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Schleswig-Holstein Muisk Festival : Dieses Können ist ein großes Geschenk

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Oboist Albrecht Mayer und das Kammerensemble „I Musici di Roma“ begeistern auf Gut Altenhof

Und wieder funkelnde Sternstunden in Altenhof: Nach unvergesslichen Konzerten mit Sol Gabetta und Martin Stadtfeld stand im Altenhofer „Kuhhaus“ der nächste musikalische Festabend an. Am Sonntag spielten im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Musik Festivals der Oboist Albrecht Mayer und das Kammerensemble „I Musici di Roma“.

Es ist das älteste nach wie vor aktive Ensemble. 2012 feierten die Musici bereits ihr 60. Jubiläum und waren mit all ihrem beseelten Können ein Hochgenuss – besonders im Zusammenspiel mit Albrecht Mayer.

Auch das Programm des Abends war handverlesen. Mit Konzerten von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Sohn Carl Philipp Emanuel erklang in erster Linie Musik aus dem 18. Jahrhundert. Die abschließende Streichersinfonie von Felix Mendelssohn datiert wenig später.

So waren wohl alle Voraussetzungen für einen glanzvollen Abend geschaffen. Die Konzertscheune war bis zum letzten Platz ausverkauft, erwartungsvolle Stille machte sich breit, als Albrecht Mayer auf die Bühne kam. In fast jungenhafter Jugendlichkeit nahm der erst einmal Bezug auf die sommerliche Hitze, gab launige Ratschläge, wie man sich bei kreisläufigem Hitzestau bemerkbar zu machen habe – alles lachte und war vergnügt. Was sich hier andeutete, begleitete den gesamten Abend. Albrecht Mayer hatte „ein Händchen“ für sein Publikum, schaffte Nähe und Verbindung. Vergleichbar familiär bewegte er sich auch in der Runde der Musici – gab mit lockerer Hand und Kopfnicken Zeichen zum Einsatz der einzelnen Stimmen, derweil er – wie selbstverständlich – weiter Oboe spielte. Die spielte er zumeist ohnehin auswendig, konnte sich auch mal ganz dem Ensemble zuwenden und dem Publikum derweil nonchalant den Rücken zukehren.

Ist es verwunderlich, dass Albrecht Mayer in der Pause draußen saß? In der Abendsonne mit dem Rücken an der warmen Backsteinwand? Elena und Raoul, Schüler aus Peru, gesellten sich zu ihm. Nur für sie wolle er nachher seine Zugabe spielen – versprach er.

Vor allen Zugaben jedoch kam das Konzert – ein Höhenflug. Jegliche irdische Schwere und alle Bodenhaftung verloren, spielten sich die Musici in ein Klang-Reich weit von hier. Spitzenzart, gefühlig und dann wieder kraftvoll haben sie mit perlendem Cembalo und sattem Streicher-Klang die inneren Saiten der Zuhörer sicher mitschwingen lassen.

Und Albrecht Mayer, der seine Oboe singen lässt wie kaum ein anderer, wie sehr hat erst er das Publikum betört. Ob er als Solist (im Konzert für Oboe d’Amore und Streicher, A-Dur, Bach) ein paar Schritte leichtfüßig tanzt und seine lächelnde Musik meisterhaft von allen Notenlinien befreit, oder ob er gemeinsam mit Antonio Anselmi in Bachs Doppelkonzert für Oboe und Violine alle zu Begeisterungsstürmen hinreißt: Sein Können und seine Ausstrahlung sind ein großes Geschenk.


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