zur Navigation springen

Künstlerhaus : Die Qualität von Stille und poetische Alltagskultur

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zwei neue Stipendiaten mit unterschiedlichen Ansätzen leben zurzeit im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus.

Musikalische Kompositionen, die als Motiv die Stille in den Fokus rücken, und Zeit, die nicht nur als Träger von Kompositionen verstanden wird, sondern als ästhetisches Prinzip – der Komponist Deok-Vin Lee aus Korea ringt nach Worten, um seine künstlerische Vorgehensweise zu erklären: „Ich bin ein ziemlicher experimenteller Typ“. Seit Anfang Juli ist er zusammen mit der deutschstämmigen Künstlerin Romina Farkas Stipendiat am Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in Eckernförde.

Unterschiedlicher können die Künstlerpositionen der beiden Stipendiaten nicht sein. Lee (31), der zunächst in Seoul ein Kompositionsstudium absolviert und seinen Masterabschluss an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden abgelegt hat, beschäftigt sich in seinen aktuellen Kompositionen mit der raumbildenden Qualität von Stille. Sie kann man, so Lee, nicht auditiv hören, sondern nur physisch fühlen. Möglich wird das durch die ausschließliche Nutzung von Tonleitern im Bereich der Frequenzen ab 16  000 Hertz, die für das menschliche Ohr nicht mehr hörbar sind. Deswegen komponiert Lee seine Stücke auch hauptsächlich für Live-Aufführungen, denn die Veränderungen der Atmosphäre durch die hohen Schallfrequenzen sind auf CD gebannt nicht gut körperlich nachvollziehbar.

Nach seinem Masterabschluss ging Lee dazu über, am Institut 17 für Elektronische Musik und Akustik im österreichischen Graz sein Interesse für computerbasierte Musik zu vertiefen. „Ich komponiere immer etwas Neues“, sagt der Mann, dessen musikalischen Vorbilder Bach, „ein bisschen Beethoven und ein bisschen Mozart“ und Stockhausen sind.

Romina Farkas dagegen liebt den Lärm. Zumindest versteckt sie ihn in ihren künstlerischen Arbeiten nicht. Zeitgebundene Installationen sind die ästhetischen Lieblinge der Bildhauerin. Um diese in Bewegung zu bringen, installiert Farkas (30), die aus dem rheinland-pfälzischen Hermeskeil stammt und bereits im ganzen Bundesgebiet und dem Ausland Station gemacht hat, laut surrende Elektromotoren. „Ich bin definitiv technophil“, erklärt sie ihre Liebe zu Maschine und Geräusch.

Ihre künstlerische Grundausbildung hat sie an der Kieler Muthesius Kunsthochschule genossen und mit einem Master an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg fortgesetzt. Immer im Fokus steht ihr Interesse für die Re- und Dekonstruktion von „poetischen Momenten aus der Alltagskultur“, zum Beispiel in ihrer Arbeit „like ice in the sunshine“, mit der sie auf einen gängigen Popsong anspielt.

Sie sei „ganz offen“ nach Eckernförde gekommen, um sich hier neu künstlerisch erfinden und einfinden zu wollen. Seit einem Monat ist sie im Ostseebad und wird insgesamt für vier Monate ihr Atelier im Künstlerhaus Otte 1 einrichten, Deok-Vin Lee wird bis Ende August bleiben.

>https://soundcloud.com/deok-vin -lee >www.rominafarkas.com




Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen