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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 03:53 Uhr

Die Stifterin oder die „böse Mette“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf dieser Seite beschrieb ich in einem früheren Beitrag die Arbeit des Restaurationszentrums Kiel an dem Epitaph, also dem Grabmal, das Mette von Ahlefeldt für ihre Familie in der St. Nicolai Kirche in Eckernförde aufhängen ließ. Sie war eine Persönlichkeit, die ihre Spuren in der Geschichte hinterließ, was sich auch an dem Epitaph ablesen lässt.

Geboren wurde sie als Mette Lausen, also als Bürgerliche. Von beiden Eltern mit reichen Gütern in Nordfriesland und Angeln versehen, heiratete sie um 1550 im Alter von 16 Jahren Benedikt von Ahlefeldt. Der adelige Stand war ihr sehr wichtig. Es zeigt sich daran, das an den Stellen, an denen sonst die acht Wappen der Urgroßeltern gezeigt wurden, achtmal das Ahlefeldtsche Wappen gezeigt wird. Damit wollte sie ihre nicht-adelige Herkunft verdecken. Auch gab sie als Vater fälschlicherweise Benedikt von Ahlefeldt an. Sie gebar zwölf Kinder, von denen elf früh starben, ebenso wie ihr Mann. Ihre Trauer verleitete sie dazu, ihr Unglück der Hexerei zuzuschreiben und Personen aus ihrem Umfeld zu beschuldigen, wodurch diese Verfolgungen und Prozesse zu erleiden hatten.

Doch ohne die Unterstützung ihres Mannes geriet Mette in die Isolation, die Stimmung im Amt Tondern kippte und wandte sich gegen sie. So orientierte sie sich gen Osten und ließ die sterblichen Überreste ihrer Familie nach Eckernförde überführen und in der neu gekauften Familiengruft in St. Nicolai beisetzen. Nach einer gescheiterten Ehe mit Hans von der Wisch und dem Tod ihres letzten Kindes besann sie sich auf ihre Ahlefeldtsche Vergangenheit und bestellte in Italien das Epitaph. Bis es endlich in St. Nicolai aufgehängt werden konnte, war wohl ein Transport mit Fuhrwerken über die Alpen erforderlich.

Sie starb 1623 fast neunzigjährig und wurde in der Familiengruft beigesetzt. Die Menschen ihrer Zeit haben ihr das Vorgehen gegen die damals Angeklagten, aber auch ihre wohl herrische Art gegenüber ihren Untergebenen, die ihr den Namen „böse Mette“ einbrachte, nicht verziehen. Man nimmt an, das so manche mutwillige Beschädigung des Epitaphs darin ihre Ursache hat. Der Vandalismus richtete sich besonders gegen ihren Namen und ihr Standbild auf dem Grabmal. Es wurde heruntergestürzt, der obere Teil fehlt und der untere Teil nach außen gewandt, also falsch herum wieder aufgestellt. Die Restaurierung wird diesen Zustand erhalten.

Für den Adel, dem sie so gerne ganz zugerechnet werden wollte, setzte Frau Mette mit dem ersten steinernen Epitaph in St. Nicolai aber neue Maßstäbe.
Sobald die Restaurationsarbeiten abgeschlossen sind, wird das Epitaph wieder aufgehängt.

>Quelle: Horst Slevogt „Eckernförde“,

Seiten 67 - 71



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erstellt am 09.Sep.2014 | 13:21 Uhr

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