Werkstatt für behinderte Menschen : Die Lebens-Werkstatt

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In der Eckernförder Werkstatt des Diakonischen Hilfswerks arbeiten 240 behinderte Menschen. Sie werden von 60 Angestellten gefördert und betreut. Gestern besuchte die CDU Eckernförde die Einrichtung, die seit 30 Jahren am Standort Holm ansässig ist.

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07. März 2014, 06:03 Uhr

Eckernförde | „Da kann nichts passieren“, sagt Daniel Manusch. Der junge Mann spaltet per Armzug und scharfem Werkzeug Holzklötze in kleine Stäbe, die anschließend zum Verkaufsschlager „K-Lumet“ verarbeitet werden und das Holz in jedem Ofen und Kamin zum Brennen bringen. Routiniert, sicher und in Sekundenschnelle hat er den Klotz zu dünnen Stäben verarbeitet, die mit Wachs und Docht zu einem idealen Anzünder werden. So wie Daniel arbeiten 240 Beschäftigte in der Eckernförder Werkstatt im Holm, angeleitet und betreut von 60 Angestellten – ein mittelständisches Unternehmen. Produktionsstätten, Holz- und Metallwerkstatt, Wäscherei, Sandstrahlen, Seifenherstellung, Filzerei, Hauswirtschaft und eine Verpackungsstraße sind in dem Werkstattkomplex untergebracht. Draußen steht eine stattliche Kleinbusflotte, die die Beschäftigten morgens holt und nach Feierabend wieder nach Hause bringt. Zur Werkstatt gehört auch eine Gärtnerei, der Berufsausbildungsbereich sowie die Kaffeerösterei am Hafen.

Gestern besuchte eine CDU-Delegation unter Leitung von Katharina Heldt in Begleitung von Bürgermeister Jörg Sibbel die Werkstatt. Werkstattleiter Udo Tank, seine Mitarbeiter Jan Brocks und Ingrid Margarethe Engelmann sowie die Gruppenleiter stellten den Besuchern die Werkstattarbeit sowie die Förder- und Betreuungsmöglichkeiten vor, die die Einrichtung des Diakonischen Hilfswerks seit 1976 in Eckernförde und seit 1984 an diesem Standort für behinderte Menschen anbietet. Von der Fördergruppe mit Schwerbehinderten, die handgefertigte Kerzen herstellen und auch mal zum Klo begleitet werden müssen, über Seifen bis hin zur hochkomplexen Arbeit in der Holz- und Metallwerkstatt reicht das Angebot, das die behinderten Menschen fordert und fördert und ihnen eine produktive Beschäftigung und Sozialkontakte bietet. Im Schnitt erhalten die Beschäftigten 180 Euro im Monat. „Erschreckend wenig“, sagt Werkstattleiter Udo Tank, der es als ungerecht empfindet, dass die Mitarbeiter vom Mindestlohn (8,50 Euro) ausgeschlossen sind.

Neben Produktion und Dienstleistungen nimmt die Eckernförder Werkstatt auch Aufträge von Firmen oder Privatpersonen entgegen und vergibt ihrerseits Arbeiten an das örtliche Handwerk. So lässt Behn in der Werkstatt den Kleinen Feigling verpacken, Punker Ventilatorräder sandstrahlen und das imland-Seniorenhaus Wäsche waschen, um nur einige Beispiele zu nennen. Werkstatt-Produkte werden auf Messen präsentiert, wie nächste Woche das frisch riechenden Reinigungs- und Pflegesortiment der Seifenwerkstatt von Anette Fritzsche in Nürnberg.

Werkstattchef Tank – seit 1978 dabei und ab September Ruheständler – hat weitere Pläne: Er möchte die für die Werkstatt wichtige Wäscherei im benachbarten Gewerbegebiet Marienthal ausbauen und weitere Arbeitsplätze schaffen. Er ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Eckernförder Werkstatt: „Ein sehr gut funktionierender Laden.“ Wenngleich ihm die beim Kreis Rendsburg-Eckernförde angesiedelte Koordinierungsstelle der sozialen Hilfen der Schleswig-Holsteinischen Kreise (Kosoz) das Leben erschwere. „Wir müssen uns zunehmend rechtfertigen für unsere Arbeit, das ist wirklich ätzend“, kritisiert Tank. „Dieser Trend sagt was über die Wertschätzung aus – das geht so nicht.“ Er bemängelt, dass der Personalschlüssel nicht den Anforderungen der komplexen Förder- und Betreuungsaufgaben entspreche.

Die CDU-Politiker hörten aufmerksam zu und zeigten sich am Ende beeindruckt von der professionellen Arbeit und der engen Vernetzung mit der örtlichen Wirtschaft.

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