Ende der Passagierschifffahrt : Die letzte Fahrt der MS "Seebad Borby"

<dick>Abschied von der 'Seebad Borby':</dick> Heinz und Annemarie Paasch haben ihr Fahrgastschiff nach Flensburg verkauft. Foto: kühl
Abschied von der "Seebad Borby": Heinz und Annemarie Paasch haben ihr Fahrgastschiff nach Flensburg verkauft. Foto: kühl

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01. Juni 2010, 06:01 Uhr

Eckernförde | Die MS "Seebad Borby" ist verkauft. Das letzte in Eckernförde verbliebene Fahrgastschiff hat am Freitag seinen Heimathafen nach 13 Jahren verlassen. Die B/S Schifffahrtsgesellschaft mbH von Heinz und Annemarie Paasch hat den 36 Meter langen Fördedampfer an den Flensburger Reeder Hans-Peter Ketelsen verkauft und das Schiff am vergangenen Freitag an den neuen Eigentümer übergeben. Die "Seebad Borby" wird nun als MS "Jürgensby" für touristische Fahrten in der Flensburger Förde eingesetzt. Damit kehrt das Schiff nach 20 Jahren unter gleichem Namen in sein altes Revier zurück: Die Flensburger Ekernsunder Personenschifffahrt hatte das Schiff 1966 von der Husumer Schiffswerft für den Einsatz in Deutschlands nördlichster Förde bauen lassen.

Mit dem Verkauf der "Seebad Borby", die bis zu 200 Gäste im Innenraum und 60 auf dem Sonnendeck aufnehmen kann, endet auch bis auf Weiteres das Kapitel der Fahrgastbeförderung und der "Weißen Flotte". Nach dem von der EU verordneten Aus für die Butterfahrten im Jahr 2000 bedeutet der Verkauf des letzten Seeschiffes zehn Jahre später auch das vorläufige Ende der Passagierschifffahrt und des Ausflugsverkehrs in Eckernförde. Vorläufig deshalb, weil die B/S Schifffahrtsgesellschaft bereits Verhandlungen über eine Nachfolgelinie mit dem Hafenbetreiber Stadtwerke führt. "Der Verkauf der Seebad Borby muss nicht gleichbedeutend mit der Aufgabe der Schiffsfahrten sein", sagt Reeder Paasch. Das sieht auch Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens so. "Durchaus möglich" sei es, so Steffens, dass bald wieder ein Fahrgastschiff auf der Eckernförder Bucht unterwegs sei. Ein Ende der Seeschifffahrt "wäre wirklich schlecht." In die gleiche Kerbe schlägt der Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH, Stefan Borgmann: Ein Ende der Ausflugsfahrten wäre schlecht, er würde sich aus touristischer Sicht wünschen, wenn schon bald wieder Schiffsfahrten auf der Bucht angeboten würden.

Dennoch: Der Verkauf des eleganten Fahrgastschiffes, das vor kurzem blütenweiß und frisch überholt aus der Friedrich Werft in Kiel-Pries in seinen Heimathafen zurückgekehrt war, ist ein großer Verlust für die Hafenstadt Eckernförde. Allein ein Blick aufs Fahrtenprogramm unterstreicht die touristische Bedeutung: Förderundfahrt ab Eckernförde, Große Küstenfahrt, Kleine Küstenfahrt, Laboe mit Landgang, Hafenrundfahrt im Kieler Hafen.

Reeder und Kapitän Heinz Paasch gab zum einen betriebswirtschaftliche Gründe für die Einstellung der Förderundfahrten und den Verkauf der "Seebad Borby" an: "Wenn wir nicht so eng mit unserer Heimatstadt Eckernförde verbunden wären und einen Beitrag zur Attraktivität hätten leisten wollen, wäre schon vor fünf Jahren Schluss gewesen." Ihre enge Verbundenheit mit dem Eckernförder Stadtteil hat die Borbyer Familie Paasch auch mit dem Schiffsnamen dokumentiert, der zudem an die große Zeit des Seebads Borby erinnern soll. Als weitere Gründe für den Verkauf der "Seebad Borby" hat die Reederei die Hafenpolitik in Eckernförde sowie die "mangelnde Wahrnehmung" durch die neue Geschäftsführung der Eckernförde Touristik GmbH angegeben. Geschäftsführer Stefan Borgmann konnte diesen Einwand nicht nachvollziehen: Die "Seebad Borby" werde auf allen Kanälen der Touristik GmbH vermarktet. "Ich wüsste nicht, was wir mehr machen sollten", sagt Borgmann. Zudem sei es stets gesprächsbereit, die Reederei hätte ihn zu keiner Zeit auf etwaige Missstände hingewiesen.

Maßgeblichen Anteil am Abzug des Schiffes haben laut Paasch aber vor allem die anstehenden "unsinnigen und für bestehende Schiffe wirtschaftlich und technisch nicht zu erfüllende Veränderungen der Schiffssicherheitsvorschriften". "Eine einzelne maßgebliche Kraft im Bundesverkehrsministerium, die sich scheinbar profilieren will, treibt neue nationale Schiffssicherheitsvorschriften mit Hochdruck voran, obwohl in internationalen Regeln alles abgedeckt ist", kritisiert Paasch. Diese Aktivitäten "gefährden in hohem Maße den Fortbestand aller Tagesfahrgastschiffe an deutschen Küsten. Diese Entwicklung könnte für die Tourismusstandorte katastrophale Auswirkungen haben." Die Kommunal- und Landespolitik einschließlich des in Eckernförde lebenden Wirtschaftsministers hätten sich schon längst mit diesem für den Tourismus wichtigen Thema befassen und gegensteuern müssen, moniert Paasch. "Eines Tages werden die Bürgermeister der betroffenen Orte bei Spaziergängen an ihren Häfen merken, dass keine weißen Schiffe mehr fahren."

Nach dem Verkauf der "Seebad Borby" werden sich Heinz und Annemarie Paasch wieder stärker um das Kerngeschäft, die Bereederung von Frachtschiffen und Megayachten, kümmern. Eine weitere Sparte im Bereich Offshore Windparks habe bereits erfolgreich die Arbeit aufgenommen.

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