zur Navigation springen

KOSTENLOSE PFLEGEKURSE : Die „Popobremse“ will gelernt sein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Imland-Kliniken Eckernförde und Rendsburg bieten Kurse für pflegende Angehörige an. Neben praktischen Tipps gibt es auch Informationen über Netzwerke und Pflegestützpunkte.

von
erstellt am 27.Mai.2016 | 06:06 Uhr

Seit einer schweren Krankheit und einer anschließenden Operation ist Gerhard Meyers Ehefrau schwach und braucht Hilfe, beim Lagern im Bett, beim Aufrichten oder beim Verlassen des Bettes. Der 72-Jährige ist kräftig, aber das allein reicht nicht aus, um seine Frau (66) tatkräftig unterstützen zu können. „Ich kannte überhaupt keine Griffe, um sie richtig aus dem Bett zu holen“, sagt der ehemalige Handwerker und Maler. Er fühlte sich hilflos angesichts dieser Situation. Dieses Gefühl gehört seit einigen Tagen der Vergangenheit an. Gerhard Meyer hat an dem Kurs „Familiale Pflege“ teilgenommen, den die Imland-Klinik Rendsburg kostenlos für Angehörige anbietet. Fünf der insgesamt neun Kurse in 2016 bietet die Krankenschwester und Pflegetrainerin Katrin Krakuhn in der Imland-Klinik Eckernförde an – kostenlos.

An drei Tagen lernen die Teilnehmer in zwölf Unterrichtsstunden das notwendige Wissen für die häusliche Pflege kennen. „Wir vermitteln den Angehörigen Sicherheit“, erklärt Krakuhn. Viele Angehörige wollen dem Familienmitglied, das vielleicht gerade aus der Klinik entlassen worden ist, helfen, wissen aber nicht wie, so die 43-Jährige. Und genau da setze der Pflegekurs an. Krakuhn vermittelt Wissen über grundsätzliche Pflegetechniken, erklärt Prophylaxen bei häufig auftretenden Leiden, wie Druckgeschwüre durch langes Liegen, Thrombose, Sturz oder Lungenentzündung, sowie im Umgang mit Inkontinenz und geht auch auf das Thema Demenzerkrankung ein. Praktische Übungen ergänzen den theoretischen Teil.

Angelika Strubel nimmt die Rolle der Patientin ein und legt sich ins Pflegebett. Gerhard Meyer und Wanda Lawniczek (65) sollen die 62-Jährige mittels einer „Popobremse“ aufrichten und in eine bequeme Sitzposition bringen, so dass sie im Bett frühstücken könnte. Mithilfe von kinästhetischen Griffen, die den Rücken der pflegenden Angehörigen schonen, bewegt Wanda Angelika Strubel vom Fußende des Bettes hoch zum Kopfende. Die zwischen Oberschenkel und Gesäß eingeklemmte Bettdecke dient als Popobremse, so dass die Patientin beim Aufrichten nicht wegrutscht. Wanda Lawniczek kommt aus Polen und pflegt einen älteren Herrn in Eckernförde im 24-Stunden-Rhythmus. Sie ist dankbar für jeden Tipp. Angelika Strubels Mutter ist 94 Jahre alt, lebt in einer Senioreneinrichtung und ist noch sehr selbstständig. „Für mich ist der Kurs eine Vorbereitung auf den Tag X“, so die ehemalige Kinderkrankenschwester. „Denn morgen kann das schon ganz anders aussehen.“

Zwar handelt es sich um ein ernstes Thema, aber der Spaß kommt dennoch nicht zu kurz. So gibt es viel Gelächter, als Wanda versucht, Angelika mithilfe eines Rutschbrettes auf den Toilettenstuhl zu setzen. Überhaupt gibt Katrin Krakuhn jede Menge Tipps. So hat vorher noch keiner der Teilnehmer von einem Drehkissen oder einem Pflegebetteinleger gehört, Hilfsmittel, die die Pflegekassen je nach Pflegestufe bezahlen, aber von sich aus nicht anbieten. So spielt das Thema Netzwerk auch eine große Rolle in dem Kurs. Die Teilnehmer erfahren, welche Arbeit die Pflegestützpunkte übernehmen und dass die Pflegekassen eine kostenlose Beratung anbieten. Gerhard Meyer fühlt sich nach dem 12-stündigen Kurs sicherer, nicht nur in der Hilfe für seine Frau, sondern auch im Umgang mit der Pflegekasse.

>

Der Kurs basiert auf dem Modellprojekt der Universität Bielfefeld, die vor 12 Jahren ein Konzept für pflegende Angehörige entwickelt hat. Träger sind die Pflegekassen, gefördert von der AOK Nordwest.

Der nächste kostenlose Kurs findet in der Imland-Klinik Rendsburg am 13., 20. und 27. Juni von 9 bis 12.30 Uhr statt.

In der Imland-Klinik Eckernförde wird der Kurs wieder am 4., 11. und 18 Juli von 9-12.30 Uhr angeboten. Anmeldungen bei Katrin Krakuhn,

Tel. 04331/2009713, Mail: katrin.krakuhn@imland.de

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen