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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 14:51 Uhr

Die Kunst des Brotbackens

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Deutschen essen pro Kopf so viel Brot wie kein anderes Volk der Erde / Qualität hat seinen Preis

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 10:06 Uhr

„Mein tägliches Brot“ – wenn Sie weiterlesen, werden Sie feststellen, dass es hier nicht um Inhalte der Bibel geht, sondern schlichtweg um Brot. Und weil ich mich jeden Morgen neu auf mein Dinkelvollkornbrot freue, frisch selbst geschnitten, nicht zu dick und herzhaft belegt, wollte ich unserem Brot mal auf den Zahn fühlen.

Sicher haben Sie es auch schon gehört, gelesen, dass Deutschland Weltmeister ist: Unsere Bäcker bieten tatsächlich weltweit die größte Vielfalt an Brotsorten an. Wobei ja schon die Verwendung verschiedener Mehlsorten und unterschiedlicher Körner, obendrauf gestreut, ein paar neue Brotsorten mit neuen Namen ergeben. Das können sogar wir zuhause: Fertigmischung, Nüsse, Rosinen, was auch immer, schwupps, haben wir ein neues Brot kreiert.

Mein frisch gekauftes Brot hält locker acht Tage, aus dem Urkorn, dem Dinkel, gebacken, gesund bis in die Haarspitzen, äh, Krümel – und schmeckt mir von einem Kanten bis zum anderen, es wird fester, aber es bleibt total lecker. Wer dann wie ich immer noch eine Vier-Scheiben-Portion einfriert, bei Bedarf unaufgetaut toastet, wenn das Brot gerade alle ist … hmmm, einfach köstlich! Toasten Sie nicht Toastbrot, nein, versuchen Sie es mit Ihrem Schwarzbrot. Ich verspreche Ihnen Genuss pur. Mein Bäcker backt schon seit 130 Jahren – vielleicht nicht immer schon mein Brot, aber seine Traditionen und Erfahrungen sind mitgebacken.

Brot soll immaterielles Weltkulturerbe der Unesco werden, munkelt man. Im bundesweiten Verzeichnis schützenswerter Kulturgüter hat es schon seinen Platz. Nun gibt es da eine halbwegs geheime Liste für die Unesco mit 83 deutschen Vorschlägen, die alle unser deutsches „Wesen“ ausmachen sollen. Da steht dann der Fasching auf der Liste, Schützenvereine, die Passionsspiele in Oberammergau, auch Ludwig van Beethoven gehört dazu. Aber im Rennen sind auch Bier und Skat – und unser täglich Brot.

Leider ist unsere Brotkultur dabei, sich ihren guten Ruf (und den Eintrag als Weltkulturerbe) zu verscherzen. Immer mehr Brotfabriken stellen immer mehr Brot und andere Backwaren als Massenware her, Bäckereien benutzen die ach so praktischen Backmischungen der Industrie. Dann wird z.T. eingefroren und wieder aufgetaut. Sogenannte Backstraßen bekommen vorgefertigte Brote und Brötchen und die Angestellten schieben sie noch einmal für ein Viertelstündchen in einen Ofen im Supermarkt. Wenn’s beim Einkaufen aus dem Off klingelt, wissen wir Bescheid. Alles „frisch“ und noch warm. Die Backwaren sehen, zugegeben, gut aus und sind im Verhältnis zu meinem „echten“ Bäckerbrot viel günstiger. Ich hab’s sogar probiert – es hat geschmeckt, aber ich fühle mich bei meinem Bäcker besser aufgehoben, lasse mir die Zutaten erklären, die keine verdeckten künstlichen Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und Feuchthaltemittel nötig haben. Der Beruf des Bäckers ist heutzutage ein hartes Brot.

Für alle, die keinen Bäcker gleich um die Ecke haben, gibt es dennoch Trost. Nicht alle Großbäckereien sind schwarze Schafe, denn es gibt welche, die erkannt haben, dass es lohnt, den Sauerteig wieder selbst zu machen. Das Brot schmeckt eben doch besser, man bedient sich der Stoffe aus der Natur, sogar die Produktion ist günstiger als vorher. Wer abgepacktes Brot kaufen will oder muss, wird also nicht immer allein gelassen.

Was hat der Verbraucher schon vom günstigen Brot, wenn er die Reste entsorgen muss? Man hat festgestellt, dass altbackenes Brot der größte Posten in der Biotonne ist. Mir tut die heutige Wegwerfmentalität eh schon weh, aber bei Lebensmitteln sträuben sich meine Nackenhaare.

Auf dem Speiseplan der Deutschen steht Brot ganz oben, dann sollten wir es, genau wie andere Lebensmittel, auch entsprechend wertschätzen. Unsere Bäcker und andere Lebensmittel-„Handwerker“ werden uns mit ihrer Qualität belohnen.

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