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Kostenloses Wlan : Digitale Gastfreundschaft in den Hüttener Bergen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine Gruppe Ehrenamtler baut mit Amt und Gemeinden ein kostenloses Wlan-Netz in den Hüttener Bergen auf. Jeder kann mitmachen.

von
erstellt am 16.Apr.2016 | 06:11 Uhr

Borgstedt | Ein flächendeckendes, kostenloses und für alle Nutzer erreichbares Wlan ist noch Zukunftsmusik. In den Hüttener Bergen arbeitet jedoch eine Gruppe Ehrenamtlicher mit Unterstützung der Amtsverwaltung daran, diesen Zustand langsam Realität werden zu lassen – „Freies Netz überall und für alle“. Anfang März hat sich die Freifunk-Community Hüttener Berge gegründet, nachdem es in einer Bürgermeisterdienstbesprechung positive Rückmeldungen für dieses Projekt gegeben hatte. Zwei, die ehrenamtlich den Freifunk in den Hüttener Bergen aufbauen wollen, sind Maximilian Jacobsen aus Holtsee und Peter Schickling aus Westerrönfeld von der Initiative Freifunk Nord. Vom Amt aus wird das Projekt von Klemens Ziemann betreut. Im Bereich von Freifunk Nord – von Flensburg bis zur Nordheide – sind seit September 2015 knapp 650 Router aktiv.

„Wir möchten allen Menschen überall die Möglichkeit geben, ins Internet zu gelangen“, sagt Schickling. Im Fokus stehen dabei zunächst die öffentlichen Gebäude, wie Dorftreffs, Gerätehäuser oder auch Jugendtreffs. Einer der ersten so genannten Knotenpunkte ist das Dörpshus in Borgstedt. Aber auch Gewerbetreibende und Vermieter sind schon dabei, wie beispielsweise Britta Leya vom Hubertushof, die auch Ferienwohnungen anbietet. Für sie ist es selbstverständlich, dass ihre Gäste freien Zugang zum Internet haben und das ohne umständliche Zugangsdaten.

Wie funktioniert Freifunk? Einzig erforderlich ist ein Internetanschluss und ein Router. Den gibt es bereits für 20 Euro. Diese Knotenpunkte werden von Freiwilligen an vielen Orten betrieben – so entsteht ein „Bürgernetz“. Freifunk bietet eine kostenlose Software an, die sich jeder auf den Router installieren kann. Dadurch verbindet sich das Gerät mit den anderen auf Freifunk-Software laufenden Apparaten in Reichweite und beginnt, als Teil des öffentlichen Netzes zu senden. Einklinken kann sich dann jeder mit einem Wlan-fähigen Gerät – sei es das Smartphone oder Laptop.

Investiert werden muss also lediglich in einen kompatiblen Router, etwa 20 Euro, und die jährlichen Stromkosten von wenigen Euros. Die Software auf den Routern ist aktuell und so „intelligent“, dass sich mehrere benachbarte Router automatisch zu einem zusammenhängenden Netz verbinden. „Ein Freifunknetz kann nur funktionieren, wenn an möglichst vielen Orten solche Netzwerkgeräte stehen“, so Ziemann, also wenn möglichst viele Leute eines bei sich zu Hause aufstellen. Je mehr Personen bei sich einen Knotenpunkt errichten, desto lückenloser wird das Netz. „Je nach Router beträgt die Reichweite etwas 250 Meter. Zehn bis 40 Nutzer können auf ein Gerät zugreifen“, so Schickling.

„Freifunk-Netze unterliegen nicht der Störerhaftung“, betont Ziemann. Denn die besagt eigentlich, dass beim Nutzen illegaler Internetinhalte nicht nur der Täter belangt werden kann, sondern auch der Besitzer des Internetanschlusses. Daher ist die Störerhaftung ein erheblicher Hinderungsgrund für die Bereitstellung von Wlan-Zugängen für Dritte. Freifunk genieße aber, wie alle andere Internetanbieter, ein Providerprivileg und wird bei Verstößen von Netznutzern nicht belangt. Ganz legal würden die Gäste zu einem Gateway und von da erst ins Internet geleitet werden. Die eigene Anonymität sowie die Sicherheit des eigenen Rechners blieben gewahrt. Ein solcher Gateway steht beispielsweise bei Maximilian Jacobsen in Holtsee.

Die Anbieter entscheiden, wie viel Leistung sie von ihrer Internetverbindung an den Freifunk abgeben. „Daher ist der Freifunk auch nicht geeignet, um große Datenmengen herunterzuladen“, erläutert Schickling. Es gehe darum, Mails zu lesen und zu verschicken, Busverbindungen abzurufen und sich Informationen über den Urlaubsort einzuholen. „Freifunk ist wie der Schluck Wasser für den Gast, kein Freibier“, sagt Schickling über die „Digitale Gastfreundschaft“.

Ein gutes Beispiel ist der Ort Burg in Dithmarschen, sagt Schickling. Dort ist mittlerweile durch die Unterstützung der Bürger ein engmaschiges Netz aus Freifunkknoten entstanden. Fast überall im Zentrum könne man darauf zugreifen.

Und in den Hüttener Bergen? In den Gemeinden Ascheffel, Ahlefeld-Bistensee, Borgstedt, Groß Wittensee, Holtsee und Owschlag wurden bereits 45 Freifunkknoten in Privathaushalten, bei Gewerbetreibenden, in Ferienwohnungen und in öffentlichen Gebäuden aufgestellt, die sich miteinander vernetzen.

Maximilian Jacobsen denkt beim Freifunk auch an die Flüchtlinge. In der Gemeinde Holtsee ist es ihm gelungen, für sie ein Freifunknetz zu errichten. Wenn die Asylbewerber angekommen sind, erlauben die Geräte den stetigen Kontakt mit Angehörigen in der Heimat und mit Verwandten oder Freunden an anderen Orten Deutschlands oder in Europa. Viele Menschen würden schnell ein Großteil ihres Geldes für den Mobilfunkanbieter ausgeben, mit Freifunk muss das nicht sein.

Wie Ziemann mitteilte, sei mittlerweile auch die Flüchtlingsunterkunft Försterhaus in Owschlag als Knotenpunkt eingerichtet und auch das geplante Mobilheim in Borgstedt wird versorgt werden.

Die Freifunk-Community wird sich regelmäßig in den Gemeinden treffen, um vor Ort mit interessierten Personen zu sprechen, um die Community zu vergrößern und das Netz zu erweitern.

Mehr Informationen:

http://huettener-berge.freifunk.net
http://ffnord.net

 

 



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