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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 23:17 Uhr

„Die ganze Stadt lebt Green Screen“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Festivalmacher starten voller Elan und Optimismus ins 9. Internationale Naturfilmfestival. Nur die fehlende Landesförderung wirft Schatten auf Green Screen.

Eckernförde | Was macht eigentlich der Eisbär im Sommer?, lautet die Frage, die Naturfilmer Klaus Scheurich sich gestellt hat. Eine ganze Menge, noch dazu dokumentiert in berührenden Bildern, die Scheurich in der Hudson Bay aufgenommen hat. Sein Film „Eisbärensommer“ lief gestern zum Auftakt des Schulprogramms im Ratssaal, auf den Sitzen Grundschüler, die fasziniert waren von den Aufnahmen und Klaus Scheurich Löcher in den Bauch fragten. „Für mich sind das die schönsten Veranstaltungen“, schwärmte der Pressesprecher des Internationalen Naturfilmfestival Green Screen, Michael van Bürk, gestern bei der Eröffnungspressekonferenz. „Green Screen erreicht die Herzen der Kinder.“

Ähnlich beeindruckende Bilder gab es gestern in sieben Festival-Spielstätten, wenn man den Fulldome des Helmholtz-Zentrums Geesthacht an der Hafenspitze mitzählt – und das muss man. Und damit hat die neunte Auflage des Festival einen fulminanten Start hingelegt. Den Macher hinter den Kulissen war die Vorfreude auf die nächsten Tagen anzumerken. 130 Filmemacher aus 20 Ländern zeigen bis Montag ihre Produktionen, erwartet werden 15  000 Besucher, weitere 10  000 Zuschauer haben die Filme außerhalb von Eckernförde gesehen, beispielsweise bei der Schulkino-Woche oder der großen Filmtour des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z). „Green Screen ist mit insgesamt rund 25  000 Besuchern das Publikumsfestival“, sagte van Bürk. Und zwar eines, das auch bei den Filmemachern selbst, den Naturfilmredaktionen im In- und Ausland sowie den Produktionsgesellschaften höchste Anerkennung genieße. „Die Filmemacher lieben Eckernförde und das Festival“, erklärte Festivalleiter Gerald Grote, der Green Screen zusammen mit seinem früheren Schulfreund und heutigen Mitarbeiter für Naturschutz und Landschaftspflege der Stadt Michael Packschies, vor neun Jahren aus der Taufe gehoben hat.

Der grüne Teppich ist ausgerollt, jetzt heißt es kommen, schauen und genießen. Der Zuspruch ist enorm, schon jetzt ist das Vorjahresergebnis zu 75 Prozent erreicht, „die letzten 25 Prozent schaffen wir beim Festival“, ist Green Screen-Geschäftsführer Markus Behrens überzeugt. Der Kartenverkauf deckt rund 20 Prozent des Festivalbudgets von rund 300  000 Euro. Weitere 20 Prozent werden durch Spenden finanziert, mit denen Green Screen aber nicht fest kalkulieren kann. Die Stadt Eckernförde schießt 50  000 Euro hinzu, die restlichen rund 130  000 Euro kommen von privaten Sponsoren und Stiftungen wie der Medienstiftung oder der Filmförderung Hamburg / Schleswig-Holstein. Das Land gibt sich nach wie vor zugeknöpft, aus dem Landesetat fließt kein Euro. Das stinkt den Eckernförder Festivalmachern. „Green Screen muss man kennen. Es ist enttäuschend, dass das Land dies offenbar ignoriert“, sagt Gerald Grote. „Wir wünschen uns eine verlässliche Förderung des Landes Schleswig-Holstein im fünfstelligen Bereich, um Green Screen langfristig absichern zu können“, sagt Michael van Bürk. „Das Festival ist ein kultureller Wert für das Bundesland, doch der scheint nicht wahrgenommen und anerkannt zu werden.“ Ohne Landesbeteiligung sei die Zukunft Green Screens dauerhaft nicht gesichert.

Das ist zwar ein existenziell wichtiges Thema, doch das Positive überwiegt bei Weitem. Die Strahlkraft des Internationalen Naturfilmfestivals kennt nur eine Richtung: nach oben. Und das ohne ein professionelles Kino in Eckernförde. Ein Manko, das die Stadt bewegt, aber von den Filmemacher als nicht so gravierend eingestuft wird, wie Festivalleiter Grote sagt. Was fehlt, sei ein Saal für 200 Besucher, das Carls auf Carlshöhe, das diese Möglichkeit bietet, liege zu weit außerhalb. Man habe die Spielstätten Stadthalle, Galerie 66, Turnhalle der früheren Willers-Jessen-Schule, Das Haus, Ratssaal und Ostsee Info-Center entsprechend technisch ausgestattet und präpariert, dass dort Kinoerlebnisse möglich sind. Alle „Kinosäle“ sind auf Anregung von Geschäftsführer Behrens durch neue Schriftbänder als Spielstätte kenntlich gemacht worden. „Ein tolles, neues Erscheinungsbild“, lobte Grote, dass vor allem deshalb wichtig ist, „weil wir wohl auch in den nächsten Jahren kein Kino haben werden“. Was die Phantasie, das Engagement und den Ehrgeiz der Macher und über 100 ehrenamtlichen Helfer nur noch mehr anstachelt: „Wo wir Beamer und Leinwand aufstellen, ist Kino!“ stellte der Festivalleiter selbstbewusst fest. Grote, der ursprünglich nur die ersten drei Jahre als Festivalleiter fungieren wollte, nun aber schon im neunten Jahr dabei ist und noch keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigt, versuchte dem Geheimnis des Erfolgs auf die Spur zu kommen: „Das sind 1000 Facetten. Da ist die familiäre Atmosphäre und das große Engagement aller Beteiligten und der ganzen Stadt – Eckernförde und Green Screen ist ein Synonym. Das kann man nicht steuern und hat sich so ergeben. Green Screen macht was mit einem.“ „Ich sehe nicht ein Gesicht, dass nicht strahlt“, merkte Michael von Bürk an. Viele Helfer nähmen extra Urlaub, um das Festival zu unterstützen und dabei zu sein. Wie Prof. Dr. Heike Jüngst, Professorin für Translatorik an der Uni Würzburg, die mit ihren Simultanübersetzungen einen wichtigen Beitrag zur Einbindung der ausländischen Filmemacher leistet. „Dieser Einsatz, das ist für mich typisch Green Screen“, schwärmt van Bürk.

Seit Längerem aktiv, aber erstmals ganz an der Spitze des Fördervereins ist die neue Vorsitzende Ulrike Lafrenz. Sie ist dabei, sich viel Wissen anzueignen und die vielen Aktivitäten und Abläufe zu verinnerlichen. „Ich bin sehr bemüht, in die großen, grünen Schuhe von Jochen Hillers hineinzuwachsen“, sagte sie im Jahr 1 nach dem Tod des „Motors und Lenkers“ von Green Screen, wie der 2. Vorsitzende, Martin Krohn, die großen Verdienste des Verstorbenen würdigte. Es habe einen „Findungsprozess“ gegeben, um sich personell und strukturell neu zu positionieren und Green Screen als „identitätsstiftendes Merkmal der Stadt“ zu erhalten, so Krohn. Indessen fühlt sich die neue Vorsitzende „mitgerissen und beflügelt“ von der großen Begeisterung aller Beteiligten, der Dynamik der Festivals und der großen gesellschaftlichen und bürgerschaftlichen Unterstützung in Eckernförde. „Alle sind von der Idee getragen, ich habe so etwas noch nie erlebt, das ist einmalig. Die ganze Stadt lebt Green Screen.“

Etliche Vorführungen sind ausverkauft, doch es gibt noch Karten vor allem für die Vorstellungen in der Stadthalle und noch welche für die Preisverleihung am Sonnabend inklusive Imbiss und Überraschungen. Am 18. September reist Green Screen mit zwei Filmen im Gepäck ins Alsion nach Sonderburg, um auch in Dänemark für das Festival zu werben. Das 10. Festival ist ebenfalls schon terminiert: 2016 findet Green Screen vom 14. bis 18. September statt. Vielleicht ist bis dahin auch der erhoffte große Sponsor gefunden, „den es gibt, aber der uns noch nicht kennt“, wie Festivalleiter Grote anmerkte. Er wünscht sich ein Filmmusikkonzert am Vorabend des nächsten Festivals. „Es muss nicht Helene Fischer sein, vielleicht klappt es ja mit dem Schleswig-Holsteinischen Musikfestival“.

>www.greenscreen-festival.de

 

 

 

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erstellt am 11.Sep.2015 | 06:24 Uhr

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