Alternativer Nobelpreis : "Die Kohle-Nutzung ist ein Verbrechen gegen künftige Generationen"

'Die Entscheidungsträger müssen mitziehen, dann sind die Menschen zu Veränderungen bereit' -  Jakob von Uexküll. Foto:  Blumenthal
"Die Entscheidungsträger müssen mitziehen, dann sind die Menschen zu Veränderungen bereit" - Jakob von Uexküll. Foto: Blumenthal

Der Stifter des Alternativen Nobelpreises und Begründer des Weltzukunftsrates ist nach Schleswig-Holstein gekommen und hat etwas mitgebracht.

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23. Juni 2009, 12:02 Uhr

Kiel | Der 64-jährige gebürtige Schwede fängt mit der schlechten Nachricht an: "Unser bisheriges Handeln gefährdet unsere Lebensfähigkeit auf diesem Planeten. Der Club of Rome hat mit seinen Prognosen der Grenzen des Wachstums nicht nur Recht gehabt - es ist sogar noch schlimmer gekommen."
Überleben der Menschheit hängt für ihn von der Energieversorgung ab
Es ist die Verschwendung unwiederbringlicher Ressourcen, die von Uexküll brandmarkt, die Verbrennung von Öl und Kohle und das einhergehende Klimachaos, das mit dem massenhaften Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) auf die Erde zukommt. Für ihn hängt das Überleben der Menschheit vor allem von der Zukunft der Energieversorgung ab.

"Existenzfrage Energie: Globale Antworten auf die Krise" hat denn auch das heutige 44. Kieler Woche Gespräch des Schleswig-Holsteinischen Landtages zum Thema. Abgeordnete aller Ostseeanrainerstaaten sowie Islands, Grönlands und der Faröer sind dabei - und Jakob von Uexküll, "den wir als Gastredner gewinnen konnten", so Landtagspräsident Martin Kayenburg.

Aber der Weltzukunftsratsbegründer hat auch drei gute Nachrichten:

. Erstens: "Der Mensch ist zur Veränderung bereit." Dafür sorge der "Brut-Instinkt" - die Vorsorge für die Nachkommen, glaubt von Uexküll, der bereits von seinem Großvater, einem deutsch-baltischen Biologen, beigebracht bekam, "das Leben immer als Teil des großen Ganzen zu begreifen".

. Zweitens: "Die Lösungen für die Probleme sind da - sie müssen nur noch umgesetzt werden", sagt von Uexküll mit Blick auf Auszeichnungen, die für Konzepte zur Erhaltung der Umwelt oder schonenden Energiegewinnung verliehen werden.

. Und drittens: "Die Krise ist auch eine Chance." Die Krise helfe, alte Ideen des Wirtschaftens und Verschwendens zu überwinden. "Inzwischen macht jeder Vorschläge", beobachtet von Uexküll. Aber er fordert mehr: "Die Menschen müssen sich noch viel mehr politisch engagieren."

Zum Beispiel bei Kohlekraftwerken. "Die Nutzung von Kohle ist inakzeptabel und ein Verbrechen gegen künftige Generationen. Mich wundert, dass es dagegen nicht mehr Proteste gibt", sagt von Uexküll, wohl wissend, dass viele Schleswig-Holsteiner derzeit Front machen gegen die CO2-Einlagerung. "Die ist unsinnig", gibt er den Menschen im Norden Recht. "Sinnvoller wäre es, noch stärker den Wind zu nutzen."

Eines will er jedoch allen verdeutlichen: "Nur eine gesunde Umwelt kann unsere Freiheit garantieren." Und er glaubt, mittlerweile parteiübergreifend folgende Einsicht wahrzunehmen: "Wir werden keine Luxusökologie aufbauen können."

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