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EZ-Jugendredaktion trifft DJ BoBo : DJ BoBo bringt den Zirkus auf die Bühne

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

DJ BoBo im Interview mit EZ-Mitarbeiterin Michelle Ritterbusch. Musiker ist mit imposanter Bühnenshow auf Tour.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Du hattest im Laufe deiner Karriere bereits verschiedene Showthemen. Dieses Mal ist es „Circus“. Warum?

Wir hatten das Thema „Circus“ schon 2008 vorbereitet und waren bereit, hatten sogar die ersten Bühnenpläne gezeichnet. Und dann kam Take That mit „Circus“. Und keine drei Wochen später Britney Spears mit „Circus“. Wir wären dann die Dritten gewesen, weil unsere Tour erst danach gestartet wäre. Dann haben wir uns entschieden, das Thema auf Eis zu legen, weil es sehr gut zu DJ BoBo passt: Es ist extrem farbenfroh, da kannst Du Dich richtig austoben. Und wir haben gesagt, wir warten so lange, bis wir eine Bühnenidee haben, die so außergewöhnlich ist, dass man uns nicht vergleichen kann. Wir hatten jetzt vor gut einem Jahr die Idee, einen 46 Meter großen Clown zu bauen. Den setzten wir in die Halle rein und der ist begehbar. Wir können auf seinen Händen gehen, auf dem Hals, Brust und Beine. Die Manege ist im Schoß. In seiner linken Hand hat er eine zwölf Meter hohe Geige. Rechts aus seinem Köfferchen spielt die Band. Dieses dreidimensionale Gebilde wird von drei Seiten mit der so genannten Video-Mapping-Technik bespielt und wird dadurch mal zum netten Clown, mal zum Vampir, mal zum Roboter und dann zum riesigen Löwe. Und der ist durch diese Dreidimensionalität sehr lebensecht. Jetzt hatten wir diese Bühnenidee und jetzt ist Zeit für „Circus“.

Was macht eine gute Show für dich aus?

In erster Linie ist es der Spannungsbogen. Das ist etwas, dass ganz viele Künstler überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Kleines Beispiel: Ein Künstler spiel die erste Stunde seines Konzerts nur neue Songs. Das ist total unnötig. Quatsch. Da geben sich ganz viele Künstler nicht mit ab, dabei ist der Spannungsbogen das A und O. Wann wird man das erste Mal ruhig? Wann macht man Unplugged? Wann endet man? Das ist ganz wichtig. Abwechslung ist das A und O.

Du spielst immer vier, fünf Shows am Stück, dann hast du ein paar Tage frei. Was machst du in dieser Zeit?

Wir fliegen oder fahren immer Heim zu den Kindern. Sonntagabends steht man auf der Bühne und montags um 6.30 Uhr in der Früh wecke ich die Kinder. Das ist ein Sprung in die Realität zurück. Ab dem Moment zählen wieder die Hausaufgaben der Kinder, das Fußballtraining der Kinder, die Probleme mit den anderen in der Schule. Dann bist du drei Tage Mami und Papi und dann gehst du wieder zurück. Unsere Artisten gehen in der Zeit nicht Heim, die bleiben in dieser Showwelt drin. Und dann kommen wir von draußen wieder da rein und denken: „Wo sind wir denn hier?“ Dieses Hin- und Herspringen zwischen der echten und der Parallelwelt ist emotional sehr aufwühlend, aber es tut auch gut, weil du dann immer merkst, wo die Realität ist. Nämlich zu Hause. Da ist der Ernst des Lebens.

Du gibst 25 Konzerte in einem Monat. Das klingt sehr anstrengend.

Für mich ist das nicht so anstrengend. Ich merke das dann erst nach dem letzten Konzert. Wenn das vorbei ist, tut alles weh. Man fällt dann immer in ein emotionales Loch. Du arbeitest eineinhalb Jahre auf diese Tour hin und dann, wenn es vorbei ist, ist die ganze Anspannung weg. Ich empfinde es nicht als anstrengend, sondern als Genuss. Es ist wie eine Kür laufen. Die Pflicht war davor und danach läufst du die Kür.

Wie bereitest du dich auf so eine Tour vor?

Ich spiele Fußball, mache aber nichts Spezielles. Ich esse sehr vernünftig.

Während der Tour auch oder fällt es dann doch schwer?

Nee, das fällt überhaupt nicht schwer. Du bist so fokussiert während der Tour. Du hast lauter Profis um dich rum, die Disziplin fällt echt nicht schwer. Da kannst du nach einem Konzert auch mal bei McDonald’s anhalten, das ist kein Problem. Das verbrennst du ja. Aber ich merke das, wenn ich viel Gemüse esse, dass ich mich einfach stärker fühle.

Was machst du, wenn du kurz vor einem Konzert merkst, dass du eine Grippe bekommst?

Das ist doof. Das ist richtig blöd. Das ist die einzige Phobie, die ich ständig habe, dass ich mich erkälten könnte. Das ist wie ein Damoklesschwert, das ständig über mir schwebt. Das ist ja der Moment, an dem auch nichts mehr geht. Ich gucke, dass ich immer gut eingepackt bin – grade in diesen Hallen zieht es sehr oft in den Gängen, wenn die Trucks ein- und ausgeladen werden. Das sind nicht grade 21 Grad. Auch nach den Shows gucke ich, dass ich nicht mit nassen Haaren rausgehe und Autogramme schreibe. Das muss ich auch, weil das der Super-GAU wäre, wenn man sich deshalb erkältet.

Auf welche neuen Tänze darf man sich denn freuen?

Wir haben diesmal artistisch sehr viel dabei. Sechs Kunstturner aus dem Schweizer Nationalkader und aus denen haben wir Showturner gemacht. Das war gar nicht so leicht: Die haben sich am Schluss immer verbeugt und eine Note erwartet. Erst in dem Moment, als sie die Kostüme bekommen haben, haben sie vergessen, dass sie Kunstturner sind.

Du stehst jetzt seit 20 Jahren auf der Bühne. Was hat sich verändert?

Es ist alles viel professioneller geworden. Früher war alles viel mehr Zufall. Heute wird erst überlegt und dann Musik gemacht. Früher hat man einfach Musik gemacht und dann gesagt: „Lasst uns mal eine Tour machen.“ Die wilde Zeit gibt es fast nicht mehr.

Für mich hat sich vor allem durch die Familie, durch die eigenen Kinder der Fokus verschoben. Früher war nur Musik und nur die Bühne wichtig. Heute steht in erster Linie das Wohl der Familie an höchster Stelle und an zweiter der Beruf.

Was hilft, um sich lange im Musikbusiness zu halten?

Ich bin Steinbock. Steinböcke finden immer den Weg zum Ziel, egal wie zackig die Route nach oben ist. Sie gehen, ohne zurückzugehen. Vielleicht hilft das. Das ist ein Wesenszug von mir: Ich lasse mich nicht so schnell von etwas abbringen. Und wenn Niederschläge kommen, lässt man sich nicht so leicht abbringen. Ich weiß, da ist ein Ziel und dieses Ziel ist wichtig für mich. Ich konnte auch nicht verhindern, dass die Eurodance-Welt zusammengebrochen ist, aber ich habe früh gemerkt, dass sie zusammenbrechen wird. Ich bin dann raus aus den Diskotheken und habe gesagt: „Wir müssen versuchen, in die kleinen Hallen zu kommen.“ Ich weiß noch, dass es damals als unmöglich galt, dass ein DJ ein Konzert in einer Halle gibt. Ich wusste aber, dass das meine einzige Chance ist. Man muss manchmal auch Dinge wagen, auch wenn sie nicht auf der Hand liegen.

Du bist Botschafter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Wie kam es zu diesem Engagement?

2006 wurden wir angefragt, ob wir Interesse an einer langjährigen Partnerschaft mit der UNO hätten. Ich bin dann nach Äthiopien mit den Verantwortlichen geflogen. Ich bin jemand der Ergebnisse sehen muss. Dann haben wir dieses Schulspeisungsprogramm gefunden. Es gibt eine Mahlzeit in der Schule. Wenn du nicht in die Schule gehst, kriegst du keine. Dadurch schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Eltern lassen ihre Kinder in die Schule gehen, weil sie sie dann vom Essenstisch los sind, und gleichzeitig werden die Kinder gebildet.

Gibt es noch irgendein Ziel, das du gerne erreichen würdest?

Wenn ich die Qualität noch die nächsten 20 Jahre halten kann, das wäre ein Ziel. Das ist wieder der Steinbock. Das ist ein realistisches Ziel.

Es ist sehr qualitätsabhängig. Ich habe ein Problem damit, wenn ich wieder zurück müsste auf Start. Wenn ich noch mal anfangen müsste von vorne, hätte ich die Kraft nicht mehr. Ich möchte professionell auf diesem Level weiterarbeiten können. Das wäre so ein Ziel. Wenn wir hier sitzen in 20 Jahren und ich kann immer noch in der Sparkassen-Arena spielen, dann haben wir alles richtig gemacht.

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