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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 17:05 Uhr

Dienst am Menschen

vom

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erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Es ist noch gar nicht lange her, da diskutierten wir im Freundeskreis über das Älterwerden, und wie es wohl wäre, wenn wir Hilfe benötigen würden. Wir schoben das Thema dann schnell beiseite und meinten: "Das kriegen wir alles hin. Außerdem haben wir noch Zeit." Alle waren fest davon überzeugt. Dass ich nun so schnell diese Erfahrung machen musste, hatte keiner von uns geglaubt.

Im Januar 2013 passierte es, ich stürzte über die Teppichkante und zog mir eine schwere Verletzung zu, die komplizierter wurde, als wir dachten. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt konnte die Verletzung zu Hause ausheilen. Aber: Es würde lange dauern. Auf jeden Fall brauchte ich Hilfe, und so wurde der Pflegedienst benachrichtigt, der zweimal täglich dann erschien. Was für eine ungewohnte Sache. Die Pflegerinnen und Pfleger machten es mir leicht, und schnell hatte ich meine Scheu überwunden. Stets freundlich und ohne Hektik verrichteten sie ihre Arbeit.

Mit äußerster Vorsicht gingen sie ans Werk, um mir ja nicht wehzutun. Es ist gewiss keine einfache Arbeit, das kann ich bestätigen. Immer hatten sie die Zeit im Nacken, denn mir wurden von der Krankenkasse jeweils acht Minuten zugeschrieben. Und die sind sehr schnell vorbei. Aber keiner ließ sich diesen Zeitdruck anmerken.

Pünktlich hielt der Wagen vor unserer Tür. Mit einem fröhlichen "Guten Morgen" stand der Pfleger oder die Pflegerin im Raum. Die erste Frage war stets nach meinem Wohlbefinden, vor allem ob ich Schmerzen hätte. Mit geübten Griffen, aufmerksam und zuverlässig wurde dann das gemacht, was notwendig war.

Schon während der Behandlung fühlte ich mich wohl und es tat mir sehr gut. Da inzwischen zwölf Wochen vergangen sind und ich den Hilfsdienst in gewisser Weise kennen gelernt habe, sehe ich es ihren Gesichtern an, wenn sie sehr abgespannt sind. Gerne hätte mein Mann ihnen eine Tasse Kaffee angeboten, aber man lehnte dankend ab. Die Zeit ließ es nicht zu. Mehr als ein Mini-Schnack beim Anziehen zum Schluss, lag nicht drin. Früh- oder Spätdienst, Sonnabend und Sonntag nach Stoppuhr ist bestimmt nicht einfach. Natürlich liegen auch freie Tage dazwischen, die dann doppelt genossen werden.

Ich habe jedenfalls in den zwölf Wochen Respekt vor dieser Tätigkeit bekommen. Dienst am Menschen, ist eine wichtige, gute, wenn auch oft schwierige Sache.

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