Gedenkgottesdienst : Die Lehre aus Auschwitz

Die Konfirmanden (v.l.) Casper Jansen, Marius Stöcken, Alina Heinz, Paul Reeps und Celina Nordmann stellten den Gottesdienstbesuchern Antonia Klier (3.v.l.) vor. Sie berichtete vom Freiwilligendienst bei der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“, den sie im vergangenen Jahr geleistet hatte.
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Die Konfirmanden (v.l.) Casper Jansen, Marius Stöcken, Alina Heinz, Paul Reeps und Celina Nordmann stellten den Gottesdienstbesuchern Antonia Klier (3.v.l.) vor. Sie berichtete vom Freiwilligendienst bei der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“, den sie im vergangenen Jahr geleistet hatte.

Waabser Konfirmanden haben einen Gedenkgottesdienst zum Tag der Befreiung des KZ Auschwitz gestaltet.

shz.de von
30. Januar 2018, 05:58 Uhr

Waabs | Die Kerzen auf dem siebenarmigen Leuchter in der Waabser Marienkirche leuchteten am vergangenen Sonntag vor allem für die Opfer des Nationalsozialismus, denn die Kirchengemeinde und Pastorin Peggy Kersten feierten ihren traditionellen Gedenkgottesdienst zum Tag der Befreiung des KZ Auschwitz. Darauf hatten sich insbesondere die Waabser Konfirmanden vorbereitet, die den Besuchern an diesem Tag einen besonderen Gast vorstellten: Antonia Klier.

Die 19-jährige Medizinstudentin war aus Lübeck angereist, um den Konfirmanden über ihren Einsatz für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienst e.V. (ASF) zu berichten. In einer Zeit, in der die Erinnerungen verblassen und die Zeitzeugen immer weniger werden, ist es der jungen Frau wichtig, sich mit der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Daher hatte sie sich nach dem Abitur für die einjährige Mitarbeit bei der ASF entschieden. Ursprünglich wollte sie in Israel mit Überlebenden der Shoa arbeiten, hatte dann aber einen Platz in dem Projekt „Arche“ in Belgien bekommen. Die „Arche“ ist eine Einrichtung, in der heute Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben.

Anders im Dritten Reich: Da fielen Schätzungen zufolge mehr als 200 000 behinderte Kinder und Erwachsene den Euthanasie-Gesetzen und grausamen medizinischen Versuchen zum Opfer. Die Todesfabrik Auschwitz-Birkenau war auch dafür bekannt.

Darüber diskutierten die Konfirmanden in ihrem Unterricht am vergangenen Freitag mit Antonia Klier. Auch wenn die Nazivergangenheit Deutschlands für die Konfirmanden vor ihrer Zeit lag, zeigten sie großes Interesse an dem Thema. Antonia Klier: „In den Gesprächen kamen wir immer wieder zur Jetzt-Zeit zurück, sprachen über Flüchtlinge und Gewalt und stellten fest, dass die Vergangenheit sehr wohl etwas mit uns zu tun hat. Wir lernen aus ihr, niemanden auszugrenzen.“

Für die jungen Waabser, die im April konfirmiert werden, brachte das Gespräch mit Antonia Klier viele neue Eindrücke. Einige von ihnen wussten nicht viel über das Vernichtungslager Auschwitz, weil, so Konfirmandin Celina Nordmann, das Thema im Schulunterricht noch nicht behandelt wurde. Fotos und Filme darüber hätten ihr aber ein mulmiges Gefühl bereitet. Paul Reeps dagegen hatte sich bereits mit dem Konzentrationslager Auschwitz beschäftigt. Ihn beeindruckt an dem Gespräch mit Antonia Klier, wie im Arche-Projekt Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben und sich gegenseitig helfen. „Das hat mich neugierig gemacht.“ „Ich habe von den Behinderten gelernt zuzuhören und Geduld zu haben“, bestätigt die Studentin.

Gutes gegen den dunklen Teil der deutschen Geschichte zu setzen, das war das Ziel des Waabser Gedenkgottesdienstes und ist der Auftrag der christlichen Bewegung „Aktion Sühnezeichen Friedensdienst“. Sie will für die Folgen der Nazigewalt sensibilisieren und Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten. Dafür bietet sie jungen Männern und Frauen zwölfmonatige internationale Friedensdienste an.

Übrigens, und das freute Pastorin Peggy Kersten besonders, waren viele der Gottesdienstbesucher wegen des Gedenktages gekommen.


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