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Interview : „Die Schule können sich fast alle leisten“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eltern geschockt von der Insolvenz Privatschule Mittelholstein, aber begeistert vom Schulkonzept

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2016 | 06:53 Uhr

Rendsburg | Das Insolvenzverfahren der Privatschule Mittelholstein hat in der Bildungslandschaft erhebliche Unruhe ausgelöst. Ungeachtet der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Schule: Die Eltern wollen, dass der Betrieb weitergeht. Sie sind überzeugt von dem pädagogischen Konzept. Das betonen Martina Brunner, Mutter einer elfjährigen Schülerin, und Mario Prügel, dessen sieben, acht und 14 Jahre alten Kinder die Privatschule besuchen.

Frau Brunner, Herr Prügel, kürzlich hat der Geschäftsführer der Schule, Michael Claßen, alle Eltern per E-Mail darüber informiert, dass er Insolvenz angemeldet hat. War das zu erwarten?

Brunner: Nein, mich hat das sehr überrascht. Wir als Eltern haben diese E-Mail mit Entsetzen gelesen und uns sofort mit anderen Eltern kurzgeschlossen, ob dort Näheres bekannt ist. Das war aber nicht der Fall. Wir werden uns jetzt darauf verlassen, dass uns der Insolvenzverwalter in der kommenden Woche umfassend über die Hintergründe und Konsequenzen informiert.

Prügel: Wir waren schockiert. Wir hoffen, dass alles zum Guten gedreht wird.

Warum haben Sie sich für die Privatschule entschieden?

Brunner: Wir waren von dem Konzept sehr überzeugt. Außerdem begeisterte uns die Betreuungszeit von 7.30 bis maximal 17 Uhr, die es meinem Mann und mir ermöglicht, beruflich weiterhin tätig zu sein. Es ist kein Muss, die von der Schule angebotene Betreuungszeit auszuschöpfen, aber man kann es tun, wenn es erforderlich ist. Es gibt sogar eine Betreuung in den Ferien. Außerdem: Wenn die Kinder zu Hause sind, kann das Familienleben beginnen.

Prügel: Meine älteste Tochter besuchte vorher eine staatliche Grundschule. Dann wechselte sie auf eine städtische Gemeinschaftsschule. Aber dort hatte sie mehr Freistunden als Unterrichtsstunden. Dort fiel auffallend viel Unterricht aus. Dann haben wir gesagt, jetzt ist Schluss. Als wir uns nach einer Alternative umsahen, kamen wir auf die Privatschule, von der wir viel Gutes hörten.

Was konkret hat Sie an dem pädagogischen Konzept überzeugt?

Brunner: Mir gefällt, dass die Fächer möglichst in Doppelstunden unterrichtet werden. Jede Stunde setzt sich aus drei Phasen zusammen: eine Instruktionsphase, eine Konstruktionsphase und ein Rückblick. Es gibt keinen Frontalunterricht. Der Lehrer wird als Begleiter wahrgenommen. Man leitet die Schüler an, sich den Stoff selbst zu erarbeiten. Schüler, die etwas bereits begriffen haben, unterstützen diejenigen, die noch Hilfe brauchen. Selbstverständlich hilft auch der Lehrer. Dort wird das Lernen gelehrt.

Wie sieht der Schulalltag aus?

Brunner: Nach dem Unterrichtsende gibt es eine längere Pause. Dann gibt es die Möglichkeit, unter Aufsicht der Lehrer die Hausaufgaben zu erledigen. Später werden jahrgangsübergreifende Arbeitsgemeinschaften wie beispielsweise eine Theater-AG angeboten.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede im Vergleich zu den staatlichen Schulen?

Brunner: Es ist die Verlässlichkeit und die Ferienbetreuung. Sie bietet außerdem das Abitur nach neunjähriger Gymnasialzeit an.

Prügel: Es ist ein speziell auf die Schüler zugeschnittenes Konzept.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Kinder weiter sind als gleichaltrige Kinder an staatlichen Schulen?

Prügel: Ja. Ich sehe es besonders an meinen beiden kleinen Kindern, die die Grundschule besuchen. Ich würde sagen: An der staatlichen Schule hinkt man deutlich hinterher. Ein Beispiel: Als meine Jüngste in der ersten Klasse bereits vollständige Absätze las, konnten Kinder an der staatlichen Schule erst einzelne Wörter lesen. Ich finde es auch gut, dass man ab der ersten Klasse Englisch lernt.

Brunner: Auf jeden Fall kann sich die Privatschule mit der Leistungsstärke der Schüler von staatlichen Schulen messen.

An den staatlichen Schulen müssten Sie nichts bezahlen. An der Privatschule wird ein Schulgeld fällig. Was zahlen Sie im Monat?

Brunner: Für ein Grundschulkind zahlt man 130 Euro und in der Mittelstufe 150 Euro. Das ist sicherlich Geld, das nicht jeder für sich am Monatsende übrig hat. Aber es ist weniger, als ich für den Kindergartenplatz meiner Tochter bezahlen musste. Die Nachmittagsbetreuung kostet für Grundschüler 120 Euro, für Mittelstufenschüler 150 Euro.

Prügel: Mich kostet der Schulbesuch meiner Kinder 410 Euro im Monat, aber das ist es mir wert.

Die Privatschule hat das Image des Elitären. Kann man sie als Eliteschule bezeichnen?

Brunner: Nein. Sie ist keine Schule nur für besonders begabte Kinder – oder nur für die Kinder reicher Eltern. Es ist eine Schule, die sich fast alle Menschen leisten können, ganz gleich, ob sie Unternehmer, Beamter oder Arbeiter sind.

Prügel: Ich bin von Beruf Müllwerker. Trotzdem schicke ich meine Kinder auf die Privatschule.

Bleiben Kinder, die an der Privatschule als Erstklässler eingeschult wurden, der Schule treu?

Brunner: Das wäre schön, wenn das immer so wäre. Aber es ist vorgekommen, dass Kinder nach der Grundschulzeit auf eine staatliche Schule wechselten. Die Schule hatte anfangs Startschwierigkeiten mit ihrer Mittelstufe. Es gab einen häufigen Lehrerwechsel, der sich aber beruhigt hat. Zudem hatten wir ein Unterbringungsproblem. Ich erinnere an die Schulcontainer in Büdelsdorf, die geräumt werden mussten. Aber das hat sich ja zum Glück gelöst mit den neuen Räumlichkeiten auf dem Gelände der früheren Feldwebel-Schmid-Kaserne.

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