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Tansaner in Eckernförde : Die Geschichte einer grenzenlosen Freundschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Tansaner Maulidi Bakary hat die Familie Biewald vor elf Jahren als 16-Jähriger in Kenia kennen gelernt. Er brachte sich selbst Deutsch bei und sparte soviel er konnte. Nun hat er sie zum ersten Mal besucht.

Einmal nach Deutschland reisen – das war der Traum von Maulidi Bakary aus Tansania. Und dieser Traum ist nun wahr geworden. Der 27-Jährige ist vor drei Wochen bei Familie Biewald angekommen, seinen „deutschen Freunden“. Bis Samstag bleibt er noch bei ihnen in Eckernförde, dann geht es für ihn zurück in die Heimat, nach Arusha.

Die Geschichte dieser Freundschaft ist sehr außergewöhnlich. Kennen gelernt haben sich der Tansaner und die Biewalds vor elf Jahren in Kenia. Das Ehepaar aus Eckernförde machte dort Urlaub. Zwei Tage vor dem Rückflug kam die kurze Begegnung. „Wir sind am Strand spazieren gegangen“, erinnert sich Torsten Biewald. „Plötzlich kam Maulidi auf uns zu und fragte nach unserer Adresse.“ Er interessiere sich sehr für Europa, sei die Begründung des damals 16-Jährigen gewesen. Da Torsten Biewald sehr aufgeschlossen ist, hielt er den Kontakt zu dem Afrikaner – bis heute.

Dass der junge Mann nun mit seinen Eckernförder Freunden auf der Terrasse sitzt, hat er seiner Zielstrebigkeit zu verdanken. „Ich wollte unbedingt Deutsch lernen und nach Deutschland reisen“, erzählt er. Nach der Abreise der Biewalds begann er, die Sprache zu lernen. Torsten Biewald unterstützte ihn dabei, indem er ihm Bücher und CDs schickte. 2008 vertiefte Bakary seine Sprachkenntnisse in einem einjährigen privaten Sprachkurs. Außerdem schrieb er seinem Eckernförder Freund regelmäßig Briefe, danach kamen Telefongespräche und E-Mails dazu. Schließlich konnte er in seiner Heimat mit niemandem üben. Jetzt spricht er perfekt Deutsch.

Bakary war sehr ehrgeizig und konnte nach rund drei Jahren die deutsche Sprache verstehen, erzählt Antje Biwald. „Mein Onkel wollte mir nicht glauben, dass ich die Sprache kann, denn das ist in Tansania etwas Besonderes“, sagt Bakary und lacht. Seine Deutschkenntnisse und sein Führerschein halfen ihm dabei, einen Job als Reiseleiter zu bekommen. Dort lernte er weitere deutsche Touristen kennen, die er in den vergangenen drei Wochen besucht hat. Um seinen Flug zu bezahlen, sparte er sein Gehalt und verzichtete auf viele Dinge. So ging er zum Beispiel nicht weg und gab sein Geld nur für das Nötigste aus. Doch das machte ihm nichts aus, denn er wollte „unbedingt nach Deutschland“. Die Biewalds sind glücklich darüber, dass ihr afrikanischer Freund sie besucht. Als der 27-Jährige über seine Gefühle berichtet, endlich sein Ziel erreicht zu haben, hat Torsten Biewald Tränen in den Augen. „Das ist so berührend“, sagt er.

Und wie ist es nun, in Deutschland zu sein? „Schön“, schwärmt der junge Mann und erzählt, dass er in Arnis, der kleinsten Stadt des Landes, gewesen ist. Alles sei geregelt, das kenne er aus seiner Heimat nicht. Außerdem habe er nur freundliche Menschen kennen gelernt. Auch das Essen möge er. „Erst wusste ich nicht, was ich kochen soll, doch Maulidi schmeckt alles“, erinnert sich Antje Biewald lachend.

In zwei Jahren möchte Bakary wieder nach Deutschland fliegen. Dann wollen Touristen aus Konstanz, die er in Tansania getroffen hat, eine Safari machen und ihn am Ende des Urlaubs mitnehmen. Dass er dann wieder bei den Biewalds Station macht, steht außer Frage: „Erst nach Eckernförde, dann zu den anderen.“

 

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erstellt am 23.Mai.2014 | 06:37 Uhr

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