Weihnachtsoratorium : Die vertonte Glückseligkeit

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Hervorragende Aufführung des Weihnachtsoratoriums in der St.-Nicolai-Kirche

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12. Dezember 2017, 06:46 Uhr

Eckernförde | Nachdem am Sonnabend bereits das Bach’sche Weihnachtsoratorium in erneuerter Form mit Puppentheater und Konfirmanden-Beteiligung einen beachtlichen Publikumserfolg erzielt hatte, stand am Sonntag die Originalfassung (Teil I – III) auf dem Programm.

Die St.-Nicolai-Kirche füllte sich beizeiten, alle Platzkarten für die Kirchenbänke und zusätzlichen Stühle auf der Empore waren gekauft. Rechtzeitig vor Beginn saß man, konnte Innenschau halten, zur Ruhe kommen und die Stille im großen Kirchenschiff „hören“. Wohl jeder wusste, dass über kurz oder lang das große Jauchzen einsetzen, mit „Pauken und Trompeten“, ungezählten Chorstimmen, Solisten - und Orchesterbeiträgen das Weihnachtsoratorium den festlichen Raum fluten würde. Als dann tatsächlich die ersten, so sehr erwarteten Takte erklangen mit „Jauchzet, frohlocket, preiset die Tage“ spülte diese gewaltige Musik die Emotionen hoch: Erinnerungen, Liebe zur Tradition, Ergriffenheit und Vorfreude. Und selbst wenn einer nicht anders konnte, als lauthals mitzuschmettern, war das bei der großen Lautstärke wohl kaum zu hören. Mag sein, dass der Sitznachbar zusammenzuckte – aber wahrscheinlich sang der selber aus übervollem Herzen mit.

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört nun mal für viele zum Weihnachtsfest wie Tannenbaum und Gänsebraten. Wobei das Oratorium sicherlich weit über eher abgeflachte Traditionen hinaus geht: Die Evangelisten singen die Weihnachtsgeschichte nach den Lukastexten – da kennen die Christen wohl jedes einzelne Wort. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist geboren. Chöre beschreiben und preisen die außergewöhnliche Situation mit ihren schönsten Stimmen – Männer, Frauen, Kinder singen, und die Engel zwischen ihnen hört man auch. Die Instrumentalisten spielen auf ihren Geigen, Celli, Bässen, blasen auf Flöten und Posaunen, Klarinetten, Oboen erklingen. Von allem gibt es nur das Beste. Und das Beste ist gerade gut genug zu Jesus‘ Geburtstag.

Die musikalische Leitung lag einmal mehr in den Händen von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski. Sie dirigierte das himmlische Geschehen mit den Chören, dem Ensemble Ars Musica Flensburg, den Solisten Marret Winger (Sopran), Anne-Kristin Zschunke (Mezzosopran), Nils Giebelhausen (Tenor) und Wieland Lemke (Bariton) – und das alles erschien engelleicht.

Die einzelnen und vielen so lieb vertrauten Choräle und Arien kamen lupenrein, Mariens Wiegenlied tat einfach nur gut, das Instrumentalstück davor war – wie immer – in seiner himmlischen Schönheit ergreifend. Wie tief muss Komponist Bach das Wunder der Weihnacht empfunden haben, wenn er seine eigene glückselige Betroffenheit an alle folgenden Generationen weitergeben konnte.



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