einziehen.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 06:18 Uhr

Die Weichen für die Nachnutzung der 2013 aufgegebenen Willers-Jessen-Schule sind gestellt. Die Stadtverwaltung hat am Dienstagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen in der Beantwortung eines Prüfauftrags eine gemischte Nutzung durch den städtischen Kindergarten Mitte, die Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG) sowie zwei Ausstellungs- und Veranstaltungsräume empfohlen. Die Kita und die ETMG müssten dazu ihre Standorte im Jungfernstieg und in der Stadthalle räumen. Alle elf Vereine, die Räume in der Willers-Jessen-Schule nutzen, genießen Bestandsschutz. Alle weiteren Nutzungsoptionen – Naturfilmakademie „Green Screen Academy“, Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe, Umzug der Stadtbücherei, Bürgerbegegnungsstätte, des Stadtarchivs und Museums sowie ein Kultur- und Ausstellungszentrum – wurden nicht befürwortet. Außerdem hat sich die Stadtverwaltung für eine umfassende Sanierung der 1974 gebauten Stadthalle mit einem Volumen von rund sechs Millionen Euro ausgesprochen (siehe Bericht unten). Auf 28 Seiten hat die Verwaltung ihre Positionen zu den Nutzungsoptionen für das nicht mehr genutzte und als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragene Schulgebäude aus dem Jahr 1882 dargelegt und begründet. Nach den Vorstellungen der Stadt bleibt die Immobilie mit 1000 Quadratmeter Nutz- und 3900 Quadratmeter Grundfläche – Verkehrswert 1,37 Millionen Euro – im städtischen Besitz. Das Ziel, das zentral gelegene Gebäude mit Leben zu füllen, zur Anlaufstelle vieler Besucher zu machen und gleichzeitig die finanziellen Belastungen für die Stadt zu begrenzen, sieht Bürgermeister Jörg Sibbel mit dieser gemischten Nutzung als erreicht an.

Im Zentrum steht dabei ein Dreiklang aus „FamilienSchule“ (7 Räume, 480 Quadratmeter), „TourismusSchule“ (9 Räume, 350 Quadratmeter) und „KulturSchule“ (2 Räume, 110 Quadratmeter). Der Kindergarten Mitte würde vom Jungfernstieg in die Willers-Jessen-Schule umziehen und dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten mit zusätzlichen Räumen für die Familien- und Kinderbetreuung vorfinden. Dort könnten die Betreuung in Kita und Krippe mit vielfältigen frühkindlichen Bildungsangeboten unterschiedlicher Anbieter in einem Allzweckraum gebündelt werden, sagte der Bürgermeister, „und wir hätten wieder spielende Kinder in der Innenstadt“. Auf dem Hof steht eine Spielfläche zur Verfügung, und es gibt eine Turnhalle. Den Kosten für eine kindgerechte Herrichtung (Akustik, Sanitär, Küche und Aufzug, für den allein 150 000 Euro angesetzt werden) stehen Einsparungen von jährlich 28 000 Euro für Miete, Heiz- und Betriebskosten für die angemietete Kita am Junfernstieg gegenüber. Das frei werdende Kita-Gebäude könnte z. B. vom Waldorfkindergarten Pastorengang angemietet werden, sagte Sibbel. Denn dort stünden hohe Investitionen an, die durch einen Umzug vermieden werden könnten. Dadurch würde auch der bei der Stadt beantragte Zuschuss von 266 000 Euro hinfällig, rechnete er vor.

Aufgrund des deutlich erweiterten Aufgabenspektrums ist auch der Platzbedarf der ETMG gestiegen, der im Souterrain der Stadthalle nicht befriedigt werden kann. Um der zunehmenden Bedeutung des Tourismus Rechnung zu tragen, soll im Erdgeschoss der Willers-Jessen-Schule ein großer Kundenkontaktbereich mit zusätzlicher Verwaltungsebene im Obergeschoss entstehen. 2012 verzeichnete die ETMG 130 000 Kundenkontakte, allein 60 000 im Info-Punkt Kieler Straße.„Der Standort erfüllt eine Scharnierfunktion, deren Bedeutung durch den ’Fördeplatz’ noch zunehmen wird“, sagte Sibbel. Er kündigte eine Mieterhöhung für die ETMG an. Die seit 1993 nicht mehr erhöhte Miete soll von 6,20 auf 11 Euro pro Quadratmeter steigen, was zu einer Steigerung der jährlichen Mieteinnahmen von 12 000 auf 46 200 Euro führt.

Über die Kundenhalle der ETMG erfolgt der Zugang zu den beiden Ausstellungsräumen. Dort soll in Ergänzung zu den stark nachgefragten Ausstellungen in der Bürgerhalle des Rathauses Kunst in vielfältiger Form in Wechselausstellungen zu sehen sein. Die Räume sind offen für alle Kreativangebote. Mit dieser kostenfrei zu besichtigenden „KulturSchule“ sollen Hemmschwellen abgebaut und Kunst den vielen Besuchern der Tourist-Info nahegebracht werden. Die Räume sollen auch für abendliche Veranstaltungen genutzt werden.

Aus wirtschaftlichen wie sachlichen Gründen nicht weiter verfolgt werden sollen die Umzüge der Stadtbücherei, der BBS, des Museums oder des Stadtarchivs in die Willers-Jessen-Schule. Nicht empfohlen wird die Einrichtung eines Kultur- und Ausstellungszentrums. Der finanzielle Aufwand (Personal, Unterhalt ) wäre hoch und es bestünden Zweifel, ob die Besucher eine solche Einrichtung dauerhaft annehmen. Die Grone Bildungszentren Schleswig-Holstein GmbH hat ihr Interesse an der Gründung eines Bildungszentrums für Gesundheits- und Sozialberufe inzwischen wieder zurückgezogen. Allerdings wäre diese Option auch aus Sicht der Stadt keine gewesen, weil damit eine geschlossene Nutzung verbunden wäre, die dem öffentlichen Charakter des Gebäudes widerspricht. Ebenso verhielte es sich bei einer „Green Screen Academy“. Bei diesem Projekt gebe es zudem eine Vielzahl offener Fragen, und es müsste eine Machbarkeitsstudie (80 000 bis 100 000 Euro) erstellt werden. Auch für eine gastronomische Nutzung sieht die Stadt derzeit keinen Handlungsbedarf.

Damit ist die politische Diskussion eröffnet. Die Ratsversammlung wird am Ende über das Konzept entscheiden.

>„Nachnutzung Willers-Jessen-Schule“ und „Zukunft der Stadthalle“ siehe auch Ratsinformationssystem auf der Homepage der Stadt unter www.eckernfoerde.de.

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