zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 04:39 Uhr

Vorsorge : „Die Hauptgefahr ist der Mensch“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Landwirte schützen sich vor afrikanischer Schweinepest / Mehr Organ- und Blutproben in der nächsten Jagdsaison angekündigt

von
erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Eine gefährliche Tierseuche ist auf dem Vormarsch: Bereits im Juni des vergangenen Jahres warnte die Bundestierärztekammer vor den Gefahren einer Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest (ASP). Jetzt hat sich die Befürchtung bestätigt – die äußerst gefährliche, weil hoch ansteckende Tierseuche ist in der EU angekommen. Wie die Veterinärverwaltung im Litauischen Bezirk Alytus, im Dreiländereck Polen, Litauen, Belarus, berichtete, wurden dort verendete Wildschweine gefunden, die mit dem Virus infiziert waren. Das teilt die Bundestierärztekammer mit. Damit sei die Gefahr einer Einschleppung der afrikanischen Schweinepest nach Deutschland größer denn je. „Wir appellieren darum an alle Schweine haltenden Betriebe, striktes Hygienemanagement zu beachten“, erklärt Prof. Dr. Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer.

„Weil die afrikanische Schweinepest in Deutschland bisher nie aufgetreten ist, sind die hiesigen Schweinebestände völlig ungeschützt.“ Ein Ausbruch würde katastrophale Folgen haben. Denn zur Bekämpfung stehe kein Impfstoff zur Verfügung – infizierte Schweine verenden innerhalb einer Woche. Die einzige Möglichkeit der Bekämpfung sei das Keulen, also das Töten und unschädliche Beseitigen ganzer Tierbestände. Daran mag Otto Blohm, Schweine haltender Landwirt aus Lindau, gar nicht denken. 140 Muttertiere und etwa 600 Ferkel versorgt der 53-jährige Lindauer in seinen Ställen. Besorgt ist er wegen der afrikanischen Schweinepest nicht. „Aber man muss wach sein“, sagt er. Über das Bauernblatt, den Bauernverband und aus Fachzeitschriften ist er über die Gefahr der Seuche informiert. „Durch den enormen Tierverkehr, der herrscht, ist es natürlich sehr schwer, sich zu schützen“, weiß er. Er versucht es, in dem er so wenig betriebsfremde Personen wie möglich in seine Ställe lässt. Und wenn, dann müssen sie betriebseigene Schutzkleidung überziehen. Kontakt mit Wildschweinen haben seine Tiere nicht. Im Fall einer Infektion wäre der Schaden groß. „Der ganze Bestand müsste gekeult werden“, sagt er. „Die Tiere würden über den Tierseuchenfond entschädigt, aber der Schaden nicht voll ersetzt. „Es dauert lange, bis man wieder ein Ferkel verladen könnte.“ Sechs bis acht Wochen, bis er das erste Tier aufstallen, acht Monate bis er das erste Tier verkaufen könnte. „Aber ich bin jetzt 27 Jahre dabei“, fügt er hinzu, „und zum Glück immer verschont geblieben von schwerwiegenden Seuchen“.

Tierarzt Thomas Roth aus der Tierarztpraxis Dr. Volker Otten & Thomas Roth in Gettorf schätzt das Risiko der Einschleppung der afrikanischen Schweinepest in den Dänischen Wohld im Moment als „noch nicht sehr akut“ ein. Dennoch fordert er erhöhte Wachsamkeit. „Die Hauptgefahr ist der Mensch“, ist er überzeugt. Das Virus könnte am wahrscheinlichsten durch infizierte Lebensmittel zu uns gelangen. Denn es ist sehr widerstandsfähig, hält sich in gekühltem Fleisch mehrere Wochen und in gefrorenem Fleisch sogar Jahrzehnte. Auch in gepökelten und geräucherten Waren wie Salami kann der Erreger monatelang überleben. Lebensmittelreste, die Schweinefleisch enthalten und auf Raststätten achtlos weggeworfen werden, können so die Tierseuche auf heimische Wildschweine übertragen. Auch an Jagdtrophäen aus den betroffenen Gebieten wie Litauen, Weißrussland oder Russland müsse man denken. Insofern sind auch Jäger zu erhöhter Sorgfalt angehalten. Wenn sie verendetes Schwarzwild finden, muss gesichert werden, dass kein Kontakt mit dem toten Tier möglich ist. Der Fund sollte unverzüglich dem Veterinäramt mitgeteilt werden. „Die Gefahr für das Schwarzwild im Dänischen Wohld ist schwer einzuschätzen“, meint dazu Christopher von Dollen aus Krusendorf, Revierjagdmeister und Leiter des Hegelehrreviers Grönwohld. „Da reicht ja ein infizierter Transport.“ Auf jeden Fall werde man in der kommenden Jagdsaison mehr Organ- und Blutproben nehmen beim Schwarzwild. Darauf habe ihn die obere Jagdbehörde schon hingewiesen. „Ob mehr Stichproben oder flächendeckend, das wissen wir noch nicht.“

Für den Menschen geht von der Tierseuche keine Gefahr aus. Darauf weist die Bundestierärztekammer ausdrücklich hin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen