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Artenschutz : „Die sehen ja aus wie kleine Schafe“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klasse 5g der Isarnwohld-Schule unternimmt Ausflug in die Welt der Eulen / Landesverband Eulenschutz beringt Jungtiere

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Große hellbraune Augen und ein nervöses Klappern – die drei kleinen Uhus sind so einen Rummel um sie herum zwar nicht gewöhnt, hielten sich dafür aber wacker. Die gesamte Klasse 5 g der Gettorfer Isarnwohld-Schule war teilweise samt Eltern und Geschwisterkindern am Mittwochnachmittag in den Königsförder Wohld gekommen, um dabei zu sein, wenn Hans Dieter Martens vom Landesverband Eulenschutz die Jungtiere beringt. Der 77-Jährige ist der Vorsitzende des Vereins, der 1981 zum Schutz der heimischen Eulen gegründet wurde und ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Er kümmert sich mit Unterstützung der schleswig-holsteinischen Landesregierung um Artenschutz von Kauz, Eule und Uhu. „Die Beringung der Jungtiere hilft bei der Populations- und Unfallforschung“, erklärte der Experte.

Mitten in dem Forst führte er die Gruppe gemeinsam mit Förster Rainer Mertens zu der Nisthilfe. In rund sechs Metern Höhe an einer Lärche hängt der kleine Kasten. Jonte war der erste, der auf die Leiter klettern und in die Brutstätte schauen durfte. Er stieß einen überraschten Schrei aus. „Die sehen schon komisch aus. Das hatte ich so nicht erwartet“, berichtete der Elfjährige. Nach ihm kletterten noch Mette (11) und Leonie (10) auf die Leiter. „Die sehen ja aus wie kleine Schafe“, erklärte Mette. „Und die stinken“, ergänzte Leonie. Dann holte Martens die beiden Männchen und das Weibchen aus dem Nistkasten. Die Kinder durften die jungen Vögel, die sich ganz ruhig verhielten und nur mit großen Augen um sich blickten, auf dem Arm halten. Zwischen 32 und 36 Tage sind die Uhus alt. Alle drei bekamen den Ring, der am Abend im Ringsystem der Vogelwarte Helgoland registriert werden sollte. „Damit kann nachvollzogen werden, woher das Tier kommt“, berichtete Martens. Zehn bis zwölf Paare nisten im Dänischen Wohld. Insgesamt könne man von bis zu 450 Brutpaaren in ganz Schleswig- Holstein ausgehen, so der Vogelkundler weiter. Anfang Februar beginne die Brutzeit, die bis zu 36 Tagen andauern kann. „Beringen können wir, wenn die Alte nicht mehr hudert“, erklärte er, also wenn die Mutter nicht mehr schützend über den Jungtieren wacht. Nach 60 bis 70 Tagen lernen die jungen Uhus fliegen. Im Herbst beginnen sie, sich ein eigenes Revier zu suchen. Rund 100 Jungvögel beringen Martens und seine Helfer pro Jahr. Förster Mertens ist dankbar für diesen Einsatz. „Das könnten wir gar nicht leisten“, lobte er.

Für die Schüler der Isarnwohld-Schule hatte Biologielehrerin Bettina Scharenberg den interessanten und lehrreichen Ausflug organisiert und die Kinder strahlten. Wo die Eltern der jungen Uhus jetzt sind, wollten sie noch wissen. Martens lachte und sagte: „Die Alten sitzen hier irgendwo, vielleicht 40, 50 Meter entfernt. Aber ich glaube, sie sind nicht mehr nervös. Die wissen inzwischen: Ach, der Martens ist wieder da!“

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