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Eckernförde : Die Tafel macht seit 20 Jahren satt

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einrichtung im April 1997 gegründet / Nutzer von 40 auf 1000 gestiegen / Feierstunde im Hotel Seelust / Gründerin Dorothea Oder dabei

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erstellt am 22.Apr.2017 | 06:15 Uhr

Eckernförde | Als die Eckernförder Tafel im Jahr 1997 zum ersten Mal ihre Lebensmittelausgabe öffnete, kamen 40 Bedürftige, die das Angebot nutzten. Heute, genau 20 Jahre später, versorgt die Tafel etwa 400 Bedarfsgemeinschaften und damit knapp 1000 Menschen mit Lebensmitteln aus Supermärkten, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen und sonst entsorgt worden wären. Gestern trafen sich die ehrenamtlichen Helfer, Sponsoren, Vertreter der Diakonie als Träger sowie Gäste aus Politik und Verwaltung, um diesen Geburtstag gebührend zu begehen. Dabei wollte Tafel-Leiter Reinhard Schmidt nicht, „dass wir uns feiern, sondern unseren Unterstützern und Sponsoren Dank sagen: Ohne deren Unterstützung würde es die Tafel in dieser Form nicht geben“.

Eingeladen war auch Dorothea Oder: Die heute 75-Jährige hat die Eckernförder Tafel vor 20 Jahren gegründet und bis 2004 geleitet. „Ich war damals neu in Eckernförde und musste mir erst einmal Hilfe suchen“, erinnert sie sich. „Das Ganze musste organisiert und ein Ort dafür gesucht werden. Viele waren für die Einrichtung einer Tafel, aber nicht vor ihrer Haustür.“ Als Träger fand sie in der Diakonie Rendsburg-Eckernförde einen zuverlässigen Partner, in den ersten Jahren fand die Ausgabe im damaligen Lutherhaus in der Langebrückstraße statt. Mit sieben ehrenamtlichen Helfern fing Dorothea Oder an, heute sind es rund 70. Die Tafel wuchs stetig, Sigrid Buck übernahm 2004 die Leitung, es folgte 2008 Reinhard Frank. Die Tafel zog in die Noorstraße um, eröffnete 2010 eine Ausgabestelle in Gettorf und fand schließlich 2013 im neu gebauten Bürgerzentrum im Saxtorfer Weg eine nagelneue Bleibe – vom GWU zehn Jahre lang mietfrei zur Verfügung gestellt.

Immer professioneller wurde die Einrichtung, die inzwischen auch einmal wöchentlich eine warme Mahlzeit ausgibt und 2015 sogar ein Kühlfahrzeug gestiftet bekam. Warum jetzt so viel mehr Kunden das Angebot nutzen? „Die Nutzerzahlen gingen schon wieder runter, doch durch den Flüchtlingsstrom sind sie wieder hochgeschnellt“, sagt Diakonie-Fachbereichsleiter Ulrich Kaminski. „Und die Hemmschwelle, das Angebot zu nutzen, ist zurückgegangen.“

Bei der Feierstunde, die mit einer Andacht durch Pastorin Almut Witt begann und von Diakonie-Geschäftsführerin Diana Marschke moderiert wurde, dankte Bürgervorsteherin Karin Himstedt für die Arbeit der Ehrenamtler, die laut Frank Hildebrandt, Vorsitzender des Tafel-Landesverbandes, die Großfamilie aus früheren Zeiten ersetzen: „Armut gab es schon immer und wurde von den Großfamilien aufgefangen. Jetzt springen die Tafeln ein.“

Letzten Endes sprach Tafel-Leiter Reinhard Schmidt allen Anwesenden aus der Seele, als er sagte: „Mir wäre es wohler, wenn wir ohne Tafel auskommen könnten.“ Er wurde von Ulrich Kaminski mit dem Silbernen Kronenkreuz ausgezeichnet und ehrte acht Mitarbeiter für ihre aktive Mitarbeit seit zehn oder mehr Jahren.

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