Die Noten hat er hinter sich gelassen

An den Synthesizern spielt Christoph Kranig seine Soundcollagen ein.   Foto: Jäger
An den Synthesizern spielt Christoph Kranig seine Soundcollagen ein. Foto: Jäger

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02. Oktober 2010, 07:01 Uhr

Loose | Die Liebe zur Musik ist nicht zu übersehen. Es verschlägt einem schon ein bisschen die Sprache, wenn man das Obergeschoss von Christoph Kranigs Haus betritt. Sage und schreibe 14 Synthesizer hat er dort auf engstem Raum platziert, darum Mikro, Mischpult, Lautsprecher und allerlei Technik und andere Instrumente wie Didgeridoo und Rainmaker. "Ich könnte mich tagelang hier einschließen und experimentieren", sagt Kranig. Doch das hat er längst getan, denn an diesem Ort, in seinem "Living dream studio", ist auch Kranigs neue CD "Emotions" entstanden. Ein halbes Jahr lang hat er an ihr gearbeitet, jetzt ist sie fertig, bereit von anderen für sich entdeckt zu werden: "Ich finde es zu schade, wenn man die CD nur für sich selber aufnimmt", sagt Kranig. Also hat der Bürger aus Loose 500 Stück pressen lassen, sie an Vertriebe und Radiosender geschickt.

Aus den Boxen fließt ein entspannender Klangteppich. Hier ein Meeresrauschen, Wind und Wasser, dort ein Gong oder Vogelgezwitscher. Gesang ist nur beim allerletzten Stück auf der CD zu hören, einer Wiederaufnahme eines Stückes, das Kranig bereits vor Jahren mit seiner Band "Living dream" eingespielt und aufgenommen hatte. Heute würde man die Musik des 45-Jährigen Chill-Out-Musik nennen. Doch Kranig spricht von der "Berliner Schule", denn seine Leidenschaft für musikalische Klangwelten ist nicht gerade erst geboren. Viel weiter muss man in der Musikgeschichte zurückblättern, um ihren Ursprung zu finden. Auch Klaus Schulze, Vangelis und Kraftwerk ordnet er dieser Stilrichtung der ersten instrumentalen elektronischen Musik zu.

Mit fünf Jahren fing er an, Blockflöte zu spielen, Fugen, Sätze, Choräle. Allein und auch im Ensemble trat er in Kirchen, Festsälen auf. Mit dreizehn Jahren begann er Klavier und Spinett, eine Art Mini Cembalo, zu erlernen. "Mein Vater ist Kirchenmusiker, spielt Klavier, Flöte und Orgel und war engagiert genug, auch mir und meinen Geschwistern das beizubringen", reflektiert Kranig.

Früh habe sich jedoch herauskristallisiert, dass er auch über den Rand der Klassik schauen wollte. "Ich hatte immer den Hang, etwas Eigenes zu spielen und die Noten zu verlassen." Und das tat Kranig dann auch. "Ich habe mich vom Klavier weg zu den klanglichen Geschichten gewandt, denn man will das machen, was man selbst hört und ich habe immer die Klänge heraus gehört", sagt Kranig.

Eine wichtige Inspiration war vor allem "Schwingungen", die WDR-Radiosendung mit Moderator Wilfried Trenkler - Kranig gerät ins Schwelgen, wenn er von der Sendung spricht, die elf Jahre lang (1985 bis 1996) donnerstags Live-Musik im Bereich der ersten Elek tronik brachte und auch Stücke von Kranig dabei einem breiten Publikum vorstellte: "Das war damals ein einmaliges Forum. Die Schwingungen-Szene war wie eine Familie", sagt Kranig. Ein ganz unbeschriebenes Blatt sei er nicht in der Szene und früher viel auf Messen, auch im europäischen Ausland unterwegs gewesen. Nun will er seinen Namen ins Gedächtnis rufen.

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