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Sprachentag in Eckernförde : Die „Revolution“ des Plattdeutschen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

15. Plattdeutscher Sprachentag in Eckernförde / Gäste plädieren für Gleichstellung der plattdeutschen Sprache

2001 hat die Europäische Kommission den 26. September zum Europäischen Sprachentag erklärt, um auf die sprachliche Vielfalt und gelebte Vielsprachigkeit in Europa hinzuweisen. Jedes Jahr findet dieser in einem anderen Bundesland statt. In diesem Jahr nutzen die Plattdüütsch Gill Eckernför, gemeinsam mit dem Bundesrat für Niederdeutsch die Möglichkeit, für Schleswig Holstein ein buntes Programm auszurichten. Heiko Gauert, Baas der Plattdüütsch Gill und Mitglied im Bundesrat für Niederdeutsch, zeigte sich erfreut, das neben zahlreichen Teilnehmern auch die Ratsmitglieder Katharina Mahrt, Jörg Meyer und die Abordnung der Borbyer Gilde mit den Vorsitzenden Lorentz Marckwardt, den Weg zur Veranstaltung gefunden haben. Plattdüütsch gehört zu Eckernförde wie „dat Solt in de See.“

In der Ostseestadt lebt die Regionalsprache, hier wird noch so gesnackt. Dennoch ist Niederdeutsch eine Sprache, die zum Schutz des Erhalts in die Europäische Sprachencharta aufgenommen wurde. 1999 unterzeichnete Deutschland die Sprachencharta der Regional- und Minderheitensprachen und ist somit völkerrechtlich verbindliche Verpflichtungen eingegangen. Seitdem stehen in Deutschland die Minderheitensprachen der Friesen, Sorben, Dänen, sowie Sinti und Roma und die Regionalsprache Niederdeutsch unter dem Schutz der Charta.

Zum Auftakt des Programms gab es „Platt vundaag: Mit Fischer Fiete un Opsteekfru Stine eine plattdeutsche Stadtführung dörch dato le Eckernför zu machen, ist Leben pur, genau das freute die Teilnehmer. In der Galerie 66 führte Heiko Gauert die Zuhörer auf die Lebensreise und das Werken des bedeutenden Schriftstellers Johann Hinrich Fehrs. Viel Applaus erntete Gauert für sein Kurzreferat „Die Geschichte der plattdeutschen Sprache“. Spannend und humorvoll brachte er die Entstehung und den Werdegang des Plattdeutschen, die einst große Sprache der Hanse zeigt viele Facetten zum Englischen und zu dem skandinavischen Sprachen, den Teilnehmern näher. Still und ernst wurde es, als Marianne Ehlers, Bundesrat für Niederdeutsch und -Referentin beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, in ihrem Kurzvortrag „Plattdeutsch heute- aktueller Stand“ aufzeigte, wie es um die Regionalsprache bestellt ist. In Schleswig Holstein hätte es eine wahre „Revolution“ des Plattdeutschen gegeben, ob in Kindergärten, Schulen oder Pflege, es wird Platt gesnackt. Die Referentin informierte über den Einsatz bei den Intuitionen, in denen sie sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Sprache einsetzen.

Während der anschließenden Podiumsdiskussion mit Marianne Ehlers, Dr. Reinhard Goltz (Institut für Niederdeutsch Bremen), Ingwer Oldsen (Zentrum für Niederdeutsch Leck), Birthe Pauls (MdL, u.a. Co-Vorsitzende der AG Bildung für Niederdeutsch im Landtag) und Autorin Heike Thode-Scheel zeigte sich er Revolutionsweg des Plattdeutschen deutlich: immerhin gibt es in diesem Jahr 29 Grundschulen mit 1025 Schülern die Plattdeutsch-Unterricht geben. „Die große Nachfrage der Schulen hat alle überrascht“, so Ingwer Oldsen, „De Instellenkriterien in Betrief, afsüünerlich in de Pleeg, un bi plattdüütsch snackende Chefs, sünd to marken.“ Dr. Reinhard Goltz teilt die Vision von Marianne Ehlers: „ Plattdüütsch Abitur, dat weer noch wat.“ So abwegig scheint diese Vision gar nicht zu sein. In Hamburg gibt es Schulen, die schon seit sechs Jahren Plattdeutsch unterrichten. Die Schulen erhalten alle Materialen, bis hin zum neu erschienenen Schoolbook, um den Unterricht zu gestalten. In Leck gibt Ingwer Oldsen Zertifikatskurse für Pädagogen, Erzieher und Interessierte. Heike Thode Scheel weiß, dass das Plattdeutsche um jeden Platz in den Medien kämpfen müsse. „Wir möchten, dass die Sprache gemäß der Charta gleichgestellt wird, ob in den Nachrichten oder anderen Berichterstattungen“, sagte sie. Plattdeutsch müsse genauso ernst genommen werden wie Hochdeutsch“, sagte auch Dr. Reinhard Goltz. Heiko Gauert wies mit Zahlen auf: „1,3 Millionen können Plattdeutsch gut verstehen, zwei Millionen Norddeutschen sprechen es.“

Der Weg, den der Rat für Niederdeutsch, der Heimatbund, das Institut für Niederdeutsch und weitere Gremien gemeinsam mit der Politik gehen, sei der Richtige, und dennoch müsse stetig daran gearbeitet werden, sagt SPD-Politikerin Birthe Pauls.

Aus den Reihen der Zuhörer gibt es viel Lob für Veranstaltung, Edda Radecker (54) und Reinhard Schweger (58) aus Dänischenhagen sind von den unterhaltsamen und informativen Themen ebenso angetan wie Margret Paulsen Deuschle (65), die erst seit vier Wochen wieder in Eckernförde lebt: „ Ich habe 35 Jahre meine Heimatsprache vermisst. Wunderschön, dass es so viel Engagement gibt und Plattdeutsch wieder im Kommen ist.“ Eines ist allen Teilnehmern klar geworden: Sprache ist Kultur „un Platt is nu maal de Spraak, de bi uns in Norddüütschland to Huus is. Un so schall dat ok blieven.“ 

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