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Kinderbetreuung in der Kaserne : Die „Marinekäfer“ haben das Laufen schnell gelernt

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die von Pädiko betreute Tagespflegeeinrichtung in Eckernförde bekommt gute Noten von den Eltern und möchte gerne wachsen. Zwei Gruppen à fünf Kinder werden von drei Fachkräften in großzügigen Räumlichkeiten betreut. Die Soldaten freuen sich über die Kinderbetreuung.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 06:46 Uhr

Eckernförde | Groß, hoch, hell. Der Gruppenraum für fünf kleine Steppkes ist so groß wie ein kleiner Turnsaal. Alles wirkt freundlich und offen. Der Laminatfußboden ist neuwertig, die Wände sind hell gestrichen, Spielsachen liegen parat. Nur gespielt wird dort gerade nicht, die Kinder haben Besseres zu tun, draußen liegt Schnee und es ist sogar trocken, obwohl das nicht unbedingt ein Kriterium für den Aufenthalt im Freien ist: Die Kinder lassen sich bei nahezu jedem Wett den Wind um die Nase wehen.

Da sich das Ganze in der Marinekaserne Nord abspielt und die Eltern ihre Kleinen meist in Uniform abholen, ist diese Tagespflegestelle etwas ganz Besonderes und Fortschrittliches für die Bundeswehr. Das Bekenntnis der neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach einer familienfreundlicheren Bundeswehr – im Rahmen des Machbaren – wird in Eckernförde bereits seit knapp drei Jahren mit Leben erfüllt: Seit dem 15. April 2011 haben im Block „Wollin“ die „Marinekäfer“ das Sagen. Zumindest dreht sich alles um die zehn Kleinkinder, die dort bis zum Alter von drei Jahren von zwei Erzieherinnen und einer Tagesmutter betreut, versorgt und in vielfältiger Weise angeregt und in ihrer Entwicklung gefördert werden. Und es läuft sehr gut, sagen die Leiterin Kirsten Osbahr und der zweifache Familienvater und Elternsprecher Michael Temmen, der als Hauptbootsmann bei den Marineschutzkräften in der Preußer Kasernen dient. „Wir sind rundum zufrieden, da spreche ich für die meisten Eltern“, sagt Michael Temmen, der seine Söhne Hauke (zweieinhalb Jahre) und Helge (ein Jahr) bei den „Marinekäfern“ bestens aufgehoben weiß. Die professionelle Betreuung innerhalb der Kaserne empfindet er als „Riesen-Erleichterung und ideal für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Seine Kinder fühlten sich „super-wohl“ und seien nach Dienstschluss kaum von ihren Freunden loszueisen. Temmen schätzt sehr, dass die Kinder „ständig unter Wind“ und jeden Tag draußen seien und permanent beschäftigt würden.

Leiterin Kirsten Osbahr freut sich über das Lob und die große Akzeptanz. Sie legt großen Wert auf eine fachkundige Arbeit mit den ihr anvertrauten Kindern. „Wir sind keine Aufbewahrungseinrichtung, sondern arbeiten nach einem pädagogischen Konzept “, sagt die Mitarbeiterin des Trägervereins Pädiko (Verein für pädagogische Initiativen und Kommunikation), der auch die Bundeswehr-Krippe „Förde-Wichtel“ in Kiel betreut. Im Mittelpunkt der von Pädiko vertretenen „Reggio-Pädagogik“ stehe die Wahrnehmung des Kindes als „kompetente und ernst zu nehmende Persönlichkeit“. Das gilt für alle Bereiche: Die Kinder geben die Signale, darauf entwickeln die Tagespflegepersonen und Erzieherinnen entsprechende Angebote, zum Beispiel im kreativen oder spielerischen Bereich. Gekocht wird täglich frisch und vegetarisch. Genug Entfaltungsmöglichkeiten sind in den großzügigen und freundlichen Räumen vorhanden. Große Gruppenräume, ein breiter, langer Flur, der zum Spielen einlädt, separate Schlafräume, eine moderne Küche und kindgerechte Sanitäreinrichtungen sowie ein Spielgelände direkt vor der Tür bieten beste Voraussetzungen für erfüllte Kindertage in der Kaserne.

Das Projekt hat sich so gut und zur Zufriedenheit aller entwickelt, dass sowohl Pädiko, als auch die Bundeswehr und die Soldaten, Zivilangestellten und externen Eltern sich einen Ausbau der Tagespflegestelle zur Krippe wünschen. Derzeit ist das pädagogische Personal auch fürs Einkaufen und Kochen sowie das Saubermachen zuständig, nach einer Umwandlung in eine Krippe würde dafür extra Personal eingestellt werden können. Zudem sucht Einrichtungsleiterin Kirsten Osbahr bereits jetzt dringend eine 400-Euro-Kraft als Aushilfe und fürs ortsnahe Einkaufen frischer Lebensmittel, um die zehnstündige Betreuungszeit auch in engeren Phasen verlässlich abdecken zu können.

Ein weiteres Thema liegt allen Beteiligten am Herzen: Sie würden die Kinderbetreuung gern über das dritte Lebensjahr hinaus ausweiten. Die Räumlichkeiten wie auch die Nachfrage seien vorhanden, betonten Leiterin Osbahr und Elternsprecher Temmen. Darüber solle mit der Stadt und dem Kreis, die sich wegen des öffentlichen Auftrags der Kinderbetreuung an den Personalkosten beteiligen, geredet werden.

Und auch sonst gibt man sich bei der Bundeswehr in Eckernförde in Sachen Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit sehr generös. Der Standortälteste Christian Brodersen (wie auch sein Vorgänger Rolf Trappe) ermöglicht jungen Soldaten, wenn es mal knapp wird und der Dienst es erlaubt, das Mitbringen ihrer Kinder und steht der Elternzeit selbst von Führungskräften positiv gegenüber.

Ministerin von der Leyen hätte daran wohl ihre helle Freude.

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