Harte Nummer : Die letzte Prüfung für die Tauchelite der DLRG

Die Rettung von Tauchern gehört auch zur Ausbildung.
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Die Rettung von Tauchern gehört auch zur Ausbildung.

Am Wochenende fand die Bundesprüfung für Lehrtaucher der DLRG in der Ostsee statt. Dabei mussten die Prüflinge in der Praxis zeigen, was sie können.

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18. Mai 2015, 06:27 Uhr

Eckernförde | Leichter Niesel gepaart mit Wind zeigte am Sonnabend auf, wo es noch schöner war als an Land: unter Wasser. Dort waren an diesem Tag acht Taucher – allesamt von der DLRG – in einer besonderen Mission. Sie wollen in Zukunft andere Lehrtaucher ausbilden und mussten sich nun selbst erst einmal einer Prüfung unterziehen. Diese Bundesprüfung für Lehrtaucher und die, die Lehrtaucher ausbilden, finden nur einmal im Jahr statt und zwar in Eckernförde und am Bodensee – im jährlichen Wechsel. Bundesbeauftragter fürs Tauchen in der DLRG ist Michael Schnurbus aus Eckernförde, sozusagen der Oberboss der Lehrtaucher. Seine Unterschrift muss unter jedem Zertifikat stehen. Er sorgte zusammen mit fünf Prüfern für einen reibungslosen Ablauf. Fünf Tage lang wurde in Eckernförde praktisches und theoretisches Wissen abgefragt. Ein Teil der theoretischen Prüfung dauert circa drei Stunden und umfasst an die 100 Fragen.

Unter anderem ging es um eine fiktive Einsatztaucherprüfung, die es anhand eines Lösungsbogens zu bewerten galt, dann eine schriftliche Ausarbeitung von zehn Seiten, deren Thema zehn Wochen zuvor ausgegeben wurde; es ging um Physik, Technik oder praktische Arbeit mit Werkzeug.

Die praktischen Prüfungen fanden nahe dem Ostsee Info-Center statt. Eine davon 250 Meter vom Ufer entfernt in zehn Metern Tiefe: In einem simulierten Notfall, wobei ein DLRG-Helfer den Verunglückten mimte und andere den Tauchgang als Prüfer unter Wasser begleiteten, wurde genau verfolgt, wie und ob der Prüfling die notwendige Rettungskette abarbeitet. „Was ist unten los? Wie schnell wird aufgestiegen, wie verhält sich der Bergende an der Wasseroberfläche?“ – das ist nur ein Querschnitt von dem, was die Prüfer beobachteten. „Ab und zu stellen wir dann auch mal dumme Fragen, um zu hören, warum dies oder jenes gemacht wurde“, so der gelernte Berufstaucher Schnurbus.

Sehr wichtig als Trainingshilfe ist ihm der neue Unterwasserarbeitstisch. Dieses 70 Kilo schwere Geschütz stammt aus der Werkstatt der Eckernförder Firma Staack, der Schnurbus dafür sehr dankbar ist. An ihm kann unter Wasser geübt werden, Holz und Metall zu zersägen, was Einsatztaucher brauchen, wenn sie zum Beispiel ein gesunkenes Segelschiff bergen müssen. Außerdem kann an ihm das Lösen und Befestigen von Schrauben und Muttern geübt werden.

Braucht die „Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft“ Nachwuchs? „Oh, den brauchen wir“, so Schnurbus. „Wenn man früher gebrüllt hat ‚Wir machen Tauchen!’, dann standen da 20 Mann. Heute: ‚Och nöööö... Das kann ich ja auch am Computer spielen...’“ Dennoch – manch einer beißt an und bleibt dabei. So wie Janko Luchs. 2006 hat er bei der DLRG angefangen, seit 2009 ist er Einsatztaucher. Die Bergung von Ertrunkenen hat er bereits erleben müssen. „Leider hat man im Wasser keine zweite Chance, wenn man einen Schock erleidet oder bewusstlos wird.“ Wie ging er in die Lehrtaucherprüfung? „Ich war gespannt. Und auch aufgeregt – man verbraucht dann dreimal so viel Luft.“ Er wirkte nach der letzten Prüfung aber wieder gelassen. Was auch Schnurbus indirekt bestätigte, unter vier Augen, für alle Teilnehmer: „Da ist wohl nix schiefgelaufen.“

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