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Eckernförder Zeitung

22. November 2017 | 03:05 Uhr

Carls : Die Jam-Night feiert laut Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Acht Bands sind zum fünften Geburtstag der Jam-Night im Carls aufgetreten. Zuvor gab es einen Musiker-Flohmarkt und Workshops für Musiker.

Eckernförde | 18 Uhr, bestes Frühlingswetter. Warm. Und im Carls herrscht Kunstlicht-Atmosphäre. Alles dunkel, die Nebelmaschine stößt ihre Wolken aus. Die größte regelmäßig stattfindende Jam-Session in Schleswig-Holstein beginnt. Seit fünf Jahren gibt es die „Jam-Night“ im Carls, bei der Musiker spontan miteinander auf der Bühne Musik machen. Das wird am Sonnabend mit mehreren Live-Bands gefeiert.

„The opposite of Silence“ als erste Band macht ihrem Ruf alle Ehre. Acht Bands sind für diesen Abend angekündigt. Stündlich wechselndes Programm, darin 45 Minuten Musik, eine Viertelstunde zum Umbau und Soundcheck für die Neuen, ein Hochleistungsjob für Stefan Walter aus der Technik und sein Team. Alle Auftritte werden für eine Benefiz-CD mit 16 Titeln aufgezeichnet. Danach Mixed Age – äußerlich in die Jahre gekommene Herren, eine Sängerin und kraftvolles Spiel. Grandiose Soli in den alten Rock-Nummern, Santana lässt grüßen. „Hold on, I’m coming“ im wahrsten Sinn des Wortes, echter Hammond-Sound aus dem edlen Keyboard mit „Jesus-Christ-Superstar-Zitat“ und George-Harrisons „While my guitar gently weeps“. Nach der offiziellen eine Zugabe: „Sweet home, Alabama!“ und „Johnny, be good“. Echter Rock’n Roll, der alle Welt draußen vergessen lässt.

Nun sind fast alle Tische im Carls besetzt, draußen scheint die Sonne weiter. Dann: „4Rocks“. Kraftvoll bestimmen sie „Breaking the Law“ das Gesetz des Frühlingabends: Immer noch still scheinende Sonne und milde zwitschernde Vögel… Kraftvoller Anfang einer langen Rock-Nacht.

Doch zuvor hatten sich die Veranstalter um Stefan Walter einiges einfallen lassen, um die Musiker in und um Eckernförde an diesem sonnigen Nachmittag ins Carls zu locken: Musikerflohmarkt, Workshops für Musiker und das neue Angebot des Carls waren zur Unterstützung von Amateur- und angehenden Profi-Musikern gedacht. Was groß angekündigt war, stieß jedoch anfangs nur auf verhaltenes Interesse. Wohl auch, weil im Flyer unterschiedliche Anfangszeiten für den Flohmarkt mit 17 statt 12 Uhr und für das Abendprogramm 21 statt 18 Uhr bekannt gegeben worden waren. So erlebten die Musiker-Kollegen einen ruhigen Nachmittag im neu gestalteten Außengelände und hatten viel Zeit für Gespräche und zum Austausch von Erfahrungen. Sechs Spezialanbieter mit meist gebrauchtem Band-Zubehör, Lautsprechern, Verstärkern, Heimstudiogeräten, aber auch Instrumenten vom Schlagzeugbecken, Saxofon bis zur historischen Rock’n-Roll-Gitarre und Zubehör hatten ihr Angebot draußen unter dem neuen Vordach ausgebreitet.

Wer da war, wurde bestens und nachhaltig informiert. Wie in Stefan Walters Workshop zum Thema Bandmarketing. Der Profi verriet seine Erfahrungen aus der Praxis und gab Tipps, die für viele Teilnehmer neu waren. Um sich bei Veranstaltern zu bewerben, sei ein Selbstverständnis als Dienstleister wichtig, um so viele Fragen wie möglich im Vorhinein zu beantworten. Dazu gehört eine Playlist, die Menge der Spieler auf der Bühne, Mikrofone, Monitore, Stromanschlüsse. Gut sei es, zunächst minimale Anforderungen zu nennen – und sogar einen „Unplugged“-Auftritt fast ohne Technik anzubieten, denn bei zu großen Ansprüchen würden Veranstalter die Band wegen hoher Kosten nicht engagieren. Eine Plakatvorlage sei hilfreich, Internet-Seite und Facebook-Auftritt undbedingt erforderlich. Wichtig sei ein Demo-Video, das nicht mit einem Wackelhandy aufgezeichnet wurde. „Die Veranstalter wollen kein Musikerlebnis, sondern wissen, wie die Band auftritt.“

So ein Video kann auch das Team vom Carls machen, das seit diesem Tag mit Saalmischpult und Aufzeichnung in Rundfunk-/Studioqualität als Produktions-Großraumstudio funktioniert. Ab 500 Euro kostet ein Youtube-fähiges Demo-Video vom Profi, das auf der großen Bühne des Hauses mitgeschnitten wird.

Peer Muhl aus Rieseby zeigte seine selbst gebaute E-Gitarre. 2018 wird der 22-Jährige seine Ausbildung als Möbeltischlermeister abschließen. Er kennt die klanglichen Eigenschaften verschiedener Hölzer genau. „Die E-Gitarren, die mir gefielen, waren mit 3000 Euro viel zu teuer. Deshalb baue ich sie mir selbst, wie sie mir gefallen.“ Zu 30 Prozent bestimme das Holz den Klang mit. Je härter es sei, desto besser. Palisander zum Beispiel sei hart und schwinge lange nach. „Ich kenne ein Palisander-Treppengeländer, das den Schall über zwei Stockwerke weiter leitet.“

Martin Lindemann von der Stockwerk-Schlagzeugschule bot im Stundenabstand Cajon-Kurse an, blieb aber meistens allein auf seiner Kiste sitzen. Im Trend liegen zurzeit elektronische Schlagzeuge: Sie sind leise und mietwohnungsfreundlich, weil sie über Kopfhörer spielen. Dennoch bleibt er der alten Bauweise treu: Demnächst bietet er einen Samba-Kurs an. „Trommeln und Wandern ist eben nur ohne Stromanschluss möglich.“

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