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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 19:33 Uhr

Drei Mal durch Deutschland – zu Fuß

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karl-Heinz Rüter aus Haby legt rund 700 Kilometer in fünf Etappen zurück / Auch eine Fuß-OP kann ihn nicht aufhalten

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 18:59 Uhr

Die Art und Weise, wie sich Karl-Heinz Rüter Deutschland erwandert, ist sicherlich ungewöhnlich. Gerade hat der 68-jährige Habyer seine dritte Deutschlandquerung hinter sich. Rund zwei Jahre brauchte er, um von Luxemburg zur tschechischen Grenze in Hohenberg an der Eger zu gelangen. Die knapp 700 Kilometer absolvierte Rüter in fünf Etappen.

Am 12. Oktober 2012 startete Rüter in Schengen. Nach fünf Tagen und rund 160 Kilometern war die erste Etappe in Gemünden beendet. Er setzte sich in den Zug und fuhr zurück nach Haby. Im April 2013 setzte Rüter seine Reise dort fort, wo er sie vor sechs Monaten unterbrach, in Gemünden. Knapp eine Woche war Rüter bei jeder seiner Etappen unterwegs, 20 bis 30 Kilometer wanderte er am Tag, sechs bis neun Stunden war er auf den Beinen. Etappe drei folgte im August vergangenen Jahres, Etappe vier im April/Mai 2014, der Rest jetzt im August.

2007/2008 unternahm Rüter seine erste Deutschlandquerung entlang der Europäischen Fernwanderwege von Dänemark in die Schweiz. 2009 bis 2012 lernte er Deutschland auf dem Weg von Polen in die Niederlande kennen. „Eine Fuß-OP setzte mich damals außer Gefecht“, erzählt Rüter. Sein Sprunggelenk musste er sich versteifen lassen. Die Ärzte zweifelten daran, dass er jemals wieder lange Wanderungen unternehmen könnte, doch Rüter gab nicht auf. Er trainierte mit eisernem Willen und mit Spezialschuh, so dass er schließlich nach 788 Kilometern die Ost-West-Querung, wenn auch mit Verspätung, beenden konnte.

Die jüngste Wanderung führte ihn durch Landschaften wie den Hunsrück, den Taunus, das Fichtelgebirge oder die Rhön. „Der Hunsrück ist eines der schönsten Wandergebiete“, erzählt Rüter. Die Wanderwege seien komfortabel, gut ausgeschildert, mit Schutzhütten sowie Bänken versehen. Auffallend sei aber, wie menschenleer weite Teile waren. „Je weiter ich in Richtung Osten kam, desto verlassener wurden die Regionen und öder die Landstriche“, berichtet Rüter. Gerade Jüngere hätten aus Perspektivlosigkeit die Orte verlassen und seien in die Städte gezogen. Ein ganz anderes Niveau hätte es auch bei den Preisen gegeben. Ein Zimmer mit Frühstück gab es für 25 Euro. Auch Essen und Trinken seien günstig gewesen. An einem Abend gönnte sich Rüter einen Spießbraten, dazu zwei Hefeweizen und zwei Obstler – für gerade mal 11,90 Euro.

Wenn Rüter wandert, dann zieht er die Einsamkeit vor. Vielen Menschen begegnet er nicht, hin und wieder Spaziergängern. Wenn Rüter ihnen erzählte, was er sich vorgenommen hat, machten sie große Augen. Abends, wenn er in Gasthöfen einkehrt, sucht er gerne das Gespräch, will sich mit anderen Menschen austauschen. Die Orte, die er erreiche, schaue er sich gerne an, umfangreiche Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten gehören aber nicht zu seinem Programm. „Ich will fit bleiben, auch aktiv im Alter sein“, sagt Rüter über seine Motivation. Viele seiner Wanderungen waren für ihn Anregungen für die Touren mit dem Seniorenförderverein. So wie am Sonntag, wenn Rüter mit dem Verein zu einer fünftägigen Wanderung durchs Sauerland aufbricht.

Mit reichlich Kartenmaterial bereitet Rüter seine Etappen vor. Maximal fünf Kilogramm Gepäck hat er dabei. Die erste Unterkunft bucht er gerne im voraus, seine weiteren Übernachtungen plant er vage. So kann es schon mal vorkommen, dass bei seiner Zielankunft der Gasthof voll belegt oder ganz dicht gemacht hat. Hilfsbereite Menschen trifft er aber immer wieder, die ihm aus der Bredouille helfen und ihn in den nächsten Ort fahren oder privat aufnehmen.

Ob und wann Karl-Heinz Rüter wieder aufbricht, weiß er noch nicht. Die neuen Bundesländer hätte er bei seinen bisherigen Toure meist nur gestreift, die könnten ihn noch reizen.

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