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protestaktion : „Die Reihen sind fest geschlossen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Amtsausschuss des Amtes Schlei-Ostsee protestiert gegen die geplante Förderung von Erdöl und steht geschlossen hinter dem Wasserbeschaffungsverband Mittelschwansen. In einem Brief an Bergbau- und Umweltamt fordert der WBV sein Recht auf Anhörung ein.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 07:22 Uhr

Ungewöhnlicher Auftakt einer Amtsausschusssitzung: Vor Beginn der Sitzung des Amtsausschusses Schlei-Ostsee protestierten die Ausschussmitglieder öffentlich gegen die geplante Förderung von Erdöl und Erdgas. Sie unterstrichen auf diese Weise ihre Ablehnung der damit verbundenen Bohrungen in dem 30 Quadratkilometer großen Einzugsbereich des Wasserbeschaffungsverbandes Mittelschwansenaus. Mit ihrem großen Banner „Wasser ist Leben“ drückten die Bürgermeister und Gemeindevertreter aller 19 amtsangehörigen Gemeinden ihren Protest aus und unterstützten damit den Wasserbeschaffungsverband Mittelschwansen (WBV) in seiner Ablehnung jeglicher Form von Erdöl- oder Erdgasförderung (wir berichteten).

Rund 20 Zuschauer hatten den Weg in den Saal der Gaststätte Victoria gefunden, um das wichtigste Thema des Abends, das nicht auf der Tagesordnung stand, zu hören – Informationen über die geplante Erdölförderung im Bereich Waabs. Die Firma Central Anglia AS (Mittelangeln) mit Sitz in Oslo vermutet Ölvorkommen in mehreren tausend Meter Tiefe. Sie hat beim Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld einen Antrag für das Erlaubnisfeld Waabs, Eckernförde-Nord und Kopperby eingereicht – in diesem Bereich liegen das Wasserwerk und die Brunnen des Wasserbeschaffungsverbandes Mittelschwansen (wie berichteten).

Zu Gast war auch Dr. Peter Hempel, Geologe des Wasserbeschaffungsverbandes, der über mögliche Gefahren des Grundwassers und damit des Trinkwassers referierte. So können seinen Worten nach bereits Erkundungsbohrungen in der Salzstruktur, die sich von Damp bis Schwedeneck zieht, wegen der Verwendung von chemischen Spülzusätzen Belastungen des Grundwassers verursachen. Und das gelte erst recht für das sogenannte Fracking. „Selbst wenn es nur einen Bohrstandort gibt, durchbohren viele Bohrstränge den Grundwasserkörper“, erläuterte Dr. Hempel. Das Grundwasser befindet sich unterhalb des Geschiebemergels, der im Volksmund bekannten Lehmglocke, die das Grundwasser schützend umschließt. Das Bohrgestänge durchbohrt diese Glocke.

Die Tatsache, dass das Einzugsgebiet des WBV-Mittelschwansen kein ausgewiesenes Wasserschutzgebiet im Sinne des Landeswassergesetz ist und folglich der Zugriff der Erdölfirma auf das Gebiet erleichtert werden könnte, entkräftete der Geologe. „Sie als Wasserbeschaffungsverband haben ein berechtigtes Interesse, ihr Trinkwasser zu schützen.“ Denn ein Restrisiko bestehe immer, auch wenn eine Verpressung und Schließung der Probebohrungen nach ein, zwei oder drei Jahren erfolge. Mit den Bohrungen einher geht die Beschaffung des nötigen Prozesswassers und dessen anschließende Reinigung. „Wir reden hier von einer Größenordnung in Form des Jahreswasserverbrauches“, so Dr. Hempel. „Wichtig ist, dass Sie vor den Bohraktivitäten Ihre Interessen wahrnehmen“, so Dr. Hempel.

Genau das will Verbandsvorsteher und Wortführer Horst Böttcher machen, er gibt sich kampfwillig. „Wer unsere Brunnen vergiften will, kriegt es mit mir zu tun.“ 16 Gemeinden, in Spitzenzeiten täglich 35 000 Menschen, versorgt der WBV jährlich mit rund einer Million Kubikmeter Trinkwasser. Der WBV schickte gestern einen Brief an das Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld und nachrichtlich an das Umweltamt des Landes Schleswig-Holstein, mit dem Hinweis, dass der WBV als eine Behörde verstanden werden möchte, die als solche gemäß Bergbaurecht § 11 Absatz 10 „ein hervorragendes wichtiges öffentliches Interesse hat und gehört werden muss“, sagte Horst Böttcher. Erkennt das Bergbauamt den WBV als Behörde an, müsse dem Verband vor dem Erlaubnisverfahren Möglichkeiten zur Stellungnahme gegeben werden.

Unterstützt wird der WBV Mittelschwansen vom Landesverband der Wasser- und Bodenverbände. Udo Rust, Verbandsvorsteher des WBV Nordschwansen, der nur mittelbar durch eine gemeinsame Notverbindung im Rohrnetz in Schuby betroffen ist, überbrachte eine Stellungnahme des Geschäftsführers Mathias Rohde. „Trinkwasser ist ein nicht verhandelbares Gut. Der Landesverband sieht generell bei der Erschließung von Erdgas- und Erdölvorkommen und deren Ausbeutung in Trinkwassergewinnungs- und Wasserschutzgebieten große Gefahren.“

Verbandsvorsteher Horst Böttcher sieht sich in seinem Kampf bestätigt. „Die Reihen sind fest geschlossen.“ Weitere Aktionen und Proteste sind geplant.

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