zur Navigation springen

Schöffengericht : Dreieinhalb Jahre Haft für Mitglied einer Diebesbande

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Eckernförder Schöffengericht hat einen 20-Jährigen des schweren Bandendiebstahls schuldig gesprochen. Die Drogensucht war sein Motiv.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 06:18 Uhr

Eckernförde | Ein 20 Jahre alter Eckernförder ist am Donnerstag am Schöffengericht wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Er war im Jahr 2014 mit drei Komplizen in Kiel, Schleswig und Bad Segeberg in Gaststätten und Geschäfte eingebrochen und hatte Bargeld und Wertgegenstände gestohlen, um damit seine Drogensucht zu finanzieren. In Eckernförde hatten er und seine Komplizen zudem im Mai 2014 in die Fischdeel eingebrochen und Bargeld gestohlen, ebenso waren sie in das damals noch am Exer ansässige An- und Verkaufsgeschäft eingestiegen und hatten verschiedene Smartphones, Laptops, Spielekonsolen und weitere Wertgegenstände mitgehen lassen. Auch bei Janny’s Eis in Gettorf brachen sie im Juni ein und stahlen Bargeld. In Schleswig fanden sie bei einem Einbruch in ein Restaurant den Schlüssel für einen Mercedes ML 400, den sie stahlen und den der Angeklagte fortan fuhr. Den Wagen ließ er mit einem Komplizen nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in einem Waldstück bei Wulfshagen stehen.

Der 20-Jährige gestand die insgesamt 17 angeklagten Taten und berichtete von seiner Drogensucht: 30 bis 50 Euro benötigte er zur damaligen Zeit täglich für den Konsum von Cannabis, was umgerechnet 3 bis 5 Gramm ausmacht. Zudem kostete das von ihm am Wochenende konsumierte Kokain wöchentlich 100 Euro. Allein durch seinen 450-Euro-Job konnte er seine Sucht nicht finanzieren.

Auf die Schliche war die Polizei den Einbrechern durch akribische Ermittlungen gekommen. Die Beamten überwachten den Telefonanschluss eines Mittäters, der schließlich aussagte und als „Kronzeuge“ wirkte. Durch seine Aussage konnten die Fälle in vollem Umfang geklärt werden.

Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er fünf Jahre alt war, es traten erzieherische Probleme auf, er wurde zum Schulverweigerer, mit 13 Jahren kam er in Kontakt mit Cannabis, Kokain konsumierte er zum ersten Mal mit 14 oder 15 Jahren. Seit dem 16. Lebensjahr wurde er immer wieder straffällig, auch immer wieder wegen Rauschgiftdelikten. „Der Angeklagte ist schon lange nicht mehr mit pädagogischen Mitteln erreichbar“, sagte die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe, die für eine Jugendstrafe plädierte, um weitere Straftaten zu vermeiden. Schon im Vorfeld hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine Strafzumessung zwischen 3 Jahren und 3 bis 9 Monaten geeinigt.

Für den Staatsanwalt handelte es sich um „heftige Straftaten“. Er stellte dem Angeklagten eine „schädliche Neigung“ aus und plädierte für 3 Jahre und 6 Monate Jugendstrafe unter Einbeziehung der zweijährigen Strafe, die der 20-Jährige wegen anderer Delikte zurzeit in der Jugendvollzugsanstalt Schleswig absitzt. Auch der Verteidiger erkannte eine schädliche Neigung und forderte 3 Jahre und 3 Monate. „Sehen Sie das als Chance an“, sagte er seinem Mandanten. „Das Erwachsenenstrafrecht wäre deutlich härter.“

Richter und Schöffen folgten in der Strafzumessung dem Staatsanwalt. Der Angeklagte hat vor, eine Entgiftung mit anschließender Therapie vorzunehmen. Da er seine zweijährige Strafe aus Schleswig schon nahezu verbüßt hat, würde das bedeuten, dass er etwa neun Monate in einer therapeutischen Einrichtung verbringen und ihm bei erfolgreicher Therapie im Idealfall die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt würde. Das sei abhängig von seiner Motivation und seinem Durchhaltevermögen, machte der Richter deutlich. „Es kann auch ganz anders sein. Sie haben es selbst in der Hand.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen