Brücke über das meer : Die Wiedergeburt eines Kunstwerks

Ein Kunstwerk als Bausatz: Die Einzelteile sind in der Tischlerei zurechtgesägt worden, jetzt werden sie am Strand zusammengesetzt. Der Künstler Ojars Pétersons (vorn) ist wegen des Wiederaufbaus zurzeit in Eckernförde.
Ein Kunstwerk als Bausatz: Die Einzelteile sind in der Tischlerei zurechtgesägt worden, jetzt werden sie am Strand zusammengesetzt. Der Künstler Ojars Pétersons (vorn) ist wegen des Wiederaufbaus zurzeit in Eckernförde.

Die Installation „Brücke über das Meer“ wird zurzeit am Strand wieder aufgebaut. Das Kunstwerk musste vor vier Jahren wegen Baufälligkeit demontiert werden. Die Wiedereinweihung ist für den 30. Juli vorgesehen.

shz.de von
24. Juni 2014, 05:27 Uhr

Die Stadt erhält ihr wohl größtes Kunstwerk wieder: Die „Brücke über das Meer“ des lettischen Künstlers Ojars Pétersons wird seit gestern wieder aufgebaut. Die orangefarbene Installation stand seit 1990 am Strand auf Höhe des Stadthotels und musste 2010 wegen Baufälligkeit demontiert werden. Wenn alles gut läuft, steht sie morgen in neuer Pracht an alter Stelle.

Die Installation symbolisiert den ersten Teil einer Brücke, die nach Riga ausgerichtet ist, wo das Gegenstück mit Blickrichtung Eckernförde steht. Sie deuten eine Brücke der Freundschaft und des Verständnisses zwischen Ost und West an. Vor vier Jahren musste der Eckernförder Teil allerdings demontiert werden: Das Holz war morsch, die Standsicherheit nicht mehr gegeben. Und auch das Pendant in Riga wurde ein Opfer der Altersschwäche. Dort allerdings liegen die neu erstellten Einzelteile schon seit geraumer Zeit im Depot der Nationalbibliothek und warten darauf, wieder aufgebaut zu werden. In der diesjährigen Kulturhauptstadt ist man sich noch nicht über den Ort einig, da der angestammte Platz nicht mehr zur Verfügung steht.

Da ist Eckernförde einen Schritt weiter: Das bestehende Fundament wird wiederverwendet. Und auch das Material wurde angepasst, statt Kiefernholz vorgetrocknete Lärche genommen. Damit das Holz nicht so schnell morsch wird, ist es mit einem neuen Anstrich aus Leinölfarbe versehen. Wenn das Bauwerk steht, folgen weitere Anstriche. Die Finanzierung erfolgt zu einem großen Teil über die Stadt, aber auch Fördergelder konnten eingeworben werden.

Die Holzarbeiten hat die Tischlerei Vosgerau & Retzlaff übernommen. Nach einer Vorgabe des Künstlers sind die Einzelteile in der Tischlerei von Bauleiter Christian Krabbenhöft und Praktikant Merlin Wilde zurechtgesägt worden und werden nun vor Ort zusammengebaut und aufgestellt.

Für Ojars Pétersons ist es ein gutes Gefühl, dass sein Kunstwerk entsprechend gewürdigt wird. Der Professor an der Staatlichen Kunstakademie in Riga ist wegen der Bauarbeiten zurzeit in Eckernförde. Seine „Brücke über das Meer“ entstand, als Lettland noch zur Sowjetunion gehörte – er ging also ein Wagnis ein, eine Verbindung nach Westeuropa anzudeuten. Bei einer Ausstellung in Finnland erreichte er mit dem Kunstwerk 1990 internationale Anerkennung. Der Eckernförder Galerist Norbert Weber (Galerie Nemo) holte schließlich einen Teil der Brücke nach Eckernförde. Zehn Jahre lang stand das Kunstwerk am Strand, bevor es im Jahr 2000 in einem Sturm zusammenbrach und 2001 wieder aufgebaut wurde. Heute kann die Installation als Symbol für die Europäische Union gesehen werden.

Die Wiedereinweihung ist für den 30. Juli um 15 Uhr geplant. Dabei sein werden neben Ojars Pétersons unter anderem auch Staatssekretär Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer aus dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa und ein Vertreter der lettischen Botschaft in Berlin. Im Anschluss wird Pétersons aktuelle Ausstellung mit Monotypien in der Galerie Nemo eröffnet.

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