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„Blut muss Fliessen“ : Doku zeigt rechte Szene, wie sie ist

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

500 Zuschauer in der Isarnwohld-Schule

Aufschlussreich und informativ, vor allem aber erschreckend fanden die Schüler des Wahlpflichtkurses Rechtsextremismus den Film „Blut muss fließen“, den sie gemeinsam mit der Aktion „Gettorf – kein Ort für Neonazis“ am Dienstag 350 Mitschülern und rund 150 Gästen in der Isarnwohld-Schule präsentierten. In 87 Minuten zeichnen der Journalist Thomas Kuban, der unter Lebensgefahr über Jahre hinweg Nazi-Konzerte und Veranstaltungen mit versteckter Kamera filmte, und der Regisseur Peter Ohlendorf ein Portrait der neonazistischen Szene, die alles daran setzt, ihr wahres Gesicht zu verbergen.

Mit der Resonanz auf die Vorführung ist Michael Janowski, Beauftragter der Gemeinde für die Aktion „Gettorf – kein Ort für Neonazis“, zufrieden. Nach dem Film am Abend sei die Hälfte der Zuschauer zur Diskussion mit Peter Ohlendorf geblieben, andere seien nach Hause gegangen, weil sie so betroffen von dem waren, was sie zuvor gesehen hatten. Das Thema sei positioniert, stellt Janowski fest und hebt das Engagement des Wahlpflichtkurses von Volkhard Hanns hervor, der nur drei Wochen Zeit für die Vorbereitung und Bewerbung der Aktion hatte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es neben der ruhigen auch diese laute Art des Rechtsextremismus gibt. Und ich hätte auch nie gedacht, dass es so viele sind, die das so offen zeigen und dass sie so viel Macht haben“, sagte Lea-Charlotte Hein (15) aus dem Kursus. Nicolas Scholz (14) aus der Klasse 9g fand den Film gut: „Er hat mal gezeigt, wie die Realität wirklich ist. Ich finde es erschreckend, dass es diese Rockkonzerte mit diesen radikalen Texten immer noch gibt.“ Aber auch die Toleranz der Behörden, die Bereitschaft wegzusehen haben ihn und seine Mitschüler nicht ungerührt gelassen. „Es bleibt unbegreiflich, wie die Jugendlichen über die Musik mitgerissen werden“, fand auch Lehrer Hanns, der sich mit seinen Schülern noch weiter Kubans Arbeit widmen wird. Denn ihm ist nicht entgangen, dass der Film zu einigen der jungen Zuschauer nicht durchgedrungen ist. „Es würde mich freuen, wenn da nochmal angesetzt wird und sich die Gettorfer Initiative nicht nur an der Schule, sondern auch in der Zivilgesellschaft klar aufstellt und an Fahrt gewinnt“, erklärte der Regisseur und betonte, wie wichtig es sei, Präventionsarbeit zu leisten. Er selbst, der auf politische Filme spezialisiert ist, war bei der Einwerbung von Sponsoren- und Fördergeldern auf die Haltung gestoßen, Rechtsextremismus sei kein Thema mehr. Ohlendorf: „Das gehört dringend thematisiert. Der Film zeigt nur die Spitze des Eisbergs.“

Bis zum Frühjahr 2014 sind weitere Vorführungen in ganz Deutschland gebucht. Wer den Film mit anschließender Diskussion zeigen möchte, klickt unter www.filmfaktum.de.

 

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erstellt am 05.Sep.2013 | 12:16 Uhr

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