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"Die Macht der Medien wird vollkommen überschätzt"

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Podiumsdiskussion zur Macht der Medien / Ehemaliger Gruner- und-Jahr-Vorstandsvorsitzender erzählt

Eckernförde | Die Medien sind an allem schuld. Sie bauschen auf und schreiben nieder. "Seit einem Dreivierteljahr bin ich nicht mehr Vorstandsvorsitzender des Gruner & Jahr-Verlags", sagt Bernd Buchholz, "aber täglich höre ich noch, wie viel Macht die Medien angeblich haben".

Auf Einladung des FDP-Ortsverbands stand der 51-Jährige zusammen mit Prof. Dr. Berthold Hass vom Institut für Management und ökonomische Bildung der Universität Flensburg und dem politischen Moderator Jürgen Pfeiffer Rede und Antwort bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Die Macht der Medien". Rund 25 Gäste waren der Einladung ins Ostsee Info-Center am Mittwoch gefolgt, Ratsherr Oliver Fink moderierte.

Die Macht der Medien werde vollkommen überschätzt, sagt Bernd Buchholz. "In den vergangenen 30 Jahren ist sie kontinuierlich geringer geworden." Vor 40 Jahren gab es drei öffentlich-rechtliche Fernsehsender, einige Radiosender und fünf meinungsgebende Zeitungen. Heute bietet das Pay-TV 500 Sender, im durchschnittlichen Zeitschriftenregal eines Supermarktes liegen 2300 periodisch erscheinende Printprodukte. Buchholz: "Das einzelne Medium hat immer weniger Publikum, die Macht ist damit immer kleiner geworden." Die Macht bestehe heute darin, brisante Dinge veröffentlichen zu können. "Etwas zum Thema zu machen, was niemanden interessiert, haben die Medien aber nicht." Früher habe man sich Informationen beschaffen müssen, "heute bekommt man sie im Überfluss." Die Aufgabe des Journalisten bestehe heute darin, in dieser Informationsüberflutung eine Auswahl zu treffen, die Infos zu bewerten und in einen Kontext zu stellen.

Zwar nehme er einen Erregungsjournalismus wahr, "aber die Medien skandalisieren nicht". Permanent würden Journalisten von Politikern durch Telefonanrufe angeheizt. Sie benutzten selbst das Wort "Skandal" im Hinblick auf die Verhaltensweise des politischen Gegners und beschwerten sich hinterher aber darüber, dass die Medien skandalisierten.

Jürgen Pfeiffer ergänzte, dass auch die Geschwindigkeit in der Branche exponenziell zugenommen hat. "Haltbarkeit und Qualität von Nachrichten sind dagegen um ein Vielfaches geringer geworden." Leider bleibe oft die Einordnung, ob eine Nachricht auch relevant ist, wegen des Tempos auf der Strecke. "Wenn man das wieder reinbringen wollte, müssten sich die Verleger aber mit weniger als zweistelligen Renditen abgeben." Allerdings müsse Qualität auch anerkannt werden. Dazu gehöre das Bewusstsein, dass sie etwas kostet.

Auf die Frage nach der politischen Einflussnahme durch Verleger und Anteilhaber winkte Buchholz gleich ab: Die Verleger würden keinen Einfluss auf die redaktionellen Inhalte nehmen. Diese Verantwortung gebe es in den meisten Häusern "Der Verleger wäre heute sonst seinen Job los."

Allerdings merkte Prof. Dr. Berthold Hass die Abhängigkeit der Zeitungen von Anzeigenkunden an. Und die werde nicht weniger: Die Abozahlen sinken, es muss gespart werden, zum Beispiel durch das Zusammenlegen von Redaktionen. "Es gibt zwei Strategien: Entweder wir vergrößern uns oder: Die Leute gehen online, und wir gehen mit."

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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