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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 00:07 Uhr

Die Natur und der neue Mensch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heinz Teufel (66) begleitet das Kulturgeschehen und die gesellschaftliche Entwicklung in der Region, im Land und weit darüber hinaus. Der Designer, renommierte Fotograf und Künstler prägt es durch seine Arbeiten mit. Teufel mischt sich ein und versucht, aktiv in die Prozesse einzugreifen. In seinem Gastbeitrag widmet er sich dem Naturfilmfestival Green Screen:

Das Thema des Festivals ist die Natur und der existentielle Konflikt zwischen Mensch und Natur. Das Internationale Naturfilmfestival Green Screen leistet einen engagierten Beitrag zum Naturverständnis. Von eigener Art dagegen sind die erheiternden Eröffnungsreden und die Filmbeiträge des Vorsitzenden. Jux, Tollerei und seine Witze sind sehr amüsant, treffen sie aber das Thema der Veranstaltung? Naturfilmer wollen aufklären, informieren und die Schönheit der Natur feiern, und es geht um Inhalte und Positionen.

Diese Erde ist unsere Heimat. Hören wir auf, die Dinge isoliert zu betrachten, schauen wir hin, alles steht miteinander in Beziehung und im Austausch, erkennen wir, dass die Erde dadurch lebt. Diese Lebendigkeit ist aus den Bedingungen dieser Erde selbst entstanden. Dementsprechend begreife ich die Menschheit als ein Organ des lebendigen Planeten Erde und jeder Mensch entspricht vielleicht einer Zelle. Es erscheint paradox, dass der Mensch von Anbeginn seiner Denkfähigkeit, der „Vertreibung aus dem Paradies“ Natur zerstört hat. Es scheint, dass die Mutation zum denkenden Menschen zur Selbstvernichtung führen wird.

Menschen haben Vorstellungen geschaffen und diese in Religionen, den Glauben an Seelenwanderung, an Götter und Gott manifestiert und instrumentalisiert. „Macht Euch die Erde Untertan“ wurde zum Schlachtruf gegen die Natur und Andersdenkende. „Seid fruchtbar und mehret Euch“ führte zur Überbevölkerung. Menschen haben falsche Werte geschaffen: Ideologien und sich selbst egozentrisch über das Leben erhöht.

Betrachten wir einige Grundvoraussetzungen für das Leben. Der Organismus Erde wird von einer Haut, der Muttererde in weiten Bereichen bedeckt. Diese ist über Jahrmillionen entstanden. Gebirge, Steine zerfallen durch Temperaturunterschiede, durch Einwirkung von Wasser und Sonnenlicht. In einer langen Kette von Ereignissen, entsteht daraus die Leben spendende Schicht, der Mutterboden. Aus dem Mutterboden wachsen Pflanzen, wovon sich Tiere ernähren können. Pflanzen binden CO2 und produzieren durch Photosynthese daraus auch Sauerstoff, der uns durch Atmung erhält. Durch diese Grundbedingungen und Kreisläufe haben sich das Kleid der Erde, seine riesigen Wälder und seine Artenvielfalt entwickeln können. Durch ein relatives ökologisches Gleichgewicht erhält sich diese Schöpfung selbst.

Wir Menschen haben viele Kreisläufe der Natur verlassen und die Natur an unsere Vorstellungen und Bedürfnisse angepasst, dadurch zerstören wir sie. Auf Massenkonsum angelegte industrielle Überproduktion erfordert immer mehr Rohstoffe, so werden die Ressourcen der Erde ausgebeutet, Landschaften verlieren ihre Identität. Die Produktionen dienen dem Massenkonsum und enden als Müll und Abfall in den Hochöfen, verschmutzen Landschaften, Flüsse und das Meer. Durch industrielle Landwirtschaft, deren Monokulturen, werden kulturfremde Arten vernichtet, Mutterboden ausgelaugt und verdichtet. Durch den Einsatz von Pestiziden wird das Grundwasser vergiftet. Weltweit werden Wälder abgeholzt, Biotope zerstört, um immer mehr Produktionsflächen für eine industrielle Landwirtschaft zu generieren.

Durch den weltweiten Handel mit Lebensmitteln, durch Subventionen unterstützt, werden die regional typischen Produktionsbedingungen und Märkte in anderen Ländern zerstört. Die entwurzelten Menschen werden oft zu Wirtschaftsflüchtlingen. Die durch unsere Wirtschaftsstrategien verursachte Armut führt zu Verteilungskriegen. Durch maßlosen Städtebau werden immer mehr Böden versiegelt, durch weltweiten, unmäßigen Verkehr auf den Straßen, in der Luft, auf den Meeren verpesten wir die Luft mit CO2. Ein durch Menschenhand verursachter Klimawandel ist die Folge. Die Meeresspiegel werden steigen, vielleicht wird der Sauerstoff knapp. Es wird in den nächsten Jahren zusätzlich Millionen Klimaflüchtlinge geben.

Wir sind Getriebene unserer eigenen Vorstellungen. So brauchen wir immer mehr Wachstum für immer mehr Menschen. Die Gier nach immer größeren Profiten, die wenige einstreichen, ist pervers. Mehr als 7 Milliarden Menschen übervölkern diese Erde. Und es werden explosionsartig immer mehr werden. Diese Menschheit ist die neue Sintflut, die das Leben auszulöschen droht.

Überwinden wir also unsere falschen Vorstellungen: die Religionen und Ideologien, unser egozentrisches Weltbild unsere Habgier. Nicht der Mensch ist das Maß aller Dinge. Lernen wir, uns zu bescheiden, zu verzichten, zu teilen, beschränken wir unsere Maßlosigkeit. Fügen wir uns als Menschheit in die Kreisläufe der Natur. Achten und erhalten wir die Schöpfung. Erfinden wir den Menschen, die Menschheit neu.



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erstellt am 11.Sep.2015 | 11:13 Uhr

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