Die Suche nach dem Weihnachtsmann

Hans Scheibner als Nikolaus ließ auf der Suche nach dem Aushilfs-Weihnachtsmann Wladimir keine Pointe aus. Foto: peters
Hans Scheibner als Nikolaus ließ auf der Suche nach dem Aushilfs-Weihnachtsmann Wladimir keine Pointe aus. Foto: peters

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23. Dezember 2009, 09:45 Uhr

Eckernförde | Der Nikolaus hat es nicht leicht: Ausgerechnet an Heiligabend soll er sich auf die Suche nach dem verschollenen Aushilfs-Weihnachtsmann St. Wladimir machen - und purzelt von einem turbulenten Erlebnis ins nächste. Hans Scheibner heißt der Nikolaus, der am Montagabend in der Stadthalle von seiner Odyssee berichtete. Der Kabarettist und Satiriker leitete die rund 200 Besucher von einer Pointe zur nächsten, lockerte die gelesenen Geschichten durch Anekdoten, Lieder und Gedichte auf.

Als Nikolaus suchte der 73-jährige Satiriker nach seinem Kollegen, dem heiligen Wladimier - auch auf St. Pauli, wo die "lieben Englein stehen in kurzen Hemdchen, wie es der Englein Mode ist". Eines davon will ihm sogar "die Trompete blasen", doch als der Nikolaus weder "Piepen noch Mäuse" hat, wird Wladimir gerufen. Der erweist sich nicht als der Gesuchte und wirft den Nikolaus kurzerhand aus dem Liebeshaus.

Bevor es zur nächsten Geschichte ging, erzählte Scheibner noch etwas aus seinem Privatleben: Seine Frau (gespielt von Ehefrau Petra Verena Milchert-Scheibner) schenkt ihm eine Cartier-Uhr. Auf sein Drängen gibt sie zu, dass es sich um eine Fälschung handelt, die sie von ihrem Chef erhielt, nachdem sie mit ihm geschlafen hatte. "Brodersen, die Sau", sagt Scheibner. "Bumst meine Frau und schenkt ihr dafür nur eine gefälschte Uhr."

So manche Pointe zielte unter die Gürtellinie, doch verzieh man Scheibner diese Ausflüge, kamen sie in gut dosierter Seltenheit zum Zuge und bildeten einen schönen Kontrastpunkt zu anspruchsvollen Gesellschaftsbeobachtungen und Wortspielereien. Zu diesen gehörte auch das Philosophieren über die Geburtsfähigkeit der Männer, die heutzutage die Schwangerschaften ihrer Frauen auf Schritt und Tritt begleiten: "Wir können bald besser pressen und atmen als die Frauen", sagt Scheibner. "Bei der Frau hat man mittlerweile Angst, dass sie auf den letzten Drücker noch alles verpfuscht." Stolz berichtet er nach seinem Beistand bei einer Geburt mit "Beckenendlage" von seinem Gespräch mit einem frisch gebackenen Vater. "Sie hatten einen Kaiserschnitt bei einer Schädellage? Wo haben Sie denn entbunden - in der Autowerkstatt?" Ganz klar fehlte hier das "Zurückgeworfensein auf das erste Existenzerlebnis".

Nachdem auch noch die Frage des Abends - "Wohin mit Oma?" - geklärt wurde, tauchte am Ende endlich der Aushilfs-Weihnachtsmann Wladimir bei einer Familien-Weihnachtsfeier auf, wo sich der Ehemann für den Besuch der Schwiegermutter rächt, indem er seinerseits einen Obdachlosen, einen "Gemüse-Türken" und die keifende Nachbarin einlädt. Doch der Abend entwickelt sich zu einer harmonischen Feier, bis am Ende endlich der heilige Wladimir auftaucht, der seine Verlobung mit dem Sohn des Hauses bekannt gibt.

Man sieht: Die Geschichten Scheibners sind bunt, spiegeln aber immer auch ein Stück weitergesponnene Realität wider. Der zweistündige Ritt durch eine abwechslungsreiche Komik-Landschaft im Weihnachtskostüm - er hat sich gelohnt.

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