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„Talk vor Ort“ : Die Menschen hinter der Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

CDU Schwedeneck lud zum „Talk vor Ort“. Drei Syrer berichteten von ihrer Heimat, ihrer Flucht und ihren Wünschen.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 06:03 Uhr

Schwedeneck | Berechtigte, sachliche Kritik zu einzelnen Punkten hinsichtlich der Flüchtlingsströme sollte möglich sein, pauschale dumpfe Parolen oder gar Hass und Hetze sind etwas, das erschrecken lässt und anwidert. Als Gundula Staack, Vorsitzende der CDU Schwedeneck, mitbekam, was in sozialen Netzwerken teilweise vom Stapel gelassen wird, und was ihr Bauchschmerzen macht, war für sie der Punkt erreicht, gegenzusteuern. Gemeinsam mit CDU-Kreistagsmitglied Tim Albrecht initiierte sie im Rahmen der Reihe „Talk vor Ort“ einen Abend, an dem Asylsuchende ganz persönlich berichten sollten.

Da Albrecht über die Ehefrau des CDU-Bundestagsabgeordneten Johann Wadephul, die Asylbewerbern Deutschunterricht erteilt, den 22-jährigen in Kiel lebenden Syrer Khaled Hasso kannte, war bereits ein Teilnehmer gefunden. Hinzu kamen noch Banan Albenie (26) und deren Ehemann Mohammed. „Ich möchte, dass die Gäste der Veranstaltung künftig, wenn sie das Wort Flüchtling hören Khaled, Banan und Mohammed vor Augen haben, drei Menschen und ihre Schicksale und nicht eine graue, abstrakte Masse“, so Gundula Staack. Und sie wünscht sich, dass auch junge Leute die Drei vor Augen haben und nicht auf irgendwelche Rattenfänger hereinfallen und denen nachlaufen.

Am Montagabend saßen die drei sympathischen Gäste zusammen mit Gundula Staack, dem CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Daniel Günther sowie Christiane von Reinersdorff und Renate Beyer von der Flüchtlingshilfe Dänischenhagen in Binges Gasthof, informierten die Besucher und standen ihnen Rede und Antwort. Im Gegensatz zu Banan und Mohammed Albenie, die erst im September nach Deutschland kamen und jetzt in Strande leben, spricht Khaled Hasso, der seit knapp zwei Jahren hier ist nahezu perfektes Deutsch, was, wie er sagte, anfangs sehr schwer war. Er hatte in Homs Pädagogik studiert und wurde 2012 bei einer Demonstration gegen das Assad-Regime verletzt. Daraufhin trat er auf Anraten seiner Eltern die Flucht an. „Man darf in Syrien alles machen, man darf nur nicht politisch werden“, so Khaled Hasso, der in seiner Heimat nach diesem Vorfall nicht hätte weiter studieren können. „Ich wollte nicht da bleiben, ich hatte dort keine Zukunft mehr“, so der 22-jährige weiter. Zudem ist es in Syrien keine Seltenheit, dass Menschen spurlos verschwinden – laut Amnesty International bereits Zehntausende.

Etwa zwei Monate dauerte seine Flucht über die Türkei und Bulgarien nach Deutschland, knapp 11  000 Euro hatte sein Vater den Schleppern gezahlt. Mittlerweile scheint er angekommen zu sein: Er ist inzwischen anerkannt und hat sich an der Kieler Uni für Deutsch und Geschichte auf Lehramt eingeschrieben. Lediglich die für alle ausländischen Studenten obligatorische Sprachprüfung muss er noch ablegen. Und auch Verwandtschaft wohnt bereits seit längerem – eingereist nicht als Flüchtlinge, sondern mit Visa – in Deutschland, eine ältere Schwester lebt seit ihrem Studium in Schweden. Lediglich seine Eltern, zu denen er regelmäßigen telefonischen Kontakt pflegt, und der zwölfjährige Bruder sind noch in Syrien, wo seine Eltern auch bleiben wollen.

Khaled Hasso betonte, dass Deutsche keine Angst vor den Flüchtlingen haben müssen. Man sollte aufeinander zugehen und sich kennen lernen. „Denn“, so Hasso, „wenn man Deutsch lernen will, braucht man Kontakte“. Das bestätigte Renate Beyer.

Der Fluchtweg von Banan und Mohammed Albenie ist vergleichbar mit dem von Khaled Hasso. Banan, die in drei Monaten ein Baby erwartet, wünscht sich für die Zukunft, dass sie möglichst schnell die deutsche Sprache lernt, und dass sie dann erst einmal ihr in Syrien begonnenes Studium fortsetzen kann. Eines aber wünschen sich alle drei unisono: Ein sicheres und friedvolles Leben.

Daniel Günter sagte, es mache ihn stolz, was Deutschland hinsichtlich der Flüchtlingsströme auf die Beine stellt. „Es ist ein Thema, das emotional berührt, bei dem man seine eigenen Positionen aber immer wieder neu überprüfen muss. Einerseits die Bilder der Flüchtlinge, Familien, Kinder; anderseits muss man sich bei den Zahlen die Frage stellen, ob wir den Massen gerecht werden können. „Und ob wir den Flüchtlingen das bieten können, was wir uns für uns selbst wünschen“, so Günther.

Eines hat der Abend mit Sicherheit erreicht: Die Gäste werden bei dem Wort Flüchtlinge drei sympathische Menschen vor Augen haben, die selbstbewusst und offen, teils nachdenklich, teils mit einem Schuss Ironie, ihre Geschichte erzählt haben.

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