Die grüne Landwirtschaft der Zukunft

Die Kreisvorsitzenden Dr. Martin Lätzel und Claudia Ulrich begrüßten beim Jahresempfang der Grünen Prof. Dr. Friedhelm Taube (v.l.)
Die Kreisvorsitzenden Dr. Martin Lätzel und Claudia Ulrich begrüßten beim Jahresempfang der Grünen Prof. Dr. Friedhelm Taube (v.l.)

Prof. Dr. Friedhelm Taube spricht beim Jahresempfang der Kreis-Grünen über umweltfreundliche und wirtschaftlich tragbare Landwirtschaft

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25. Februar 2017, 06:49 Uhr

„Ökologische Landwirtschaft“ war das Thema des Jahresempfangs des Kreisverbandes von „Bündnis 90/ Die Grünen“ am Donnerstagabend im Technik- und Ökologiezentrum (Töz). Mit Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität Kiel hatte der Kreisvorstand (Dr. Martin Lätzel und Claudia Ulrich) einen profunden Kenner der wirtschaftlichen und ökologischen Seite moderner Landwirtschaft eingeladen.

Prof. Dr. Taube, 2009 mit dem Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel ausgezeichnet, ist Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. Seit 1997 ist er wissenschaftlicher Leiter des Forschungsschwerpunktes „Ökologischer Landbau und extensive Landnutzungssysteme“. Dahinter verbirgt sich aufwändige Forschung in Theorie und Praxis in dem von ihm geleiteten Institut auf dem Versuchsgut Lindhof in Lindhöft. „Agrarforschung in landwirtschaftlichen Intensivregionen“ behandelt hausgemachte Probleme der Super-Milcherzeugung. An erhöhtem Futterbedarf, Nitratbelastungen, kurzer Nutzungszeit der Hochleistungskühe (mittlerweile gelten 10 000 Kilogramm Milch pro Jahr und Kuh als Untergrenze wirtschaftlicher Milchviehbetriebe) und den daraus entstehenden Belastungen für die Umwelt durch Emissionen mit Ammoniak, Gülle, Transporten und mehr forscht Prof. Taube mit seinem Team. Er sucht nach Möglichkeiten, durch die Entwicklung von umweltfreundlichen Landnutzungssystemen im ökologischen Landbau Auswege aus der Gülle- und Nitratfalle zu finden. Eine Möglichkeit dazu wäre „mixed farming“ ohne Konzentratfutter, mit Kühen in Stall- und Weidehaltung. Fundiert zeigte Taube Wege zu umweltfreundlicher Landnutzung auf, die auch noch wirtschaftlich tragbar erscheinen.

Laut Taube bedeutet die einseitige Intensiv-Landwirtschaft auf Dauer eine wirtschaftliche und ökonomische Sackgasse. Erinnerungen an frühere Bewirtschaftungsarten mit Fruchtfolgen und vielfältigen Kombinationen aus Herbst- und Frühjahrsansaaten wurden wach. Sie scheinen ökologisch und ökonomisch vielversprechender, umweltfreundlicher und damit zukunftsweisender zu sein. Damit würde auch, quasi nebenbei, der Verbreitung schädlicher Kräuter wie dem Ackerfuchsschwanz Einhalt geboten – ohne Extra-Kosten für Unkrautvertilgungsmittel und ohne vermeidbare Umweltbelastungen. Dazu empfahl Taube mit „Jersey-Rindern“ den Wechsel zu leichteren Tieren, die zwar weniger, dafür fettreichere (5–6 %) Milch mit hohem Eiweißgehalt liefern und eine nicht so aufwändige Futterversorgung (wie mit importiertem Soja) erfordern. Dafür ist die Milchmenge mit ca. 5000 Kilogramm je Tier und Jahr deutlich kleiner als bei den bislang eingesetzten Kühen.

Prof. Taube machte mit seinem Vortrag auf verständliche Weise klar, wie eine sich wirtschaftlich rechnende, umweltfreundliche Agrarwirtschaft mit weniger Belastung des Öko-Systems aussehen könnte – ohne dass die Versorgungssicherheit darunter leiden würde. Durch deutlich verringerte Ammoniakbelastungen der Umwelt würde auch der Rückgang seltener Tier- und Pflanzenarten gestoppt. Das ginge einher mit dem bevorstehenden, dramatischen Strukturwandel der „Landwirtschaft 4.0“. „In vier bis fünf Jahren werden selbstfahrende, satellitengesteuerte Traktoren Felder bearbeiten. Bislang hat die Landwirtschaft alle wirtschaftlichen Ziele erreicht, nicht aber die ökologischen. Erst durch die Verknüpfung mehrerer Öko-Dienstleistungen wird das möglich. Ökoeffizeinz statt Ertragsmaximierung bedeutet nicht nur einen Nutzen für die Landwirtschaft, sondern trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum bei.“



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