VerlASSENE ORTE : Die Schönheit des Verfalls im Sucher

Auf der Suche nach dem Geheimnisvollen: Urban Explorer Jan Bommes aus Kiel hat die alten Bundeswehr-Gebäude am Bülker Huk fotografiert. Die Bilder hat er ins Netz gestellt.
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Auf der Suche nach dem Geheimnisvollen: Urban Explorer Jan Bommes aus Kiel hat die alten Bundeswehr-Gebäude am Bülker Huk fotografiert. Die Bilder hat er ins Netz gestellt.

Jan Bommes aus Kiel fotografiert verlassene Gebäude. Die Spannung und die Ruhe faszinieren den ehemaligen U-Boot-Fahrer.

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04. Juni 2014, 18:31 Uhr

Er sucht das Unerwartete, das Geheimnis. Jan Bommes erforscht und fotografiert verlassene militärische Einrichtungen, Industriebaracken, Kranken- und Privathäuser, so genannte Lost Places. Urban Exploration, Stadterkundung, nennt sich diese Leidenschaft. Auch in den ehemaligen Bundeswehrliegenschaften an der Bülker Huk in Strande, die nun abgerissen wurden, hat er fotografiert.

Die Bilder bearbeitet er und stellt sie in seinem Blog online. „Es gibt da eine Community, eine richtige Szene“, erzählt der 38-jährige Kieler, der in Altenholz aufgewachsen ist. Er war mal U-Boot-Fahrer. Jetzt leitet er Projekte in einem großen Call-Center. Bevor er ein verlassenes Gelände betritt, versucht er, den Eigentümer ausfindig zu machen und etwas zum geschichtlichen Hintergrund des Gebäudes herauszubekommen. Er fotografiert mit einer Systemkamera, einer Sony Nex. „Die ist schön klein“, sagt er. „Damit habe ich mehr Bewegungsfreiheit.“ Später bearbeitet er die Fotos mit Photoshop, Lightroom oder erzeugt aus einer Belichtungsreihe ein HDR (High Dynamic Range)-Bild, das große Helligkeitsunterschiede detailreich wiedergibt. Je nachdem, was für ein Gebäude es ist, könne er so die Stimmung in das Bild hineinbringen, die er empfunden hat. Für militärische Gebäude bevorzugt er einen dokumentarischen Stil.

Angefangen hat alles vor etwa vier Jahren, als er mit seiner Frau Birthe auf den Wikingertagen in Schleswig auf der Freiheit unterwegs war. Ein ehemaliges Kasernengelände, heute ein neuer Stadtteil. Auf dem Rückweg stolperten sie in eine alte Baracke hinein. „Es hat mich sofort fasziniert zu sehen, was dort passiert ist, nachdem die Menschen weggegangen sind“, sagt er. Er hatte eine Kleinbildkamera dabei und machte Fotos. Wo er früher die Orte, in der Szene Locations genannt, unterwegs fand, sucht er mittlerweile gezielt und findet auch viel. Er war in einem ehemaligen Sanatorium in Beelitz, einer ehemalige Lungenheilanstalt der NVA im Harz, in den Ruinen der Torpedoversuchsanstalt in Surendorf und den Resten der schweren Flak-Batterie bei Stohl. Was ihn daran so fasziniert, das überlegt auch er immer wieder. Einerseits ist es das historische Interesse. Dann aber auch die Schönheit des Verfalls, die Spannung und die unglaubliche Ruhe. „Wir leben in einer Welt, in der es schwer ist, alleine zu sein“, erklärt er. „In Lost Places ist man allein.“ Da gibt es nichts außer Vögeln, Ratten und manchmal tausenden Insekten. Klar sei das gefährlich, bestätigt er. Nicht umsonst sind die Gelände abgesperrt. Er zieht sich immer Sicherheitsschuhe, eine Säureschutzhosen und Handschuhe an und setzt einen Helm auf. „Es kann jederzeit etwas von der Decke fallen.“ Er achtet auf jedes Geräusch, auf lose Bretter im Fußboden, auf scharfe Kanten. Lampen sind auch wichtig. Und Knicklichter, die ihm zeigen, wo er hergekommen ist, um im Zweifelsfall wieder raus zu kommen.

Die alte Bundeswehrliegenschaft am Bülker Huk interessierte ihn schon länger. Schon als er noch Schüler war. Im vergangen September hat er dort Fotos gemacht. Die Aussicht durch die Fenster sei sehr cool gewesen, weiß er noch. In den verbunkerten Kellern hörte man das Wasser von der Decke tropfen und an den Wänden leuchtete Farbe nach. Die Fotos sind in seinen Blog im Internet unter http://arcanumphoto.blogspot.de zu sehen. Jan Bommes freut sich über seine Bilder. Das sollen andere auch, findet er. Seinen Blog schreibt er auf Englisch, die Fotos sind ohne Ortsangaben. Absichtlich. „Ich habe wunderschöne Orte vor die Hunde gehen sehen“, sagt er. „Es heißt: Nimm nichts mit außer Fotos und hinterlasse nichts außer Fußspuren.“


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