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Eckernförder Zeitung

21. August 2017 | 20:43 Uhr

Hochwasserschutz : Die sturmflutsichere Stadt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Bauausschuss stimmt dem „Masterplan Küste“ zu. Er enthält Vorschläge für Hochwasserschutz und Küstensicherung.

Eckernförde | Die Ostsee ist meistens zahm, doch sie kann auch anders. Die Eckernförder haben das am 13. November 1872 erlebt, als der Scheitelstand 3,15 Meter über Normal Null erreichte und den Einwohnern das Wasser buchstäblich bis zum Hals stand. 78 Häuser wurden damals komplett zerstört, 138 Gebäude schwer verwüstet. 112 Familien verloren ihre Wohnungen, Todesopfer gab es jedoch nicht zu beklagen. In anderen Orten an der Ostseeküste hatten die Menschen nicht so viel Glück: 271 fanden an diesem Tag den Tod. 145 Jahre ging es gut, wenn sich die Ostsee auch manchmal aufbäumte, zuletzt in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar, als das Wasser 1,70 Meter über Normalnull erreichte. Doch irgendwann wird die große Flut höchstwahrscheinlich kommen.

Deshalb setzt das Land vermehrt Wert auf Hochwasserschutz und Küstensicherung. Die Stadt Eckernförde hat einen „Masterplan Küste“ aufgelegt, der nun die nächste Hürde genommen hat: Der Bauausschuss stimmte am Dienstagabend unisono für die Planung, jetzt muss nur noch die Ratsversammlung zustimmen.

Als Bemessungsgrundlage wird ein Wasserstand von 2,50 Meter über Normal Null angenommen, der statistisch alle 100 Jahre vorkommt. Im Entwurf für den „Masterplan Küste“, den die Prokom GmbH aus Lübeck entwickelt hat, sind Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 13 Millionen Euro enthalten. Darunter feste und mobile Hochwasserschutzwände, eine Ertüchtigung des Buhnensystems, ein Strandwall sowie als teuerste Einzelmaßnahme ein künstliches Riff zur Brechung der Wellen auf einer Länge von 2,2 Kilometern vor dem Strand für rund 4,4 Millionen Euro. Zudem sind im Masterplan auch küstennahe Projekte wie der Bau eines Fördeplatzes vor der Stadthalle, eines Badestegs mit Café am Jungmannufer oder der Ausbau der Mole an der Hafenspitze enthalten.

Um die tief liegende Altstadt zu schützen, sieht der Masterplan eine Hochwasserschutzlinie mit einer Gesamtlänge von etwa 3,4 Kilometern als erforderlich an. Sie schützt die niedrig gelegenen Flächen. Zu ihr gehört:

>eine feste, 1 bis 1,20 Meter hohe Wellenschutzwand landseitig der Strandpromenade bis zum Wellenbad mit mobilen Elementen an den Durchgängen zum Strand (640 Meter);

> südlich davon ein Strandwall (600 Meter)

>eine flexible, 1,50 Meter hohe und innerhalb von 24 Stunden zu errichtende Schutzwand aus Stützen und Bohlen vom Jaich-Hafen entlang des Hafens bis zum Vogelsang hinter Yachtsport Nielsen (700 Meter);

>eine Erhöhung der Kaikante am Borbyer Ufer um etwa 60 bis 80 Zentimeter, die auch als erhöhte Sitzfläche dienen kann (1480 Meter).

Bürgermeister Jörg Sibbel nannte im Ausschuss ein Kostenvolumen von rund 13 Millionen Euro für alle Maßnahmen. „Wir haben eine erste Anfrage ans Land gestellt, mit welchen Fördergeldern wir rechnen können. Wir erwarten eine Förderung, die über 50 Prozent hinausgeht.“

Da der „Masterplan Küste“ eine übergeordnete Planung für zum Beispiel den B-Plan Nr. 70 (Inkommunalisierung von Wasserflächen) und das Hafenkonzept ist, war schon im Vorfeld der Sitzung die Frage aufgekommen, wie man mit weiterhin möglichen Anregungen der Bürger für das Hafenkonzept umgehen soll. Sie sollen bei der späteren Fortschreibung des Masterplans mit eingearbeitet werden, so der Bürgermeister.

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erstellt am 19.Mai.2017 | 06:00 Uhr

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