zur Navigation springen

Jahresempfang des Kirchenkreises : Die Kirche, die Menschen und das Glück

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Knapp 200 Gäste kamen am Montagabend zum Jahresempfang des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde in die Nicolai-Kirche. Auch Bischofsvertreter Gothart Magaard war dabei. Propst Sönke Funck stellte das Thema Glück in den Mittelpunkt seiner Rede.

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 06:19 Uhr

Es waren durchweg erfrischende und bereichernde Worte, die am Montagabend beim Jahresempfang des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde von den drei führenden Vertretern zu hören waren: Synodenpräsident Pierre Gilgenast beschwor die „lebendige Kirche“, die angesichts der Vielzahl der Projekte und Einrichtungen in den 37 Kirchengemeinde gelebt wird und wandte seinen Blick auch den Obdachlosen und armen Kindern in unserer Gesellschaft zu. Propst Matthias Krüger stieg mit der Begrüßung „herzlich willkommen im Luxus“ in seine Andacht ein, in der er sich in bemerkenswerter Weise differenziert und kritisch mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Materiellen auseinandersetzte und sich dabei auch einen Seitenhieb auf den Limburger Bischof Tebartz van Elst genehmigte. Kröger rief zur Bescheidenheit und Reduktion auf und dazu, wie Gott „ganz schlicht auf die Liebe zu setzen“.

Propst Sönke Funck wiederum nahm in seiner Rede Bezug auf die Jahreslosung 2014 „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Funck verstand es, die knapp 200 Gäste – darunter auch Bischofsvertreter Gothart Magaard – in der sehr gut gefüllten St. Nicolai-Kirche in Eckernförde mit zahlreichen klugen, aktuellen Versatzstücken an das Thema heranzuführen. Nachdem auch die ARD das Thema Glück für sich entdeckt hat und in unzähligen Interviews vom Philosophen über eine Ex-Pornodarstellerin bis hin zum TV-Unterhalter Eckhardt von Hirschhausen so ziemlich jeder zu Wort gekommen ist, der mit Glück in Verbindung zu bringen ist, schlug Funck die Brücke zum Glücksatlas der Deutschen Post und einer bundesweiten Glücksstudie. Er verband seinen Ausflug in die Populärwissenschaft mit einem kleinen Experiment: Er stellte den Gästen neun Fragen und bat sie bei Zustimmung aufzustehen. Auf die Einstiegsfrage „Leben Sie in Schleswig-Holstein“ stand das ganze Kirchenschiff, bei der letzten Frage „Sind Sie zwischen 20 und 30 Jahre alt?“ saßen alle – bis auf die Mitglieder des Nicolai-Jugendchores, der die Gäste in bester Manier unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski unterhalten hatte.

Propst Funck betrieb Aufklärung: Zwar titelten die Zeitungen unlängst unter Berufung auf den Glücksatlas „Die Menschen im Norden sind bundesweit die glücklichsten Deutschen“, doch seien die Menschen nicht per se nur deshalb glücklich, weil sie Schleswig-Holsteiner sind. Und so stieg Funck in einer sowohl sehr lehrreichen als auch sehr unterhaltsamen Reise durch die Geschichte und die Relativität des Glücksbegriffes ein, in der er zahlreiche kluge Köpfe von Aristoteles über Schopenhauer und Martin Luther bis Eugen Roth mit trefflichen Zitaten zu Wort kommen ließ und sich dabei immer wieder der christlichen Botschaft näherte. „Unser christlicher Glaube ist ein guter Weg zum Glücklichsein“, sagte Funck, wobei Gott „uns eben kein Dauergrinsen ins Gesicht zaubert“. Das Glück will erkannt und erschlossen sein, dann entfaltet es seine Wirkung – oft auch in den kleinen Dinge des Lebens.

Allen Unkenrufen zum Trotz sei „die religiöse Lage der Nation ganz so schlecht ja nicht“: Immerhin seien rund 50 von 80 Millionen Menschen Mitglied der beiden Volkskirchen. Sie säßen zwar nicht alle sonntags im Gottesdienst, fühlten sich aber zugehörig und fänden sich in den Werten und Themen, die die Kirche in den gesellschaftlichen Diskurs einbringt, wieder. Zum Beispiel in der Flüchtlings- und Asylproblematik. „Die Christengemeinde bringt sich aus ihrem Glauben heraus immer wieder ein in die Mitte der Gesellschaft“, sagte Propst Funck.

Und das dürfte auch ein Glück für die Kirche, die Menschen und die Gesellschaft sein.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen