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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 20:33 Uhr

Handwerk : Die Kunst der Messermacher

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Abenteurer Harald Gross stellt kunstvolle Messergriffe in Handarbeit her.

Eckernförde | Harald Gross hat schon viel erlebt: Er ist mit Schlittenhunden durch Alaska gefahren und war Gast bei den Embara-Ureinwohnern in Panamas Urwald (wir berichteten). Auf seinen zahlreichen Reisen stößt er auf exotische Holzarten, Rentierhorn, Mammutzähne und andere Materialien. Vor einem Jahr hat er angefangen, die von Geschichten und Abenteuern erzählenden Stücke zu außergewöhnlichen Messergriffen zu formen. Die Klingen, teilweise 200 Mal gefalteter Damaszenerstahl, bezieht er von Schmiedemeistern aus Skandinavien, wo er einige Jahre lebte. Er selbst hat auch schon zahlreiche Schmiedelehrgänge besucht, doch „ich habe gemerkt, dass das nicht so mein Ding ist“. Nur Karbonklingen stellt er selbst her.

„Mein ganzes Leben habe ich mit Messern zu tun gehabt“, erzählt Harald Gross. Das erste Messer bekam er mit fünf Jahren von seinem Großvater geschenkt. Es hatte einen Hirschhorngriff und war sein erstes Handwerkszeug. Heute ist er leidenschaftlicher Fliegenfischer und Abenteuer – ohne Messer geht er nicht auf Tour. Scrimshaws (Gravuren in Horn) von Angelfliegen und Fischen zieren viele seine Arbeiten. Angefangen hat alles mit nur einem Messer: „Es ist irgendwie eine Sucht daraus geworden“.

Neben zwanzig Millionen Jahre altem Mammutzahn, hat er schon Goldnuggets und Halbedelsteine verarbeitet. Auch die Silberlöffel seiner Frau sind nicht sicher.: „Da hält sie nicht viel von“, sagt der 64-Jährige lachend. Trotzdem ist er immer auf der Suche nach neuen Materialien. Die Formen, welche er aus ihnen herausarbeitet, geben sie ihm vor. Bevorzugen tut er den nordischen Stil.

Demnächst ist er daher auch wieder auf der Knive-Messermachermesse in Norddänemark. Auf Kunsthandwerkermärkten trifft man ihn nur auf Anfrage, von Messerbaubörsen hält er gar nichts. Er möchte, dass seine Arbeiten in schätzende Hände kommen.

So sind zwei seiner Messer mit selbst gearbeiteten Lachslederscheiden nach Japan gegangen, und er hat einen Auftrag von der Jagdgesellschaft München erhalten.

In einem kleinen Jungen aus Kassel hat Harald Gross sich selbst wiedergefunden: Für ihn arbeitet er an einer Spezialanfertigung aus Horn mit Feder-Scrimshaws.

Insgesamt hat er schon 37 Messer in Handarbeit gebaut. Ein Schleifteller ist die einzige Maschine, die im dabei in seiner Werkstatt hilft. Harald Gross liest viel über alte Fertigungstechniken: Die verschiedenen Arten, in denen Lederscheiden gefertigt werden können, auf skandinavische oder spanische Weise zum Beispiel. Auch über moderne Verfahren der Haltbarmachung von Mammutzähnen. Doch wie Gitarrenspiel oder Malerei auch – es ist eine Beschäftigung für die Wintermonate. Denn für den Sommer plant er schon seine nächste Tour, mit einem Schlauchboot durch Kanada.

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