Museum Eckernförde : Die Wunderwelt der Eiche

Ungewöhnlicher Blickwinkel: Der Schattenwurf eines Hirschkäfers auf ein Eichenblatt. Fotos: Solvin Zankl
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Ungewöhnlicher Blickwinkel: Der Schattenwurf eines Hirschkäfers auf ein Eichenblatt. Fotos: Solvin Zankl

Der mehrfach ausgezeichnete Fotograf Solvin Zankl zeigt Bilder aus dem Lebensraum Eiche.

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16. August 2018, 20:09 Uhr

Eckernförde | Die Eiche ist ein Baum, zu dem fast jeder Mensch einen persönlichen Bezug oder eine Erinnerung hat. Jeder kennt also den Baum – und doch wieder nicht. Welches Leben in einer einzigen Eiche herrschen kann, ist ab Sonntag, 19. August, in einer neuen Sonderausstellung im Museum zu sehen, die um 11.30 Uhr eröffnet wird. Der mehrfach ausgezeichnete Fotograf Solvin Zankl zeigt unter der Überschrift „Wildnis Eiche“ 21 Bilder aus der Krone von Eichen in England, Schweden und Deutschland. Der 47-Jährige ist hauptberuflich als Naturfotograf tätig, seine Fotoreportagen erscheinen regelmäßig in international führenden Magazinen wie Geo, Stern, National Geographic Magazine, Natural History Magazine oder BBC Wildlife.

Artenvielfalt ist das Thema des diesjährigen Green-Screen-Festivals (12. bis 16. September). Der in Kiel lebende studierte Meeresbiologe trägt mit seinem Foto- und Buchprojekt dazu bei. Er erforscht mit seiner Kamera den faszinierenden Kosmos der Eiche, die mit ihrer oft ausladenden Krone und ihrem borkigen Fuß selbst nach ihrem Tod Lebensraum für Tausende Tierarten ist.

Über zwei Jahre lang hat der in Kiel lebende Solvin Zankl immer wieder Eichen an fünf Orten in Europa angefahren, eine davon in der Nähe von Bordesholm. „Ich wusste nie, was mich erwartet. Manchmal habe ich schon auf den ersten Blick etwas entdeckt, manchmal musste ich ein paar Tage warten.“

Aber es hat sich gelohnt. Zankl hat meistens das Leben auf den unteren Ästen festgehalten: Zwei Hirschkäfer, die miteinander kämpfen, oder die Larven des Eichenprozessionsspinners beim Fressen. Teilweise ging es auf die Mikroebene: Zum Beispiel, als er eine einen Millimeter große Ameise festgehalten hat, die mit ihren Fühlern auf eine Blattlaus trommelte, woraufhin diese automatisch etwas Baumsaft abgab. „Im Gegenzug beschützen die Ameisen die Blattläuse vor Feinden“, erklärt der Fotograf und Biologe. Für die Aufnahmen hatte er ein mobiles Studio dabei: Ein Mikroskop-Objektiv, ein Stativ, fünf Blitzgeräte mit Reflexionsschirmen sowie Hintergrund. Für viele Motive hat er 500 Aufnahmen gemacht, um den richtigen Moment zu erwischen – auch in der Baumkrone, die er mit Kletterausrüstung erklommen hat.

Es sind die ungeahnten Lebensräume, die sich dem Betrachter in seinen Bildern öffnen und faszinieren. Jeder kennt die Eiche und lernt in den Bildern von Solvin Zankl, dass er sie doch eigentlich nicht kennt. Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske hat deshalb einen Wunsch: „Dass die Besucher hinterher in die Natur gehen und Bäume mit anderen Augen sehen.“ Zum Beispiel mit denen Solvin Zankls: „Jeder Baum ist eine Persönlichkeit, mit der wir uns den Planeten teilen.“

>Die Ausstellung ist bis zum 14. Oktober zu sehen.

>Gespräche mit Solvin in der Ausstellung am 26. August, 26. und 30 September

>Führungen durch die Ausstellung: 2. und 12. September, 7. und 10. Oktober

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